Liebesgrüße aus Moskau

Russlands erste Supersportwagen: Liebesgrüße aus Moskau

Russland kann sich zurecht als eine Nation mit großem Ingeneursgeist bezeichnen: Radio, Glühbirne, Fallschirm, Fernsehen – allesamt Erfindungen der Sowjetrepublik, auch wenn westliche Geschichtsbücher hier oft weniger kommunistische Erfinder anführen. In einer Disziplin ist Russland jedoch ein nahezu unbeschriebenes Blatt: In der Geschichte des Automobils fand sich noch bis vor Kurzem kein einziger russischer Sportwagen.

Diesen weißen Fleck auf der Automobil-Landkarte füllt jetzt der russische Automobilhersteller Marussia aus. Marussia hat mit seinem Erstlingswerk weit mehr als einen patriotischen Meilenstein gesetzt: Im hart umkämpften Markt der Supersportwagen scheint es den Gründern Nikolay Fomenko und Yefim Ostrovsky tatsächlich gelungen zu sein, eigenständiges Design und markanten Fahrzeug-Charakter zu schaffen. Der Newcomer fertigt seinen Supersportler wie einen Maßanzug – die Basis bleibt dieselbe, Details werden an den Kunden angepasst.

ENTWICKLUNG IM EILTEMPO. Erst 2007 gegründet, stellte Marussia bereits ein Jahr später, im Dezember 2008, sinen ersten Supersportwagen vor. Die internationale Presse schenkte dem Marussia B1 allerdings nicht allzugroße Beachtung – kaum jemand erwartete ernsthaft, dass es das frisch gegründete Unternehmen tatsächlich schafft, den präsentierten Prototypen-Konzepts zur Serienreife weiterzuentwickeln.

Bereits Ende 2009 begann Marussia mit der Produktion des ersten B1 – im April 2010 folgte schließlich die Premiere des ersten Produktionsmodells.

Im Reigen der Automobilhersteller stellt Marussia mit seinen bisher extrem kurzen Entwicklungszyklen eine echte Ausnahme dar. In der Regel vergehen vom ersten Konzept bis zur Serienreife rund 5 Jahre – Marussia schaffte dieselbe Entwicklung in gerade einmal der Hälfte der Zeit.

Dass es CEO Nikolay Fomenko nicht bei einer handvoll gefertigter Supersportwagen belassen will, zeigt sich an den ehrgeizigen Ambitionen des Russen: Im Herbst dieses Jahres eröffnete Marussia seinen Showroom in der Moskauer Innenstadt – weitere Verkaufslokale rund um den Globus sollen folgen.

TV-STAR ALS CEO. Die Chancen auf Erfolg stehen nicht einmal allzu schlecht – Fomenko ist nämlich kein unbeschriebenes Blatt was Sportwagen betrifft. Nikolay Fomenko ist in Russland eine Berühmtheit: Er ist Rennfahrer, Musiker, Schauspieler und nicht zuletzt der Moderator der russischen Spin-off-Ausgabe von Top Gear. Sein Bekanntheitsgrad wird der Sportwagen-Marke mit Sicherheit nicht schaden.

Der Marussia B1 war lediglich der erste Schritt auf dem Weg zum Sportwagen-Olymp: Dem B1, der mit einer limitierten Auflage von immerhin 2999 Stück verkauft wird, folgt bereits in Kürze der B2. Bis 2014 will Marussia 10.000 Fahrzeuge produzieren, mehr als 2,000 davon sollen bereits vorbestellt sein.

MOTOR VON COSWORTH. Beide Sportwagen werden von in Kooperation mit Cosworth entwickelten V6-Motoren angetrieben. Muss der B1 noch mit einem frei atmenden 3,5-Liter V6 (300 PS, 410 Nm) das Auskommen finden, schlägt im B2 bereits ein 2,8-Liter Turbo-Herz, das stolze 420 PS und 600 Nm Drehmoment liefert. Die Motoren sitzen, in bester Supersportwagen-Tradition, in der Mitte der Fahrzeuges.

Dank eines Gewichtes von gerade einmal 1100 kg erreicht der B2 die 100 km/h Marke aus dem Stand nach bereits 3,8 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit veranschlagt Marussia bei beiden Fahrzeugen mit “mehr als 250 km/h”.

Angesichts dieser Fahrdynamik, des edlen Interieurs und des extravaganten Stylings kann der Preis der Marussia-Supersportwagen überraschen: Mit rund 100.000 Euro gehören sie zu den derzeit preiswertesten Supersportlern überhaupt.

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