Die Mythen ums Spritsparen

Noch nie (*) war es teurer ein Auto zu betreiben, wie heute – und billiger wird’s in absehbarer Zeit wohl auch nicht werden. Was liegt also näher, am offensichtlichsten Kostenfaktor des Fahrzeugs anzusetzen: Dem Treibstoff-Verbrauch. Allerlei Tipps, wie man den Durst des Motors zügeln kann, kursieren unter Autofahrern und in Internet-Foren. Doch welche der Weisheiten bringt wirklich einen messbaren Effekt – und welche kann sogar dem Fahrzeug schaden?

Wir haben die gängisten Spritsparweisheiten (und ein paar exotischere) genauer untersucht, und wissen jetzt was Sprit spart, was nichts bringt, und was sogar dem Auto schaden kann.

Alle Spritspar-Mythen, und wie sie sich in der Realität schlagen, erfahren Sie auf den nächsten Seiten.

*) Ok, vielleicht war es im 19. Jahrhundert noch teurer, aber darum geht’s jetzt nicht…

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Spritspar-Mythos Nr. 1

Stärker aufgepumpte Reifen verringern den Verbrauch

MYTHOS: An sich durchaus logisch: Reifen, die zuwenig Luft haben, erhöhen den Verbrauch – daher sollten Reifen, die man über ihre empfohlenen Werte aufpumpt eigentlich den Verbrauch senken. Der Pneu wird schließlich steifer und liegt nur mehr mit einer kleineren Fläche auf der Straße auf – was den Rollwiederstand und damit den Treibstoffverbrauch senkt.

REALITÄT: Ja, man kann mit extrem hohem Reifendruck wirklich Benzin einsparen – allerdings nur im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Von solcher Reifenmanipulation ist aber dringend abzuraten: Der geringere Reibungswiederstand der Reifen verlängert den Bremsweg deutlich, verschlechtert den Grip und erhöht die Gefahr eines Reifenschadens. Als Methode zur Treibstoffeinsparung sind übermäßig stark aufgepumpte Reifen daher absolut ungeeignet.

FAZIT: Stimmt nicht

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Spritspar-Mythos Nr. 2

Je kleiner der Motor, desto geringer der Spritverbrauch

MYTHOS: Kleinere Motoren mit geringem Hubraum sind großen Maschinen in Sachen Spritverbrauch prinzipiell überlegen.

REALITÄT: Der Verbrauch eines Autos hängt in aller erster Linie nicht von der Technik ab, sondern vom Gasfuß des Fahrers. Kleine Motoren sind in der Regel wirklich sparsamer als hubraumstarke Aggregate – jedoch nur, wenn sie auch entsprechend zärtlich gefahren werden. Wer mit seinem sparsamen, und vergleichsweise PS-schwachen Turbo-Vierzylinder versucht, mit deutlich stärkeren Fahrzeugen im Fließverkehr mitzuhalten, steigt beim Verbrauch oft schlechter aus. Kleine Motoren verbrauchen daher nur dann weniger als große, wenn sie wirklich langsam gefahren werden.

FAZIT: Stimmt nur bei angepasster Fahrweise

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Spritspar-Mythos Nr. 3

Neue Automodelle verbrauchen weniger Sprit

MYTHOS: Neuere Automodelle sind durch sparsamere Motoren und intelligente Treibstoff-Spar-Technologien deutlich sparsamer im Spritverbrauch als ältere Modelle.

REALITÄT: Seit den 80er Jahren hat sich die Effizienz von Verbrennungsmotoren zwar nicht signifikant erhöht, durch Technologien, wie Bremsenergie-Rückgewinnung liegt der effektive Verbrauch jedoch oft etwas unter dem älterer Automodelle.

Allerdings sind neue Autotypen meist deutlich schwerer als ihre Vorfahren, was einen eventuell vorhandenen Technologievorsprung schnell wieder auffressen kann. Ob ein neues Automodell also sparsamer ist als ein vergleichbares älteres, hängt daher stark vom Hersteller und vom jeweiligen Modell ab.

Die Schadstoff-Emissionen sind bei neueren Fahrzeugen so gut wie immer deutlich besser als bei betagten Typen.

FAZIT: Stimmt nur zum Teil

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Spritspar-Mythos Nr. 4

Ausgeschaltete Klimaanlage spart Treibstoff

MYTHOS: Klimaanlagen sind Spritfresser! Wer auf die Klimaanlage verzichtet, kann locker bis zu 1 Liter auf 100 km einsparen.

REALITÄT: Wer im Winter mit eingeschalteter Klimaanlage fährt, verschwendet eindeutig Treibstoff. An heißen Tagen sieht die Sache jedoch anders aus. Während es im Stadtverkehr durchaus Vorteile bringt, statt des Einschaltknopfes der Klimaanlage lieber den Fensterheber zu betätigen, sind Autobahnfahrten ohne A/C nur für Saunierer mit Benzinspar-Effekt verbunden. Das Öffnen eines Fensters verursacht bei Überland- und Autobahngeschwindigkeit bereits eine derart starke Verschlechterung der Ärodynamik, dass der Spritverbrauch deutlich stärker ansteigt, als durch eine eingeschaltete Klimaanlage.

FAZIT: Stimmt für Stadtverkehr, falsch bei Autobahnfahrten

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Spritspar-Mythos Nr. 5

Je langsamer man fährt, desto weniger Treibstoff verbraucht man

MYTHOS: Da der Luftwiederstand mit zunehmender Geschwindigkeit steigt, benötigt ein Auto auch mehr Sprit, wenn es schneller unterwegs ist. Umkehrschluss: Je geringer die Geschwindigkeit, desto geringer auch der Benzinverbrauch.

REALITÄT: Wer bei Autobahnfahrten seine Geschwindkeit von 130 km/h auf 110 km/h senkt, spart nach unseren Erfahrungen rund 10 Prozent Treibstoff. Mit Tempo 80 würde man nochmal ca. 10 Prozent sparen. Unterhalb dieser Geschwindigkeiten ergibt sich in der Praxis kaum mehr eine Ersparnis. Theoretisch liegt die optimale Geschwindigkeit bei ca. 65 km/h (auch abhängig vom jeweiligen Fahrzeugmodell) – damit hat man auf der Autobahn allerdings nichts mehr verloren.

FAZIT: Stimmt

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Spritspar-Mythos Nr. 6

Windschatten-Fahren hinter LKWs spart enorm viel Benzin

MYTHOS: Wer sich auf der Autobahn in den Windschatten eines LKWs “einklinkt”, benötigt deutlich weniger Treibstoff, da er vom Luftwirbel hinter dem LKW angesaugt wird und die Luft nicht selbst verdrängen muss.

REALITÄT: Wir habens ausprobiert – der Opel Corsa (Baujahr 1987), der sich ansonsten bei Tempo 100 auf der Autobahn rund 6 Liter Sprit auf 100 km genehmigte, kam auf unserer 200 km langen “Teststrecke” mit lächerlichen 3 Liter/100km aus! Das Windschattenfahren hat in diesem Fall also stolze 50 Prozent Treibstoff eingespart.

Wir vermuten jedoch, dass der Effekt mit größeren und schwereren Autos geringer ausfallen würde.

Und noch etwas: Durch den Soog-Effekt wirkt auch eine bremsenden Kraft auf den LKW. Fährt man im Windschatten eines Brummis, benötigt der dadurch ein klein wenig mehr Sprit. In der Praxis dürfte das allerdings keinem auffallen.

FAZIT: Stimmt

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Spritspar-Mythos Nr. 7

Ein frischer Luftfilter sorgt für mehr Effizienz

MYTHOS: Ist der Luftfilter verschmutzt, wird dadurch die Motoreffizienz beeinträchtigt – der Wagen verbraucht mehr Treibstoff. Wer den Luftfilter also regelmäßig durch einen sauberen ersetzt, hält den Kraftstoffverbrauch gering.

REALITÄT: Wirklich wahr ist dieser Mythos nur bei Automobilen mit Vergaser. Bis auf Oldtimer düften heute aber kaum mehr Autos auf der Staße sein, die noch über diese Technik verfügen. Moderne Autos (seit den 80er Jahren) sind dank Direkteinspritzung nicht mehr so stark vom Luftfilter abhängig. Ein frischer Luftfilter kann daher auch keine messbare Verbesserung der Verbrauchswerte erwirken.

Aber: Bei schmutzigen Luftfiltern sinkt die Motorleistung bei Direkteinspritzern. Dadurch können schon mal bis zu 20 Prozent der Pferdestärken auf der Strecke bleiben. Sauberer Filter bedeuted daher mehr Leistung, aber nicht weniger Verbrauch.

FAZIT: Stimmt nicht

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Spritspar-Mythos Nr. 8

Standheizungen sind Spritfresser

MYTHOS: Eine Standheizung verbraucht pro Stunde 0,5 bis 2 Liter Treibstoff. Also: Lieber ins kalte Auto steigen und sich erst durch den Motor wärmen lassen, als im Winter das Auto mittels Standheizung vorwärmen.

REALITÄT: Erstaunlicherweise handelt es sich hierbei um einen Trugschluss. Ohne Standheizung ist der Wagen, und damit auch der Motor, beim Starten im Winter kalt. Der Verbrauch auf den ersten 5 Kilometern beträgt dadurch rund das 4-fache des Normalwertes. 20 Minuten Standheizung bringen den Motor (und den Fahrzeuginnenraum) auf Betriebstemperatur – was effektiv Treibstoff spart.

FAZIT: Stimmt nicht

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Spritspar-Mythos Nr. 9

Bei kurzen Stopps den Motor laufen zu lassen, braucht weniger Sprit als ein erneutes Starten

MYTHOS: An der Ampel, am Bahnübergang oder bei einem kurzen Sprung zum Kiosk ist es besser, den Motor laufen zu lassen. Ein erneutes Anstarten verbraucht mehr Treibstoff, als ein paar Minuten Motorleerlauf.

REALITÄT: Autos mit Direkteinspritzung (also alle aktuellen Fahrzeuge) benötigen für’s Starten kaum zusätzlichen Treibstoff. Bereits eine Ampelphase ist lang genug, um das Abstellen des Motors zu rechtfertigen. Das nützen beispielsweise viele neuere Autos mit ihrer Stop/Start-Technik aus, die den Motor des Fahrzeugs abstellt, sobald dieses zum Stillstand kommt.

Vorsicht: In Autos ohne Start/Stop-Funktion ist der Startermotor nicht auf die Belastungen ausgelegt, die durch vielfaches Anlassen des Motors entstehen. Man sollte es mit dem Motorabstellen daher besser nicht übertreiben.

FAZIT: Stimmt nicht

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Spritspar-Mythos Nr. 10

Beim Bergabfahren den Wagen in den Leerlauf schalten, spart Treibstoff

MYTHOS: Auf längeren Bergabfahrten ist es sinnvoll, den Wagen im Leerlauf dahingleiten zu lassen, da dadurch weniger Treibstoff verbraucht wird.

REALITÄT: Läuft ein Motor im Leerlauf, braucht er immer noch rund 1 Liter Benzin pro Stunde. Geht man dagegen lediglich komplett vom Gas, und lässt den Wagen mit eingelegtem Gang rollen, wird keinerlei Treibstoff verbraucht. Auf einem langen, sanften Gefälle lohnt es sich daher, den Wagen in den höchsten Gang zu schalten (Motorbrenswirkung am geringsten) und ihn so ausrollen zu lassen. Erst wenn die Motordrehzahl so gering wird, dass das Standgas einsetzt, zieht der Motor wieder Sprit (meist unter 1000 U/min). Treibstoff spart man also nur, wenn der Gang eingelegt bleibt.

Bei Fahrzeugen mit Automatikgetriebe (Wandlerautomatik), kann man diesen Spritspar-Effekt übrigens nicht nutzen. Geht man vom Gas, läuft der Motor immer mit Standgas weiter.

FAZIT: Stimmt nicht

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Spritspar-Mythos Nr. 11

Treibstoff-Zusatzstoffe senken den Verbrauch

MYTHOS: Treibstoff-Additive versprechen bis zu 20 Prozent Sprit-Ersparnis, sauberere Abgase und mehr Motorleistung.

REALITÄT: Unzählige Tests unterschiedlichster Instanzen haben gezeigt, dass fast alle Treibstoff-Zusätze keine, oder zumindest keine postivie Auswirkung auf den Treibstoffverbrauch haben. Im Gegenteil: Oft verursachen die Zusätze eine deutliche Verschlechterung der Abgaswerte.

FAZIT: Stimmt nicht