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Walter Röhrl feiert Geburtstag : Der Herr der Ringe
Vanishing Point gratuliert Walter Röhrl ganz herzlich zum 64ten Geburtstag!

Vollgas-Virtuose Walter Röhrl, eine der größten Drift-Ikonen aller Zeiten, feiert Geburtstag. Seine Fans beten die Röhrl-Zahlen natürlich im Schlaf herunter, zur Erinnerung hier aber nochmal für alle anderen: Zweifacher Rallye-Weltmeister, 4-facher Monte-Carlo-Sieger noch dazu auf vier verschiedenen Marken, insgesamt 14 Rallye-Siege bei Rallye-WM-Läufen und nicht zu vergessen Regensburger Stadtmeister im Tischtennis – das war allerdings noch vor dem Führerschein.

Das bayrische Ausnahmetalent gehört zweifellos zu den besten Rallye-Piloten ever und genießt zu Recht allergrößten Respekt. Niki Lauda nannte ihn einst „ein Genie auf Rädern“ und in Italien wurde er schon vor längerer Zeit zum „Rallye-Fahrer des Jahrhunderts“ gewählt. Eine Jury aus 100 Motorsport-Experten aus der ganzen Welt wählte ihn zum „besten Rallye-Fahrer aller Zeiten“ und in Frankreich erkoren ihn seine Kollegen im November 2000 zum „Rallye-Fahrer des Millenniums“.

Walter Röhrl wurde am 7. März 1947 als Sohn eines Steinmetz in Regensburg an der Donau geboren. Von frühester Kindheit an fühlt er sich zum Sport hingezogen. Daß Röhrl zur Autorennsport-Legende geworden ist, verdanken wir aber nur dem „glücklichen“ Zufall, daß er sich bei seinem Lieblingssport, dem Skifahren, einen komplizierten Bruch eingehandelt hatte. Schon mit 18 chauffierte Röhrl beim Bischöflichen Ordinariat im Ford 17M den Finanzchef des Kirchenmannes durch die Gegend. Die Suche nach der Ideallinie betrieb er mit solcher Hingabe, daß ihn sein Freund Herbert Marecek 1968 überredete, die Zwangspause vom Skifahren mit einem Start bei der Bavaria-Rallye auf einem Fiat 850 Coupé zu überbrücken.
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“Die wirklich guten Fahrer haben die Fliegen auf den Seitenscheiben”

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Opel Kadett C GT/E Coupé
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Es dauerte nicht lang und Röhrl´s Talent am Steuer hatte sich herumgesprochen. Der Durchbruch gelang ihm bei der Olympia-Rallye 1972, bei der er bis zum Ausfall wegen Motorschadens auf seinem technisch weit unterlegenen Ford Capri die anwesende Weltelite in Grund und Boden fuhr. 1973 erhielt er bei Opel seinen ersten Profi-Vertrag, 1974 wurde Röhrl Rallye-Europameister und 1975 gewann er auf Opel in Griechenland seinen ersten WM-Lauf – mit 60 Minuten Vorsprung vor dem Zweiten. 1976 hetzte Röhrl die überlegen motorisierte Lancia-Stratos-Meute mit seinem Kadett C über die Monte und beendet die Hatz auf Platz vier nicht nur als bester Nicht-Stratos sondern ohne auch nur einen einzigen Fahrfehler gemacht zu haben – das war die Perfektion, die er immer gesucht hat. Noch Jahre später betont Röhrl, daß diese Rallye sein Meisterstück gewesen ist.
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„Ich hab kein Interesse mit einer Sekunde Vorsprung zu gewinnen! Ich will mit 10 Minuten gewinnen! Das freut mich viel mehr!“

Röhrl liebt die Perfektion, beim Autofahren im Extrembereich konnte er diesen Hang ideal ausleben. Den Höhepunkt seiner Karriere am Steuer erlebte der Regensburger zweifellos in den 80er Jahren. Obwohl er Jahre seiner Karriere mit schlechtem Material verplemperte, führte Röhrl mit Lancia, Audi und zweimal Fiat insgesamt vier Teams zur Rallye-Marken-WM, wurde 1980 Fahrer-Weltmeister auf Fiat 131 und 1982 auf dem technisch veralteten, hinterradgetriebenen Opel Ascona 400 noch vor den überterrestrischen Quattros.
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Röhrl auf dem Lancia 037 Rallye 1983
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Zu seinem Talent kam der unbediungte Fleiß. Ganz wesentlich aufgrund von Röhrl´s professioneller Einstellung entwickelte sich die Rallye-Szene in den 80ern auf ein neues Niveau. Wie die finnischen Superstars mit der Whiskey-Flasche in der Türablage zu trainieren, war mit dem Röhrls Ethos nicht zu vereinen. Er war immer topfit und akribisch, egal ob es um die Abstimmungsarbeit am Auto oder die Verfeinerung seines Aufschriebs ging. Wenn andere Fahrer abends an der Bar saßen, saß Röhrl manchmal auf seinem Hotelbett und fuhr mit geschlossenen Augen aus dem Gedächstnis die Strecke ab, auf der er am nächsten Tag seinen nächsten Triumph schon fest eingeplant hatte. Innerlich brannte er vor Ehrgeiz, nach außen hin aber zeigte Röhrl kühles Blut und extreme Gelassenheit.
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“Autofahren beginnt für mich dort, wo ich den Wagen mit dem Gaspedal statt dem Lenkrad steuere. Alles andere heißt nur die Arbeit machen.”

In das Jahr 1980 fiel auch sein erster Sieg bei der berühmtesten Rallye der Welt, der Monte Carlo. Noch drei weitere Male gewann Röhrl die legendäre „Monte“. Die insgesamt vier Siege hatte Röhrl auf vier verschiedenenon  Autos – Fiat 131 Abarth, Opel Ascona 400, Lancia 037 Rally und Audi Quattro – errungen, das schaffte bisher kein anderer.
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“Der S1 war das wahnsinnigste aller meiner Autos. Bei der Fahrt fühlte ich mich wie beim Ritt auf der Gewehrkugel. Ich schoss mich wie ein Querschläger von Kurve zu Kurve”

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Röhrl auf dem Audi Quattro 1984Ab 1984 versuchte er sich am vom Audi entwickelten permanenten Allradantrieb. Nach nur wenigen Testkilometern war er im neuen Audi Quattro schneller als Weltmeister Hannu Mikkola. Audi-Chef Ferdinand Piëch hatte die Richtung vorgegeben: “Der Röhrl kommt ins Haus. Es ist billiger, mit ihm als gegen ihn zu fahren!” Nach etlichen Rennen gegen die Quattros war Röhrl ohnehin selber scharf darauf geworden, das “Vierradfahren” zu probieren. Anfangs machte Röhrl das “Links-Bremsen” (das “Lenken mit dem Bremspedal”) etwas zu schaffen. Aber schon bei der Rallye Monte Carlo hatte er den Quattro voll im Griff und geriet ins Schwärmen über die bestechend gute Traktion der Audis. Seitdem ist ein Auto ohne Allradantrieb undenkbar für ihn. Obwohl er das Fahren mit dem Allrad-Quattro als die größte Herausforderung seiner Karriere bezeichnet, konnte Röhrl wie kein anderer mit den zeitweise mehr als 500 PS starken Fahrzeugen der sogenannten Gruppe B umgehen.

“Du musst das Verhalten des Autos vorherahnen”, beschrieb er die extrem gefährlichen und für nur noch wenige Fahrer beherrschbaren Gruppe-B-Boliden, die 1986 nach zwei tödlichen Unfällen endgültig verboten wurden.
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“Das ist so als ob dir an einer roten Ampel einer mit dreißig Sachen ins Heck kracht” – über die Beschleunigung des Audi Sport Quattro S1

Legendär ist Röhrls Sieg am Pikes Peak mit einem dieser eigentlich unfahrbaren Monster, dem Audi Sport Quattro S1. Röhrl war die knapp 20 Kilometer lange Bergstrecke zuvor acht Mal mit Ehefrau Monika im Mietwagen abgefahren, das reichte ihm, um die 156 Kurven auswendig zu lernen. Auf der gesamten Strecke gab es keine Leitplanken, ein einziger Fahrfehler würde mit Absturz in die Tiefe enden. Röhrl peitschte den S1 mit einem unglaublichen Schnitt von 196 km/h auf den 4.300 m hohen Gipfel und pulverisierte den von US-Rennsportlegende Bobby Unser im selben Auto gehaltene Bestmarke aus dem Vorjahr um gigantsiche 21 Sekunden.
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Röhrl auf Audi Quattro Sport S1 am Pikes Peak 1987
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Nach diesem Teufelsritt aber gab es für Röhrl eigentlich keine echte Herausforderung mehr. Nach einem Gastspiel mit Audi auf der Rundstrecke in der Amerikanischen Trans-Am-Serie beendete Röhrl 1992 endgültig seine Rennsportkarriere und wurde Repräsentant und Fahrwerksentwickler bei Porsche, ein Engagement, daß ihm noch heute große Freude bereitet.

Wie bei wohl keinem anderer Rennsport-Profi verkörpert Walter Röhrl eine magische Ambilvalenz. Einerseits ist Röhrl immer ein Mensch fern von Starallüren geblieben, auf der anderen Seite hat er aber dank seines unfassbar großen Talents allerhöchste Virtuosität entwickelt und das Autofahren für sich persönlich in einen einzigartigen Grenzbereich zwischen traumwandlerischer Sicherheit und mathematischer Präzision geführt.

Sein Fahrstil gilt als außergewöhnlich kontrolliert und beherrscht. Nicht die Geschwindigkeit ist was ihn reizt, sondern die unbedingte Kontrolle des Fahrzeugs in jeder nur denkbaren Situation. In den Rallyes und dem einsamen Kampf gegen die Uhr beim Ritt im Grenzbereich hatte er von Anfang an seine Welt gefunden, der Kampf Mann gegen Mann auf der Rundstrecke war hingegen nie sein Ding.
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“Man kann ein Auto nicht wie ein menschliches Wesen behandeln – ein Auto braucht Liebe”

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Porsche Repräsentant Walter Röhrl
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Im Interview mit dem Spiegel hatte Röhrl 2005 eingeräumt, daß er wegen Geschwindigkeitsübertretung etwa zehn Kilometer von seinem Wohnort entfernt seinen bisher einzigen Punkt in Flensburg kassierte:
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„Seit diesem Vorfall habe ich schon drei Kilometer vor diesem Ortsschild erhöhten Puls. Sie müssen sich vorstellen: Ich habe in meinem Leben schon zirka achteinhalb Millionen Kilometer im Auto zurückgelegt, und dies war der bislang einzige Fall, in dem ich einen Punkt kassiert habe. Mein erster Punkt! Das hat mich belastet, zum Teil hatte ich schlaflose Nächte deswegen. Zum Glück wurde der Punkt inzwischen gelöscht.“

Legendär ist auch eine Geschichte, die sich zu seiner Zeit als Fahrer beim Bischöflichen Ordinariat zugetragen haben soll. Zwar hielt sich Röhrl immer brav an die Geschwindigkeitsbegrenzungen, folgte aber schon früh mit großem Ehrgeiz der Ideallinie. Entgegenkommende Fahrer blinkten ihn wütend an, wenn er wieder mal breitseits um die Ecken kam. “Ein Bekannter von mir”, pflegte Röhrl dann stoisch auf die Fragen von der Rücksitzbank zu antworten, was den Oberfinanzdirektor eines Tages im Büro sagen ließ: “Unglaublich, dieser Walter. Kennt jeden zweiten Menschen in Bayern.”
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Autogramm Walter Röhrl
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“Wenn ich heute Videos von mir sehe, kann ich nicht nachvollziehen, wie ich es fertiggebracht habe zu starten” – über seine Zeit in der Rallye-WM Mitte der Achtziger Jahre
in der FAZ vom 05. Januar 2010

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WALTER RÖHRL AUF QUATTRO SPORT S1 / PIKES PEAK 1987

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WALTER RÖHRL IM INTERVIEW ÜBER DEN AUDI QUATTRO

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