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Das Ende automobiler Nostalgie: Cuba Libre
Kubas Revolutions-Gesetze haben Havannas Straßenbild geprägt - die Ära der US-Straßenkreuzer geht jetzt im Karibik-Staat zu Ende.

Sie sind essentieller Teil jeder kubanischen Urlaubspostkarte – und in den Augen vieler Teil der nationalen Identität: US-amerikanische Straßenkreuzer der 50er Jahre. Eine Reihe dringend benötigter Wirtschaftsreformen könnte bald jedoch das Ende automobiler Nostalgie auf den Straßen des Karibikstaates bedeuten.

Auf Hochglanz poliert glänzt die Cadillac-Limousine unter der Mittagssonne – der stolze Besitzer entfernt noch schnell ein paar Wasserflecken von den Chrom-Zierleisten. Für Giordis Londres ist sein 60 Jahre altes US-Car mehr als ein Alltagsfahrzeug – er hat es zu seinem Lebensunterhalt gemacht. Auf der immer gleichen Route chauffiert Londres Touristen mit seinem 51er Caddy durch Havanna – und die zahlen pro Person umgerechnet 30 Eurocent.

Dass sein Caddy nach nunmehr 60 Jahre überhaupt noch fahrtauglich ist, kann einzig und allein der Improvisationskunst kubanischer Mechaniker zugeschrieben werden. Ersatzteile findet man so gut wie gar nicht – was nicht repariert werden kann, muss mit Teilen anderer Autos ersetzt werden.

Unter der Haube von Londres Cadillac findet man kubanische Geschichte im Schnelldurchlauf: Achsen und Kühlergrill wurden einem Sowjet-Geländewagen entlehnt, Teile des Motors tragen das Fiat-Logo und der Startermotor steckt ursprünglich in einer Bohrmaschine aus dem VEB Werkzeugkombinat Karl-Marx-Stadt. Eine Fred-Feuerstein-Trinkflasche dient als Kühlwasser-Behälter – sie war ein Geschenk von Verwandten aus den Florida.

Um seinen Wagen am Laufen zu halten, muss Londres einen Tag pro Woche für Wartungsarbeiten aufwenden – wirtschaftlich ist das kaum.

Stillstand seit 52 Jahren

Kubas einzigartiges Straßenbild ist den im Rahmen der Revolution eingeführten Immobilien-Gesetze zu verdanken (unter die auch Autos fallen): Nur Fahrzeuge, die vor 1959 nach Kuba importiert wurden, dürfen frei gehandelt werden. In ganz Kuba gibt es keine einzige Niederlassung eines aktuellen Automobilherstellers. Jedes Fahrzeug, das offiziell seinen Besitzer wechselt, hat heute mindestens 52 Jahre auf dem Buckel – und oft mehr als eine Million Meilen auf dem Zähler.

Freilich gibt es in Kuba Mittel und Wege doch zu einem neuen Fahrzeug zu kommen – den damit verbundenen Beamten- bzw. Bestechungsweg kann sich jedoch nicht jeder leisten. Dennoch sind heute auf Havannas Straßen schon mehr neuere Fahrzeuge aus europäischer und asiatischer Produktion unterwegs, als 50er-US-Modelle.

Reformen geben Weg für Auto-Importe frei

All das soll sich nach dem Willen von Kubas Präsident Raúl Castro ändern: Ein neues Immobilien-Gesetz und Änderungen der Besitz-Rechte sollen den kubanischen Markt bald für Automobil-Importe öffnen. Nach einem Vakuum von mehr als einem halben Jahrhundert, wird ein wahrer Auto-Boom in Kuba erwartet.

Die urzeitlichen Amischlitten werden damit wohl recht rasch aus dem Alltagsleben Kubas verschwinden.

Giordis Londres wird – wie viele andere Kubaner auch – seinen Cadillac trotzdem nicht in Rente schicken. Nach knapp 60 Jahren ist die Limousine durch drei Besitzer-Generationen gewandert – und damit ein Familien-Erbstück des industriellen Zeitalters geworden.

Galerie: Cubas US-Straßenkreuzer der 50er Jahre

Fotocredit: Joost Nuijten, K. Hurley, Alexander Schimmeck, Andre Deak, Anja Disseldorp
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1 Kommentar

  1. System0 says:

    war zu ostern in cuba und muss sagen, dass leider schon viele von den alten amischlitten verschwunden sind. vor einigen jahren war das noch ganz anderes.
    kann ja verstehen dass die kubaner nicht mehr soviel aufwand betreiben wollen ihre uralten karren am laufen zu halten, schade ists trotzdem.

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