Fußballstars crashen Supercars

Die Analyse: 6 Jahre - 16 Kicker - 22 Unfälle: Fußballstars crashen Supercars

Daß Profifußballer ein Faible für schnelle Autos haben, ist nicht neu. Schon Fußball-Legende Günter Netzer stellte sich in den frühen 70ern einen Ferrari in die Garage, um damit sein Selbstverständnis als Ausnahmetalent und enfant terrible des Deutschen Fußballs zu untermauern. Proportional zu Marktwert und Bekanntheitsgrad steigt bei den Stars das Interesse an statusgerechten Luxusschlitten.

Die durch die Decke schießenden Gehälter bei den Topclubs in England, Spanien und Italien füllen heutzutage bereits durchschnittlichen Spielern die Taschen voller Geld. Bei diesem Zirkus kann selbst ein exklusiver Ferrari schnell banal und langweilig werden. Neben Liga und Champions-League spielen manche der jungen Millionäre nun also auch noch Autoquartett, allerdings mit echten Autos und ohne Not, dabei auf andere Annehmlichkeiten verzichten zu müssen.
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Fußballer lieben Autos zum Spielen!

Einige der hoch hochbezahlten Ballvirtuosen genehmigen sich gleich eine ganze Flotte an extravaganten PS-Toys. Manchester United-Torjäger Wayne Rooney etwa steht jeden Morgen vor der Qual der Wahl, welches seiner rund 20 High Performance Cars ihn heute zum Training begleiten darf. Rooney sammelt Autos wie andere Leute Briefmarken, seine eindrucksvolle Sammlung umfasst u.a. einen Audi RS6 Avant, Range Rover Sport, Bentley Continental GTC, Mercedes CL63 AMG, Lamborghini Gallardo Spyder, Aston Martin Vanquish S, und einen Mercedes G55 AMG. Der Wert seiner exquisiten Pretiosen wird auf eine knappe Millionen Euro geschätzt. Nichts allerdings im Vergleich mit seinem aktuellen Marktwert als Stürmer, den die Fachwelt mit 55 Millionen Euro taxiert. Nun, wenn dir mit Zwanzig dein Arbeitgeber jede Woche 100.000 Pfund auf das Konto bucht, wie kannst du da nur an konservative Rentenfonds und fade Immobilien-Deals denken.
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“We should make the most of life, enjoy it because that’s the way it is”

Christiano Ronaldo, Stürmer bei Real Madrid

Für das viele Geld zeigen die jungen Wilden regelmäßig Weltklasse-Leistungen im Spiel. Offensichtlich aber lassen danach viele der Kicker Übersicht, Kontrolle und Können auf dem Platz. Resultat sind im Dutzend zu Schrott gefahrene Ferrari, Lamborghini und Aston Martin. Ein genialer Fuß am Ball bedeutet eben nicht zwangsläufig auch einen talentierten Gasfuß zu haben.

In den letzten beiden Jahren gab es eine starke Zunahme von Autounfällen, bei denen bekannte Fußballprofis involviert waren. Grund genug, diesem Phänomen einmal genauer auf den Zahn zu fühlen.

Wir analysierten 22 Crashs im Zeitraum von Juli 2004 bis Dezember 2010 und konzentrierten uns dabei auf Unfälle von Topspielern mit Supercars. Recht gleichmäßig verteilen sich übrigens die Vorlieben der Spieler auf die einschlägigen Marken mit den passenden Pferdchen im Stall.
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AUTOMARKE

Keine klare Präferenz, aber edles Blech nur vom Besten und Teuersten

22 Crashs verteilt auf 10 Marken

Topscorer Rooney zeigt auch bei seinen Unfällen eine hohe Trefferquote, von den 22 Crashs gehen fünf allein auf sein Konto; Cadillac Escalade, BMW X5, Range Rover Sport, Aston Martin Vanquish und jüngst noch ein Gallardo Spyder.

Diese von uns untersuchte aber sicher nicht ganz repräsentative Reihe vermag dennoch einen guten Einblick in Fahrverhalten und Freizeitvergnügen einiger Fußballstars zu geben, und wir sind sicher, es kommen auch in Zukunft weiter skurile Unfälle hinzu. Die Serie beginnt mit dem ehemaligen Arsenal-Stürmer Ian Wright, der am 7.7.2004 seinen Ferrari 360 Spyder an einen Baum fuhr, nachdem er die Traktionskontrolle ausgeschaltet hatte. Jüngster Vorfall ist der Unfall von Besiktas-Star Guti, der am 6.12.2010 mit seinem Range Rover Sport in Istanbul einen Bus streifte. Dazwischen verunfallten 14 andere Kicker und hinterließen eine ganze Menge zerknautschtes Blech.

Schaut man sich die involvierten Profis näher an, ist ein Zusammenhang mit dem Alter der Spieler offensichtlich. Viele aktuelle Weltklasse-Fußballer sind gerade Anfang 20 und verfügen naturgemäß über wenig bis keine Praxis im Umgang mit schnellen Autos. Darüber hinaus verbringen sie schlicht die meiste Zeit Ihres Tages mit Fußball.

Das Auto dient in erster Linie zur täglichen Fahrt vom Haus zum Trainingsgelände, nicht gerade das optimale Setting, um sich im Umgang mit einer hochsensiblen und fahrtechnisch derart anspruchsvollen Rennmaschine zu üben. Während gleichaltrige Jungs über Monate auf einen Fiesta, Corsa, oder Polo sparen, schlendern Ronaldo & Co am Samstag nach dem Training zum nächsten Ferrari-Dealer, zahlen Cash und fahren ein brandneues 600-PS-Geschoss vom Hof.

Ganz klar, aufgrund mangelnder Erfahrung im Umgang mit High Performance Cars sind dann natürlich Unfälle wie der von Christiano Ronaldo im Januar 2009 vorprogrammiert. Der portugiesische Stürmer crashte seinen taufrischen Ferrari 599 GTB im Tunnel unter der Runway am Flughafen von Manchester frontal gegen die Wand und verwandelte den über 200.000 € teuren Traumwagen in einen Haufen Schrott. Ronaldo, zum Unfallzeitpunkt 23 Jahre alt, hatte schlicht die Kontrolle über den 620 PS-Boliden verloren.

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Nicklas Bendtner, dänisches Supertalent im Dienste von Arsenal London, wickelte seinen Aston Martin DBS auf dem Weg zum Training im September 2009 um einen Baum. Der 21-jährige Stürmer gab an, auf regennasser Fahrbahn die Kontrolle über den 517 PS starken Supersportwagen verloren zu haben. Außer ein paar blauen Flecken an Schulter und Knien kam er mit dem Schrecken davon, der Aston wanderte in die Schrottpresse.
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ALTERSSTRUKTUR

Die jungen Wilden erweisen sich als die größten Crash-Piloten

Das Alter der Stars in Bezug auf die 22 Crashs

Leider ist bei Unfällen von Fußballprofis nicht selten auch Alkohol im Spiel. Klar, sagt der Fan verständnisvoll, Fußball ist ein Mannschaftssport und Siege müssen eben entsprechend gefeiert werden. Von Leistungssportlern mit hoch dotierten Profiverträgen sollte man dennoch mehr Professionalität in Hinsicht auf „don´t drink and drive“ verlangen können. Alkohol und Supercars vertragen sich bekanntlich wie Weihwasser und der Teufel. Bei der Unfallursache stehen der Verlust der Fahrzeugkontrolle und die Fahrt unter Alkoholeinwirkung ganz oben auf der Liste. Nur in vier der 22 Fälle war ein weiteres Fahrzeug beteiligt.

Alkohol benebelt die Sinne wie jüngst im Falle von Guti, der mit seinem Range Rover Sport nach der Feier in der Istanbuler Nobeldisco Reina mit einem entgegenkommenden Bus kollidierte. Da sich Fußball-Promis heute kaum noch unerkannt in der Öffentlichkeit bewegen können, waren natürlich auch hier sofort einige Journalisten mit Ihren Kameras vor Ort und hielten voll drauf. Das brachte Guti natürlich auf die Palme. Es gelang aber, den torkelnden Musterprofi zu besänftigen, der sich sehr über das große Medieninteresses an seinem „harmlosen Rempler“ sehr geärgert hatte. Obwohl der Mittelfeldspieler von Bestiktas 2,7 Promille intus gehabt haben soll, hält Guti selbst das für maßlos übertrieben. Die türkische Polizei beurteilte den Vorfall aber anders und kassierte seinen Schein für sechs Monate.

Kaum besser schlug sich FC Liverpool-Profi Didi Hamann, der nach einer Feier im Pub im September 2007 seinen Porsche 911 in einen Zaun in Styal nahe Manchester lenkte. Offensichtlich stark alkoholisiert rannte Hamann einfach davon. Die Fahrerlaubnis wurde ihm darauf hin trotzdem entzogen.
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UNFALLURSACHE

Verlust der Fahrzeugkontrolle und Alkohol am Steuer

Supercars sind schwierig zu fahren, unter Alkoholeinfluß umso mehr

Dass Fußballprofis auch im Urlaub nicht auf den Wettstreit verzichten können, bewies Real Madrid-Stürmer Karim Benzema. Auf Reunion Island crashte er im Dezember 2009 seinen gelben Lamborghini Gallardo. Lokale Medien berichteten von einem illegalen Rennen mit einem Porsche, Spieler und Verein hielten sich dazu aber bedeckt.

Interessant wird es beim Blick auf die Spielposition. Überporportional viele Stürmer sind auf der Liste vertreten. Logisch, unter den bestbezahltesten Profis finden sich ebenfalls überdurchschnittlich viele Stürmer. Als eiskalte Vollstrecker sind sie die gefeierten Gladiatoren im modernen Fußball. Torjäger sorgen für Glamour und Sensation im Spiel und übertragen das auch gerne ins Privatleben. Schnelle Sportler und schnelle Autos passen sehr gut zusammen.
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SPIELPOSITION

Stürmer sind auch auf der Straße die erfolgreichsten Vollstrecker

Welche Spielerposition ist am meisten Unfallgefährdet ?

Die Tatsache, dass nahezu alle Profis bei den 22 Crashs nachher unverletzt aus dem Auto stiegen, ist erwähnenswert. Die eigentlich für die Rennstrecke gebauten Supercars verfügen über exzellente passive Sicherheitsfeatures wie Überrollbügel oder eine Sicherheitszelle. In einem Porsche, Ferrari, oder Aston Martin sind die Profis und ihre wertvollen Beine im Falle eines Unfalls in der Regel daher wesentlich besser geschützt als Otto-Normalverbraucher in seinem Auto von der Stange. Schade um die schönen Autos, aber Messi, Müller und Maicon in Frühpension wären ein weitaus größerer Verlust. Selten wird es aber so eng wie bei Man U-Midfielder Anderson. Der Portugiese rutschte mit seinem Audi R8 in der Nähe von Braga in der Nacht des 1. August 2010 von der Straße, prallte gegen eine Mauer und flog 30 Meter weit durch die Luft ehe das Auto in einem Kornfeld landete. Der Audi fing Feuer und Anderson schaffte es gerade noch so aus dem Wrack zu krabbeln. Außer einigen kleineren Verletzungen kam der Profi mit dem Schrecken davon.
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VERLETZUNGEN

Fast alle der 22 Kicker stiegen ohne die kleinste Schramme aus dem Wrack

Kaum schwere Verletzungen dank besonders sicherer Supercars

Dass es auch anders geht, beweist wieder einmal Fußball-Idol Günter Netzer. Der leidenschaftliche Ferrari-Pilot hat in seinem Leben als Star-Kicker, Discobesitzer und Fußballkommentator rund 20 Ferrrari besessen. Obwohl bekannt für Exzentrik und Lebensfreude hat er keinen einzigen davon kaputt gefahren. Und im Gegensatz zu Christiano Ronaldo fährt der 66jährige Lebemann auch weiterhin mit seinem 599 GTB zur Arbeit.

Einen Verkehrsunfall der etwas anderen Art hatte übrigens Werder-Stürmer Marko Arnautovic. Der bekennende Bentley GT-Fahrer kollidierte auf der Fahrt zum Trainingsplatz im Juli 2010 mit einem Golf-Kart und zog sich dabei leichte Verletzungen zu. Wie das ? Nun, er hatte statt des Bentley sein Fahrrad genommen, zum Glück aber einen Helm auf gehabt.