Neue Limousine für Russlands Staatsführung

Wenn die Führer der Weltnationen nach einem langen Verhandlungstag am G8-Gipfeltreffen abends ihre Autoschlüssel auf den Tisch packen, wird’s für Russlands Präsidenten unangenehm: Obama fährt Cadillac (“Caddy One “), Merkel fährt wahlweise einen Mercedes S600 oder einen Audi A8, die britische Staatsspitze sitzt standesgemäß im Bentley oder Rolls Royce, Nicolas Sarkozy lässt sich im Renault Vel Satis chauffieren, Italiens Präsident Berlusconi hat einen Maserati Quattroporte in der Garage (obwohl zu ihm ein vergoldeter Ferrari wohl besser passen würde), China fährt im Hongqi HQD vor und Japans Premieminister nimmt im Lexus LS 600h L Platz. Selbst Kanada kann mit einem Fahrzeug aus heimischer Produktion aufwarten (auch wenn der Cadillac DTS an sich eine US-Marke darstellt). Und Russland? Vor Dmitri Medwedew liegt der Schlüssel zu seiner Mercedes S-Klasse.

Russland ist bei der Mobililtät seiner Staatsführung also auf ausländische Hilfe angewiesen – ein Makel, den der Kreml jetzt beseitigen will.

Zusammen mit dem russischen Automobilhersteller Zavod imeni Likhachova (besser bekannt als ZiL) hat Russlands Regierung einen Wettbewerb ausgeschrieben, die neue Limousine des Präsidenten zu entwerfen.

Der bislang mit Abstand vielversprechendste Wettbewerbsbeitrag kommt vom ehemaligen ZiL-Autodesigner Slava Saakyan. Seinem Design-Unternehmen slava’saakyan design studio ist es mit dem Entwurf des ZiL Concept gelungen, Tradition und Moderne in einem atemberaubenden Automobildesign zu verbinden.

Das monolitische Formkonzept des ZiL versucht nicht gefällig zu wirken. Ornamentale Details sucht man vergeblich – Saakyan konzentriert sich auf klare und erkennbare Proportionen und rationale Formensprache (auch wenn von “Ratio” angesichts der schieren Dimensionen des Wagens kaum etwas zu merken ist). Das Design des Fahrzeugs soll mit seinen scharfen Kanten und dem fehlenden Heckfenster wie aus einem Guss wirken.

Saakyan legt Wert darauf, dass das Auto – sollte es denn gebaut werden – nicht mehr weiter verändert werden sollte: Keine zusätzlichen Elemente, kein Abrunden der Kanten, kein weiteres Styling.

Noch Ende dieses Jahres soll die Entscheidung über die Limousine für Medwedew im Kreml fallen. Falls Saakyan den Zuschlag erhält, wird ZiL zunächst einen einzigen Prototypen herstellen, der ausschließlich der präsidialen Fortbewegung dienen soll. Die übrige Flotte (meist deutscher) Regierungsfahrzeuge soll erst in den kommenden Jahren durch ZiL-Limousinen ersetzt werden.

Macht nichts – Premieminister Putin scheint uns ohnehin besser im Marussia B2 aufgehoben.


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