Traumfabrik

Supercar-Werksbesichtigungen  : Traumfabrik

An und für sich sind Autos nichts als ein komplexes Gebinde aus Metall, Kunst- und Schmierstoffen. Ein praktisches Gefährt für den Alltagsgebrauch, für die Fahrt ins Büro, zum Supermarkt, zum Sportverein oder zum Sonntagsbesuch bei Oma. Die Kinder in die Schule bringen, beim Baumarkt einen neuen Rasenmäher kaufen oder mit der ganzen Familie in die Ferien fahren? Es gibt Autos, die für diesen Gebrauch nicht sonderlich geeignet sind. Sie haben meist nur zwei unbequeme Sitze, einen engen Innen- und meist gar keinen Kofferraum,  sind laut, extrem hart gefedert, mit miserabler Rundumsicht und kosten dazu noch zig-mal mehr als die vielseitigen Familienkutschen. Wie kann es sein, dass sich manche Leute unbedingt solch ein Auto kaufen wollen?

Nun, im Gegensatz zu ihren Brüdern und Schwestern von der Stange sind Supercars exklusiv, extravagant und elitär, aber vor allem eines: PS-Ikonen, die auf das Stil- und Selbstbewusstsein ihrer Besitzer hindeuten. Die edlen Sportwagen mit einer Motorleistung jenseits von 500 PS und einem Top Speed im 300 km/h-Bereich versprechen bereits im Stillstand Leader-Image und Fahrspass pur. Supercars sind Rennwagen mit Straßenzulassung – kompromisslos, schnell und aggressiv. Windschnittig gestylt, oftmals in grellen Farben lackiert und natürlich aus gutem Hause. Supercars sind in der Regel mit allerfeinsten Technikkomponenten aus dem Rennsport ausgestattet und fahrphysikalische Grenzgänger. Preislich kosten diese Autos oft soviel wie ein ganzes Haus oder darüber und bleiben damit für die allermeisten ein unerschwinglicher Traum.

Dennoch, das weltweite Geschäft mit den PS-Ikonen läuft exzellent. Von der rund zwanzigjährigen Stagnation in der Branche aufgrund der Ölkrisen von Anfang der 70er bis Ende der 80er haben sich die großen Namen längst erholt. Unter den Käufern sind heutzutage allerdings nicht mehr nur selbstsüchtige Playboys, wohlhabende Privatiers oder exzentrische Filmstars. Der exklusive Kundenkreis wächst stetig und neben den klassischen, meist nach dem zweiten Weltkrieg geborenen Sportwagenmarken tummeln sich mittlerweile auch eine ganze Reihe von selbstbewussten Newcomern, die sich trotz bescheidener Stückzahlen über Wasser halten können. Konkurrenz belebt das Geschäft, das bedeutet zugleich aber auch, dass alle in der PS-Branche immer mehr Geld für Imagepflege und Kundenbetreuung in die Hand nehmen müssen.

Der Kult in der Auto-Branche nimmt ohnehin immer religösere Züge an. Inszeniert wie Reliquien auf dem Altar in der Kirche stehen die PS-Ikonen heute inmitten von eigens errichteten Glas-Kathedralen oder minimalistischen Tempelarchitekturen, genau das richtige Setting für die Huldigung durch eine wachsende Schar an Auto-Jüngern.

So langsam scheinen es nach den Großserienherstellern nun auch die Hersteller von Supercars begriffen zu haben, wie man erfolgreich den Kunden von morgen bindet: “Pilgerstätte“ heißt das Zauberwort. Man nehme ein schnödes Autowerk, verfliest alles in weiß, verpasst den Monteuren modische Raumanzüge und High-Tech-Präzisions-Werkzeug und baut überall Sicherheitschleusen und Warnlampen ein – fertig ist der automobile Wallfahrtsort.

Die Zahnarztpraxis von Bentley in Crewe

Immer mehr Hersteller öffnen die Tore zu ihren teils sagenumwobenen und traditionsbeladenen Werkshallen. Nun kann man live die Geburt eines neuen Supercars aus der Nähe erleben. Manche der Hersteller machen den Werks-Besuch gar zum unvergesslichen Event mit Filmvorführungen,  einem opulentem Abendessen und Probesitzen in taufrischen Auto-Ikonen.

Bei einigen liegt das firmeneigene Museum gefüllt mit raren Auto-Perlen praktischerweise gleich nebenan. Dort bastelt man eifrig daran, vergangene Erfolge und die daraus entstandene Legende am Leben zu erhalten. Ein Shop randvoll gefüllt mit vom Markenlogo verziertem Allerlei liegt meist auch noch auf dem Weg und im Anschluss dürfen die Besucher manchmal sogar auf der hauseigenen Piste mit den edlen Pretiosen noch eine Runde drehen.

Die Montagehallen heißen heute nicht mehr nur schnöde “Werk“ sondern “Centro Eccelenza“ (Lamborghini), “Technology Centre“ (McLaren), “Manufaktur“ (Gumpert) oder gar “Atelier“ (Bugatti). Die Werkshallen der Supercar-Hersteller werden von namhaften Architekten gestaltet, großzügig bemessen, allseits verglast und sie liegen oft von verwunschenen Teichen, mittelalterlichen Schlössern und romantischen Gärten umgeben inmitten einer ländlichen Idylle. Die Autos werden bei den meisten Supercar-Herstellern natürlich nicht am Band gefertigt, sondern von in aseptischem weiß gekleideten Metall-Chirurgen akribisch zusammengebaut.

Offensichtlich versteht man sich immer besser auf die Inszenierung des großen Traums, zumal Supercars mittlerweile nicht mehr nur den Oberen Zehntausend vorbehalten sind. Ganz klar, wer nach einer dieser professionell durchführten Werkstouren wieder ins Freie tritt, zählt im Geiste schon seine Gehälter durch und ist auf Adrenalin wie ein Sechszehnjähriger auf dem Abschlußball. Zweifellos eine exzellente Gelegenheit die Kunden von morgen einzutakten und beim Ein oder Anderen drastische Kurzschlussreaktionen auszulösen. Im Regelfall bitten die Hersteller die devote Pilgerschar an den Werkstoren noch dazu ordentlich zur Kasse, da diese ohnehin fast jeden Preis dafür bezahlen würden, die heiligen Stätten einmal von Innen zu sehen. Eine Win-Win-Situation nennt man das dann wohl. Trotzdem sind einige Hersteller noch immer der Meinung, Otto Nomalverbraucher aus den Hallen fernhalten zu müssen, da er sich ohnehin nie einen der sündhaft teuren Exoten wird leisten können. Andere sind schlauer. Man weiß schließlich  nie, welchen Weg machen Menschen in ihrem Leben so einschlagen werden!

Zeit für eine gründliche Bestandsaufnahme. Die meisten Orte an denen Supercars gebaut werden, werden Ihnen bekannt vorkommen. Ganz bestimmt gibt es aber auch noch die eine oder andere Überraschung. Vanishing Point hat eine komplette Übersicht zusammengetragen, wo und zu welchen Konditionen Werksbesuche möglich sind und wie man diese am besten miteinander verbinden kann -Die richtige Grundlage für die Planung einer Wallfahrt der etwas anderen Art.

 

ITALIEN Das Goldene Dreieck

Wäre Autofahren eine Religion, dann wäre Modena zweifelsohne der Vatikan. In und um Modena herum residieren vier der weltbesten Supercar-Hersteller. Das „Goldenen Dreieck“ in der italienischen Emilia Romagna, sozusagen die Drogenküche der Autoszene, produziert allerfeinsten Stoff für schwerstsüchtige Benzin-Junkies in aller Welt. Nur 26 Kilometer Luftlinie liegen zwischen Lamborghini in Sant´Agatha Bolognese und Ferrari in Maranello.

Auf der kurzweiligen Landstrassenpassage von einem zum anderen Autopaten können PS-Tifosi mal eben noch bei Maserati in Modena und bei Pagani in San Cesario reinschauen. Die von uns vorgeschlagene Pilgerroute durch das Heilige Land der Emiglia Romana startet bei Lamborghini an der nördlichen Spitze des Goldenen Dreiecks und führt über 67 Kilometer bis hinab zu den Heiligen Stätten des Springenden Pferdes. Wer das Kunststück zu Stande bgringt, alle vier Werke an einem Tag zu besichtigen, läßt diesen Tag sicherlich zu einem der eindrucksvollsten seines Lebens werden.

 

ITALIEN HeaderLAMBORGHINI Logo

LAMBORGHINI Sant´ Agata Bolognese Aerial

LAMBORGHINI - Sant´ Agata Bolognese Street View

Seit 1964 baut Lamborghini nahe dem oberitalienischen 7.000-Einwohner-Kaff  Sant´Agata Bolognese in den Weiten der Poebene reinrassige Sportwagen. Der geschwungene Lambo-Schriftzug auf dem Dach und die Architektur der Werkshallen spiegeln noch den eleganten Charme der 60er Jahre, aber mit der Übernahme 1998 durch die Audi AG hat auch in der italieinsichen Provinz Hightech Einzug gehalten. Gerüchte besagen, dass auf der am Gelände vorbeiführenden und schnurgeraden Via Modena extra der Straßenkanal verlegt und alle Gullydeckel entfernt worden sind – die Asphaltoberfläche zumindest ist von exzellenter Qualität.

Auf der vorbildlich gestalteten Homepage kann man vor dem Werksbesuch schon mal die im neben dem Werk liegenden Museum ausgestellten Lambos browsen. Da ist natürlich alles dabei vom 1963er 350 GT, dem Miura von 1966, dem futuristischen 73er Countach, dem slicken Diablo aus den 90ern, bis hin zu den aktuellen Gallardos und dem brandneuen Aventador im Star Wars TIE Fighter Look. Anders als man erwarten würde ermöglicht die sehr übersichtliche Online-Buchungsmaske die spontane Buchung der all-inclusive-Pauschalreise durch Museum und Werk. Lamborghini weiß, wie man am Kundenstamm von morgen bastelt, hier kann sich die Konkurrenz tatsächlich noch etwas abschauen!

In Sant´Agata werden pro Tag gut zehn Lamborghini Gallardo und Aventador montiert – natürlich wie anno dazumal noch weitgehend von Hand! Nach dem Werksbesuch noch schnell das exklusive Lamborghini-Mouse Pad im Shop abgreifen – ein echter Lambo um schon 9 €! Am besten aber zuhause gleich das dicke Lamborghini-Sparschwein basteln und dann in großen Lettern obendrauf: „Every weapon needs a master!“

STAMMWERK: Sant´Agata BologneseVia Modena 12 – 40019 SantAgata Bolognese (Bo), Italien

WERKSBESICHTIGUNG:  Geführte Museumstour und Werksbesichtigung  für 39 €/Person, das Museum allein gibt es für 12€/Nase. Auch Gruppentouren Italienisch, Deutsch, Englisch und Französisch für maximal 20 Personen. Anfragen über visit@lamborghini.com , Reservierung der Tickets am besten Online.

ÖFFNUNGSZEITEN: werktags 10:00-12:30 und 13:30-17:00 – Achtung: Siesta!

NÄCHSTER FLUGHAFEN: Bologna BLQ – 26 Kilometer

 

MASERATI Logo

MASERATI Modena Aerial

Maserati wurde 1914 in Bologna gegründet. Der Sportwagenbauer mit dem Dreizack im Logo ist 1940 aber nach Modena umgezogen, nur einen Steinwurf entfernt von Enzo Ferraris Geburtshaus. Noch heute, etliche Besitzerwechsel später, liegen hier die Firmenzentrale und das 1998 vollständig renovierte, rund 40.000 m2 große Werk. Die Motorsportabteilung Maserati Corse befindet sich in der Viale delle Nazioni, Luftlinie rund 2,5 Kilometer nördlich des Stammhauses. Hier hat man auch den „Experience“-Bereich von Maserati untergebracht, in dem die Straßenfahrzeuge entwickelt werden.

Werksbesichtigungen werden nur nach Voranmeldung durchgeführt, gerne auch im Zusammenhang mit der Fahrzeugübergabe. Zu sehen gibt es zwei Fertigungsstraßen mit jeweils 26 Stationen, an denen der Quattroporte und der GranTurismo gefertigt werden. Im Team der heißen Renner mit dem besten Sound der Liga ist der Gran Turismo MC Stradale der aktuelle Superstar.

Ein Maserati-Museum gibt es in Modena auch, es gehört allerdings der Familie Panini, die dem Unternehmen nahe steht. 23 historische Maseratis sind dort ausgestellt, natürlich sind die legendären Rennwagen aus den 30ern, 40ern und 50ern darunter sowie auch das einzige je gebaute Exemplar des Maserati 420M/58 Eldorado, der 1958 exklusiv wurde für die 500 Meilen von Monza zusammengebastelt wurde. Die Ausstellung kann nach telefonischer Voranmeldung besichtigt werden.

STAMMWERK: ModenaViale Ciro Menotti, 322 – 41122 Modena, (Mo) Italien

WERKSBESICHTIGUNG: Auf Anfrage über den Maserati Händler

MUSEUM: Sammlung Panini - Via Corletto Sud, 320 – 41100 Modena, (Mo) Italien

MUSEUM ÖFFNUNGSZEITEN: auf Anfrage, Tel.: (+39) 059 510 660

NÄCHSTER FLUGHAFEN: Bologna BLQ – 46 Kilometer

 

PAGANI Logo

PAGANI San Cesario Aerial

Als ich den Namen Pagani zum ersten Mal hörte, dachte ich zunächst an die sehr ähnlich heißenden, bunten Fußballbildchen aus Italien. Ein Argentiner mit verdünntem Benzin im Blut, Horacio Pagani, bei Lamborghini einst der Spezialist für Verbundwerkstoffe, stieg Anfang der 90er bei den italienischen Torreros aus und gründete umgehend ein neues Unternehmen, um von nun an seine eigenen Supercars zu bauen.

Frei nach dem Motto: „Konkurrenz belebt das Geschäft“ ließ er sich in San Cesario sul Panoro exakt in der Mitte zwischen Maserati, Lamborghini und Ferrari nieder. Die kleine Manufaktur liegt gleich neben der A1, der Autostrada del Sole und längsten öffentlichen Rennstrecke Italiens, die schnurgerade von Mailand bis nach Bari führt. Die deutsch-italienische Supercar-Allianz – italienisches Design und südländische Leidenschaft gepaart mit zuverlässigen AMG-Hochleistungs-Motoren – hat in den letzten Jahren ordentlich Früchte getragen. Eben erst debutierte der komplett neu konstruierte Huyara von dem Pagani nicht mehr als 40 pro Jahr bauen will, jeder davon mehr als 1,1 Mio € schwer. Das geschieht in nahezu vollständiger Handarbeit.

Öffentliche Werksführungen werden von motorstars.org angeboten, gut möglich dass man dazwischen auch mal eben Herrn Pagani persönlich die Hände schüttelt. Bei Pagani herrscht noch eine familiäre Atmosphäre. Einen Showroom gibt es natürlich auch und sogar einen Shop mit Merchandising-Produkten, da reicht dann auch ganz kleines Geld um eine Insignie mit dem begehrten Pagani-Schriftzug zu erwerben.

Pagani final assembly

STAMMWERK: San Cesario - Via dell`Artigianato 5 – La Graziosa / 41018 San Cesario sul Panaro, (Mo) Italien

WERKSBESICHTIGUNG: über motorstars.org

NÄCHSTER FLUGHAFEN: Bologna BLQ - 25 Kilometer

 

FERRARI Logo

FERRARI - Maranello Aerial

FERRARI Maranello Streetview

Das Ferrari-Werk in Maranello gilt unbestritten als der Nabel der Autowelt. Und das Büro Enzo Ferarri´s, des „Alten“ oder „Commendatore“ wie ihn sein Anhänger liebevoll bezeichneten, galt Jahrzenhntelang als der heilige Gral. Das Zentrum des Allerheilgsten war allerdings so schlicht wie die Klosterzelle eines Benediktinermönchs. Nur das Wesentliche: Ein Pult für den Chef, ein Telefonapparat, an der Wand noch ein Tisch, einige Stühle, das war schon alles. Das für die Ewigkeit konservierte italienische Heiligtum kann man nun in der Galleria Ferrari gleich neben dem Werk besichtigen.

Um den 1988 verstorbenen „Commendatore“ herum bastelt das 1990 eröffnete und mit Ferrari-roter Memorabilia vollgestopfte Museum emsig an der „Legende Ferrari“. Zu bestaunen gibt es neben den Auto-Ikonen der Firmengeschichte auch zahlreiche Erinnerungsstücke, Leihgaben von Kunden und Sammlern und die Nachbildung einer orginal bestückten Boxengasse. Die Kultstätte wurde in den letzten Jahren zum Disneyland für Tifosi ausgebaut, inklusive Merchandising, Shop und Cafeteria und dürfte mit seinen mittlerweile rund 180.000 Besuchern pro Jahr nicht unerheblich zum Umsatz der Marke beitragen.

Falls Sie jemanden kennen, der jemand kennt, der jemanden kennt, der einen Ferrari fährt, läßt sich über dessen Händler mit einer großen Portion Gutem Willem möglicherweise ein Werksbesuch vereinbaren. Prinzipiell dürfen auch Normalsterbliche die heiligen Pilgerstätten des Cavallo Rampante in Maranello betreten, wenn es auch ein wenig mehr an Engegament bedarf, um da wirklich hinein zu kommen. Die Italieniener schauen schon genau hin, wer zu Besuch kommt, schließlich gibt es in der hauseigenen Formel-1-Abteilung eine Menge an Geheimnissen auszuspionieren.

Seit August 2010 können die Besucher der Galleria auch an einer geführten Tour über die auf dem Areal liegenden Teststrecke Firoano teilnehmen, ein Shuttle-Bus fährt die Besucher über das Gelände um dem Fußvolk das „Gefühl Ferrari“ doch noch ein wenig näher zu bringen.

STAMMWERK: MaranelloVia Emilia Est 1163 – 41053 Maranello, (Mo) Italien

WERKSBESICHTIGUNG: Auf Anfrage über den Ferrari Händler

MUSEUM: Galleria Ferrari - Via Dino Ferrari, 43, 41053 Maranello, (Mo) Italien

MUSEUM ÖFFNUNGSZEITEN: täglich 9:30-18:00, von Mai bis September bis 19:00 – Tickets kosten 13 €, diverse Ermässigungen.

NÄCHSTER FLUGHAFEN: Bologna BLQ – 66 Kilometer

 

ENGLAND Der Jakobsweg

England, das sind schräge Spleens, gepflegte Tradition, eine unaufgeregte Noblesse aber auch der Hang zur Avantgarde – das genau sind auch die Charakterzüge englischer Supercars. Zwar gilt Italien als das Heilige Land der Autofahrerreligion, aber in England liegt der Jakobsweg der Supersportler. Aufgereiht wie an der Perlenschnur findet der Pilger die Glorreichen Sieben englischer Supercar-Produzenten. Der mittelenglische Jakobsweg führt über eine 730 Kilometer lange Wallfahrt über die englischen Motorways. Das Mekka der Supersport-Gemeinde liegt seit dem Jahr 1994 in Woking südlich von London. Hier wird mit dem McLaren MP4-12C der aktuell schnellste Supersportwagen auf der Insel gefertigt.

Auf der benzingetränkten Pilgerroute findet wirklich jeder Autoverrückte sein Karma. Von über Eschenholz geschmiedete Morgans und die extremen Lotus Leichtbau-Coupés hin zum schwarzen Ritter Bentley GTC und den wunderschönen High-Tech Street-Racern von Aston Martin, Noble, Jaguar und McLaren – the empire strikes back!

 

ENGLAND Header

BENTLEY Logo

BENTLEY Crewe Aerial

BENTLEY Crewe Streetview

Das Bentley-Werk in der südwestlich von Manchester gelegenen Kleinstadt Crewe wurde 1938 von Rolls Royce gegründet, weil man kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges aus bekannten Gründen die rasant steigende Nachfrage nach Merlin-Flugmotoren im Stammwerk nicht mehr decken konnte.

Nach Ende des Krieges fertigten dann sowohl Rolls-Royce als auch der 1931 von Rolls-Royce aufgekaufte Konkurrent Bentley-Fahrzeuge in Crewe. Bis 2002 wurden hier sowohl Rolls-Royce als auch Bentleys montiert. In diesem Jahr erfolgte dann aber die endgültige Trennung der beiden Marken. Die zu BMW gehördende Rolls-Royce Gruppe fertigt seither nur noch in Goodwood.

Trotz des Abgangs von Rolls-Royce ist das mittlerweile zum VW-Konzern gehörende Bentley-Werk heute voll ausgelastet. Mit dem seit 2006 in Serie produzierten und messerscharf abgestimmten Continental GTC 12-Zylinder-Coupé erhielt das behäbige Bentley-Image allerdings auch eine radikale Korrektur. Endlich wieder ein würdiger Stammhalter der legendären Bentley Blower aus den 30ern, die schon damals schlicht zu keinem anderem Zwecks als zum kompromisslos schnellen Autofahren gemacht wurden – natürlich ganz gentlemanlike und ohne dabei den englischen Maßanzug durchzuschwitzen.

Bentley GTC under construction

STAMMWERK: CrewePyms La, Crewe CW1 3PL, United Kingdom

WERKSBESICHTIGUNG:  Auf Anfrage über den Bentley-Händler

NÄCHSTER FLUGHAFEN: Manchester MAN – 46 Kilometer

 

JAGUAR Logo

JAGUAR Castle Bromwich Aerial

JAGUAR Castle Bromwich Streetview

Seit 1951 war das Autowerk an der Browns Lane in Conventry die Geburtsklinik für englische Raubkatzen. Im Jahr 2005 war Schluß mit der Katzenzucht in Coventry. Seit 1980 hatte Jaguar sukzessive die Produktion in das neue Stammwerk nach Castle Bromwich nordöstlich von Birmingham verlegt. Einzig die Furnierabteilung, der Jaguar Heritage Trust und das Werksmuseum blieben am ursprünglichen Standort und dem spirituellen Zentrum der Marke am Nordwestrand von Coventry. Im alten Werksmuseum können die Besucher rund 30 Jaguar-Ikonen bewundern, unter anderem den weltweit einzigen XJ13, ein ultraflacher Rennwagen-Supercar-Zwitter von 1966 – natürlich mit dem obligatorischen Finish in British Racing Green.

Die Briten hören das nicht gerne, aber seit der Übernahme von Tata im Jahr 2007 weht ein frischer Wind durch das 130.000 m2 große Raubkatzengehege in Birmingham.  Und seit 2009 hat Jaguar endlich auch wieder ein echtes Supercar im Programm. Wer die Geburt eines XKR oder XKR-S aus nächster Nähe besichtigen möchte, sollte sich einfach an das zum Werk in Castle Bromwich gehörende Jaguar Visitor Centre wenden. Von hier aus koordiniert Jaguar die zweistündigen Werkstouren, bei denen natürlich sämtliche aktuell hier gefertigten Modellreihen und Montagelinien gestreift werden. Und vielleicht erhaschen Sie während der Tour ja zufällig noch einen Blick auf einen der geheimnisumrankten F-Type Prototypen, das ultimative Tata-Supercar mit der Raubkatze auf dem Kühler.

STAMMWERK: Castle Bromwich Chester Road, Castle Vale, Birmingham, West Midlands B35 7RA, Unites Kingdom

WERKSBESICHTIGUNG:  Jaguar Visitor Centre Factory Visits, Chester Road, Castle Vale, Birmingham, B35 7RA, UK Castle Bromwich. Telefonische Buchung und Voranmeldung über Jaguar Visitor Centre Administrator Julie Bartholomew,  Tel +(44) 24 76 205 716

NÄCHSTER FLUGHAFEN: Birmingham BHX – 15 Kilometer

MUSEUM: Jaguar Heritage Museum Browns Lane- Allesley, Coventry CV5 9, United Kingdom

ÖFFNUNGSZEITEN: Mo-Do 10:00-16:00, Fr 10:00-13:00, letzter Sonntag im Monat: 10:00–16:00, Information über Tel. 0044-2476 401291 oder 401288

 

MORGAN Logo

MORGAN Malvern Aerial

MORGAN Malvern Streetview

Die wohl einzigen Supercars, bei denen man sprichwörtlich vorne noch die Pferde anspannen könnte, kommen aus Malvern in Worcestershire südlich von Birmingham. Die traditionsreiche Morgan-Sportwagenschmiede treibt ihre Retro-Fahrmaschinen bekanntlich wie anno dazumal über Eschenholzrahmen, die technisch gesehen noch aus dem Kutschenwagenbau stammen. Ein Morgan ist definitiv keine Alternative für Warmduscher und Schönwetterfahrer: Es gibt kaum einen andere Hersteller, bei dem ein Roadster ähnlich minimalistisch ausgelegt ist.

In Malvern montieren rund 160 Leute die jährlich rund 600 Morgan nahezu komplett von Hand und bedienen damit eine kleine aber extrem treue und über die ganze Welt verstreute, okkulte Fangemeinde. Umso wichtiger nimmt der Nischenhersteller die Betreuung seiner Kunden.

Morgan betreibt am Stammsitz ein eigenes Visitor Centre mit angeschlossenem Werksmuseum, das auch die Werksbesuche koordiniert. Kontaktaufnahme und Anmeldung erfolgen formlos via email über Morgans VC-Agentin Angela Hymas. Die Tour umfasst einen zweistündigen Rundgang durch die seit 1910 genutzten victorianischen Werkshallen und das Museum. Nach wie vor ist Morgan ein echtes Familienunternehmen, seit 1999 hält Gründerenkel Charles Morgan bei der über 100 Jahre alten Traditionsfirma fest die Zügel in der Hand. Der Name Morgan kommt ursprünglich aus Wales und bedeutet soviel wie „vom Meer“. Das läßt sich durchaus wörtlich nehmen, denn Morgan-Fahrer fühlen sich manchmal wie der Kapitän auf der Brücke eines Trawlers im Sturm.

Morgan Motors, Malvern factory final assembly

STAMMWERK:  MalvernPickersleigh Road, Malvern Link, Worcestershire WR14 2LL, United Kingdom

WERKSBESICHTIGUNG, VISITOR CENTRE, MUSEUM: Anmeldung via Email: angela.hymas@morgan-motor.co.uk    Tel. 01684 584580. Die Tour kostet £10.00 pro Person.

ÖFFNUNGSZEITEN:  Mo – Do  8:30 – 17:00, Fr 8:30 – 15:30, Sa und So geschlossen

NÄCHSTER FLUGHAFEN: Birmingham BHX – 70 Kilometer

 

ASTON MARTIN Logo

ASTON MARTIN Gaydon Aerial

Aston Martin und Newport Pagnell, für eine kleine Ewigkeit nannten Motorsport-Enthusiasten den Englischen Sportwagenhersteller in einem Atemzug mit diesem beschaulichen Vorort von Milton Keynes auf halber Strecke zwischen London und Birmingham. Seit 1954 wurden in Newport Pagnell die Autoträume von James Bond in Blech geschmiedet.  Im Sommer 2007 hat der neue Eigentümer nach dem Auslaufen der Vanquish-Produktion das altehrwürdige Stammwerk endgültig geschlossen und teilweise abgerissen, um Platz für ein Neubaugebiet zu machen. Über 13.000 Aston Martins hatten hier das Licht der Welt erblickt, seither werden die edlen Vollblüter nur noch im neuen Stammsitz in Gaydon – mit Ausnahme eines kurzen Gastspiels bei Magna Steyr in Österreich – gezüchtet.

Das neue Werk in Gaydon steht auf dem Areal des ehemaligen RAF Airfields Gaydon, das nach seiner Stillegung 1978 von British Leyland erworben wurde und mittlerweile auch eine Reihe von Einrichtungen zum Testen von Fahrzeugen beherbergt. Über die Jahre kamen ettliche Werkshallen und Verwaltungsbäude u.a. von Austin Rover und Jaguar hinzu. Als in den 90ern die Rover Group von BMW zerschlagen wurde, wurde das Areal an Ford verkauft. Aston Martin, damals zu Ford gehörend, zog 2002 nach Gaydon, um vor allem auch den unmittelbaren Zugang zum weitläufigen Testgelände zu erhalten. Als Ford 2007 Aston Martin wieder abstiess, fiel unter dem neuen Mehrheits-Eigentümer die Entscheidung für Gaydon als dem zukünftigen Stammsitz. Hier gibt es viel Platz um die jährlich rund 6.000 Aston Martin zu fertigen.

Zum rund 15.000 m2 umfassenden Werksareal gehört ein großräumiges Kundenzentrum, komplett ausgestattet mit Bibliothek, Archiv und einem kleinen Museum, in dem permanent einige der größten Firmen-Ikonen ausgestellt werden. Zutritt zum AML-Tempelbezirk bekommt man allerdings nur über einen vom Aston-Martin-Händler hergestellten Kontakt. Wem es nach einem spontanen Boxenstop in Gaydon nicht gelungen ist, eine Werksführung zu bekommen, dem sei alternativ der Besuch des nur einen Steinwurf von Aston Martin entfernt liegende Motor Heritage Centre ans Herz gelegt, der weltgrößten Sammlung von Autos aus Britischer Produktion. Im Gegensatz zum Aston-Werk kommt hier jeder rein. Für 11 Pfund gibt´s Zutritt in die praktisch an 365 Tagen im Jahr geöffnete Autosammlung, für PS-Freunde die wichtigste Weltkulturerbe-Stätte in England .

STAMMWERK: GaydonBanbury Road, Gaydon, Warwick, CV35 0DB England

WERKSBESICHTIGUNG:  Anfragen über den Aston-Martin Vertragshändler

NÄCHSTER FLUGHAFEN: Birmingham BHX – 48 Kilometer

 

NOBLE Logo

NOBLE Barwell Aerial

NOBLE Barwell Streetview

Noble baut seit 1999 Sportwagen, die von getunten V6-Ford-Motoren angetrieben werden. Mit dem neusten Modell, dem M600, betritt der engagierte Nischenhersteller aus Leicester jetzt das Jagdterritorium der Supercarszene. Mit seinem 650 PS starken 4,4 Liter V8 Doppelturbo und extrem leichtem Kohlefaser-Body hetzt der Noble mit 360 km/h die Vollblüter aus Maranello und Zuffenhausen über die freie Wildbahn.

Chassis und Body werden von Hi-Tech Automotive im südafrikansichen Port Elizabeth gefertigt und nach Leicester verschifft, wo die  auch optisch extrem scharfen Coupés mit den aufgeladenen V8 Motoren von Volvo verheiratet werden. Das Werk, wenn man es überhaupt so nennen darf, liegt am äußeren Rand eine kleinen Industriegebiets in Barwell rund 10 Kilometer westlich von Leicester. Leider gilt hier nach wie vor ein striktes „streng geheim“ – auf unsere Anfrage zu Werksbesichtigungen erhielten wir leider keine Anwort.

STAMMWERK:  Barwell - Mote Way, Barwell, Leicester LE9 8EY, Vereinigtes Königreich, United Kingdom

WERKSBESICHTIGUNG: Keine Angaben

NÄCHSTER FLUGHAFEN: East Midlands EMA – 32 Kilometer

 

MCLAREN Logo

MCLAREN Woking Aerial

MCLAREN Woking Streetview

Seit 1994 produziert der McLaren-Rennstall auch Straßensportwagen. Für die Automotive-Abteilung wurde im südwestlich von London gelegenen Woking eigens ein hochmodernes Entwicklungszentrum, das McLaren Technology Centre, auf die Grüne Wiese gestellt. Seit dem Frühjahr 2011 wird die erste vollständige Eigenentwicklung, der MP4-12C, im neuen und über 40 Millionen Euro teuren McLaren Production Centre (MPC) gefertigt. Wie schon das MTC wurde auch das MPC von Foster + Partners, einem weltweit bekannten Architekturbüro, entworfen.

Ein Werksbesuch wird somit nicht nur wegen der Autos zum Erlebnis, auch mit der sehr harmonisch in die ländliche Umgebung eingepassten, lichtdurchfluteten und fast esoterisch anmutenden Auto-Kirche hebt sich McLaren von seinen Mitbewerbern ab. Die in ihren Abläufen wohldurchdachten Entwicklungs- und Montagegebäude sind allesamt nachhaltig geplant. So wird etwa das Wasser aus einem künstlicher See zur Kühlung der Werkshallen genutzt. Innen sieht es aus wie in einer Dentalklinik – alles ist strahlend weiß und die zahlreiche Spezialgeräte und elektronischen Werkzeuge zur Montage des südenglischen Supersportlers erinnern mehr an den letzten Besuch beim Zahnarzt als an eine Autofabrik.

Alles was McLaren anpackt, wird mit höchster Präzision und der selben Ambition durchgezogen wie die Vorbereitung auf eine neue Grand Prix-Saison. McLaren-Werksbesuche sind ähnlich schwer zu arrangieren wie bei Ferrari. Natürlich ist auch hier die unmittelbar angeschlossene Formel 1-Entwicklungsabteilung und mögliche Spionage ein wesentlicher Grund, keine Besucher zuzulassen. Da das neue MPC noch nicht ganz fertig gestellt ist und die Eröffnung erst im September statt finden soll, führt McLaren derzeit ohnehin keine Besucher durch die Hallen. McLaren signalisiert allerdings Bereitschaft, nach der vollständigen Inbetriebnahme Werkstouren durch das MPC zuzulassen. Warten wir also mal bis September.

McLaren MP4 12C under construction

STAMMWERK: Woking - Chertsey Rd, Woking, Surrey GU21 4YH, United Kingdom

WERKSBESICHTIGUNG:  Derzeit sind keine öffentlichen Werksbesichtigungen möglich

NÄCHSTER FLUGHAFEN: Für VIPS der Fairoaks Privatflughafen gleich neben dem Werksgelände, 6km für alle anderen  London Heathrow LHR – 27 Kilometer – eigentlich auch fast nebenan!

 

LOTUS Logo

LOTUS Hethel Aerial

LOTUS Hethel Streetview

Lotus zählt zum kleinen aber feinen Zirkel engagierter Sport- und Rennwagenbauer, der es in die Hall of Fame der Automobilgeschichte geschafft hat. Dort kommt man allerdings nicht nur mit ein paar guten Autos rein.

1952 gründete Colin Chapman Lotus Engineering und machte sich schon bald über die britische Insel hinaus einen Namen als Spezialist für Leichtbau-Sportwagen mit eingebautem Sieger-Gen. Neben Rennwagen frisierte Lotus bald auch den behäbigen Ford Cortina und machte die Brot-und-Butter-Limo zum ultrascharfen Pistenschreck. Die ersten Lotus-Cortina wurden noch in Cheshunt produziert, wohin Lotus Ende der 1950er-Jahre gezogen war. 1966 zog Lotus auf das Gelände der ehemaligen RAF Airforce Base in Hethel in der Nähe von Norwich. Ein wesentliches Argument war die alte Runway, die Lotus als das passende Gelände für Test- und Entwicklungsfahrten gerade recht kam.

Ursprünglich dienten die alten Hangars als Werkshallen, mittlerweile entwickelt und montiert Lotus aber in adäquaten Neubauten. Der weitläufige Lotus-Spielplatz erstreckt sich über rund 220.000 m2, neben dem Lotus-Headquarter und dem Montagewerk residieren hier auch die Lotus Rennsportabteilung “Team Lotus“ und das “Classic Team Lotus“. Das 1992 gegründete Klassik-Team wartet und restauriert historische Lotus-Formel 1-Rennwagen und zeigt einige davon im unmittelbar angeschlossenen Museum.

Die vorhandene Teststrecke animierte die Marke 2009 zur Gründung der Lotus Driving Academy. Der Lotus-Werksbesuch wird seither zum adrenalingetränkten Super-Event. Die Sportwagen bei der Entstehung zu sehen und danach gleich einen davon selbst über die Rennstrecke zu prügeln – das ist schon etwas Besonders.

Der neue Eigentümer Proton, seit 1996 in Hethel am Ruder, hat mit der traditionsreichen Marke große Pläne. Mit der Neuauflage des Lotus Esprit steht endlich wieder ein echtes Supercar in den Startblöcken, im Frühjahr 2013 soll es den neuen Über-Lotus zu kaufen geben. Derzeit werden in Hethel übrigens auch die letzten Exemplare des Tesla Roadster gefertigt, an dessen Entwicklung Lotus wesentlich beteiligt war. Der Elektrorenner läuft leider aus und Tesla Motors hat sich inzwischen in den Staaten ein ehemaliges Toyota-Werk unter den Nagel gerissen, wo Tesla nun selbst und in größeren Stückzahlen produzieren will. Wer nach Hethel fährt, sollte also viel Zeit mitbringen und am besten die große Scheine und Kreditkarten zu Hause lassen.

STAMMWERK: Hethel - Potash La, Norwich NR14 8EZ, United Kingdom

WERKSTOUREN: Anfragen via Email: info@lotusdrivingacademy.com  oder  per Tel: +44 1953 608547

Tickets kosten 39£,  tägliche Führungen um 14:00

LOTUS DRIVING ACADEMY: Anfragen über email: info@lotusdrivingacademy.com oder per Tel.:  +44 1953 608547

MUSEUM:  Classic Team Lotus Tour: Eintritt 30£ pro Person

NÄCHSTER FLUGHAFEN: Norwich NWI – 19 Kilometer
Der Weg der Mitte

Der Weg der Mitte führt von Zeewolde bis Molsheim – allerdings nicht auf direktem Wege, sondern über 1940 Kilometer allerfeinste deutsche Autobahn – die Pilgerroute für übersinnliche Grenzerfahrungen schlechthin. Hier kann man Sie tatsächlich noch unmittelbar „erfahren“, die deutsche Auto-Religion.

Die Niederlande sind zweifellos mehr als nur eine Ansammlung von kongenialen Wasserbauingenieuren, mutigen Seefahrern, erfolgreichen Kaufleuten, innovativen Architekten und Weltklasse-Fussballern. Zwar zählen die Niederländer zu den offensten und liberalsten Gesellschaften Europas, aber auch hierzulande huldigt man in religöser Verklärung der Sportwagen-Passion. Eigene Auto-Kreationen gibt es allerdings wenig. Allen Widrigkeiten zum Trotz werden einzig bei Spyker noch immer holländische Supercars gebaut, unklar ist allerdings, wie lange noch. Möglicherweise hilft beten, wir nutzen hingegen die Gelegenheit, den Weg der Mitte in den Niederlanden starten zu lassen.

Wenn Du in der Welt herumfragst, sind die Deutschen nicht sonderlich beliebt, aber auf Deutsches Bier, Würstchen und die schnellen Autos möchte natürlich keiner verzichten. Sie können es halt und wo Erfolg ist ist der Neid nicht weit. Im Internationalen PS-Orchester spielen die Deutschen allerdings nur die zweite Geige, ein exzentrischer Superstar wie „die Legende unter den Sportwagen“, der 300 SL Gullwing, fehlt seit Jahren. Möglicherweise schickt sich AMG nun an, mit dem SLS diese Lücke zu füllen.

Die deutsche Supersport-Landkarte könnte dichter besiedelt sein. Eine würdige Kultstätte fehlt, die Altötting oder Wildbad Kreuth den Rang ablaufen könnte. Zuffenhausen, Ingolstadt, Untertürkheim oder München Freimann ? Klingt alles etwas angegraut und mehr nach 60er Jahre Wirtschaftswunder. Denoch – die Qualität der angebotenen Ware stimmt und geht wie die warmen Semmeln über den Ladentisch.

Die ungekrönte Auto-Hauptstadt der Deutschen ist und bleibt natürlich Stuttgart, neuerdings senden aber auch die Mitte und der Norden der Republik recht selbsbewusste Lebenszeichen. Artega aus Delbrück und Gumpert aus Altenburg schicken sich an, aus dem Windschatten der süddeutschen Platzhirsche auszuscheren und die erfolgsverwöhnten Auto-Traditionalisten mit Verve und messerscharf gekantetem Blech mal so richtig auszubremsen. Weiter so, da müssen mehr Emotionen ins Spiel !

Die Franzosen hingegen hielten schon immer große Stücke auf Ihre Eigenständigkeit. Zu recht, denn sie bereicherten die Geschichte mit einigen der großartigsten und mutigsten Autokonstruktionen. Die Liste französischer Autoavantgarde ist lang und geht zurück bis zu den Anfängen des Automobils. Unter all den großen Namen sticht jedoch einer hervor, und dieser zählt zu den bedeutendsten und talentierteste Autokonstrukteuren aller Zeiten: Ettore Bugatti.

Molsheim, ein verschlafenes Nest am Rande der Vogesen, ist auf heiliger Erde errichtet und gilt als das Lourdes der Autofahrergemeinde. Bugatti baute hier die ersten Supercars der Automobilgeschichte und in Molsheim werden heute wieder Supercars gebaut, die zu den besten, teuersten und schnellsten Sportwagen gehören, die es aktuell zu kaufen gibt.

Molsheim im Elsaß ist der Endpunkt auf dem Weg der Mitte, hier findet der Pilger endlich die ersehnte Transzendenz ins 4stellige PS-Paralleluniversum.

 

NL Header

SPYKER Logo

Spyker Zeewolde Aerial

Spyker Zeewolde Streetview

„Nulla tenaci invia est via“ oder auf Deutsch „für den Hartnäckigen ist kein Weg unpassierbar“ lautet das selbstbewusste Motto von Spyker Cars N.V. In den Niederlanden sitzt der exklusive Sportwagen-Hersteller wie einst Robinson Crusoe auf der Insel vollkommen allein im weiten Ozean.

1999 wurde die Oranje-Sportwagen-Manufaktur durch den niederländischen Multimillionär Victor R. Muller widerbelebt. Als Partner bei Entwicklung, Design und Produktion beteiligte sich unter anderem die Wilhelm Karmann GmbH aus Osnabrück. Die Produktionsstätte für Renn- und Straßenautos wurde in Zeewolde nicht allzuweit entfernt von Amsterdam aufgebaut, 2007 hatte man sich kurzzeitig sogar in der Formel 1 engagiert,

Aktuell liefert Audi die V8-Motoren, aus Kostengründen wird die Sportwagen-Montage seit Ende 2009 bei einer Fremdfirma im englischen Coventry durchgeführt.  2010 hatte sich Spyker über GM bei Saab in Schweden eingekauft, und im Februar 2011 teilte die Spyker mit, das verlustbringende Sportwagengeschäft an private Investoren veräußern zu wollen. Am 16. Juni, vor gerade einmal vier Wochen, wurde der Name der Firma auf Swedish Automobile N.V. hin abgeändert.

STAMMWERK: Zeewolde, Edisonweg 2, 3899 AZ Zeewolde, Niederlande

WERKSBESICHTIGUNGEN: keine Angaben

NÄCHSTER FLUGHAFEN: Amsterdam Schipol AMS – 65 km

 

D Header

MB Logo

Mercedes Werk Bremen Aerial

Mercedes Werk Bremen Streetview

Seit 1989 wird das Mercedes-Flaggschiff, der SL, nicht mehr in Sindelfingen sondern im Werk Bremen gebaut. Nicht dass das Schwäbische Stammwerk aus allen Nähten geplatzt wäre, sondern wegen der Nähe zu Bremerhaven, von wo aus ein Großteil der Produktion des mondänen Allherren-Roadsters nach Übersee verschifft wird. Trotz seines weltbekannten Namens gibt der „Sport Leicht“ im Quartett der Supercars den Underdog. Aber Achtung, der nette Onkel von der Waterkant mutiert im Handumdrehen zum rüden Macho. SL 63 AMG heißt das aktuelle Spitzenmodell der Reihe und ärgert die italienischen und englischen Vollblüter mit US-kompatiblem 6,2-Liter V8 und 525 PS. Der SL 65 AMG Black Series mit 670 PS starkem V12 Biturbo war der bislang stärkste SL, leider nur als limitiertes Sondermodell.

Das Bremer Werk ist der weltweit zweitgrößte Produktionsstandort von Mercedes, neben dem SL werden hier auch SLK, GLK, C-Klasse sowie E Coupé und Cabrio gefertigt. 1938 wurde im Bremer Stadtteil Sebaldsbrück der Grundstein für ein neues Autowerk gelegt, hier produzierte bis 1963 die heute fast vergessene Bremer Auto-Marke Borgward LKWs und PKWs. Nach dem Konkurs von Borgward in den 60ern übernahm Daimler-Benz das strategisch günstig gelegene Werk, das mittlerweile auf fast 535.000 m2 an Hallenfläche angewachsen ist.

Schlicht vorbildlich ist das Angebot an Werksbesichtigungen. Zwischen 9:30 und 14:45 werden jeden Tag neun unterschiedlich lange Führungen angeboten, eine Tour auf Englisch ist auch dabei. Über die Bremen-Touristik werden außerdem jeden Donnerstag und Freitag Touren mit Imbiss und Getränken im Mercedes-Kundencenter, inkl. Abholung der Teilnehmer in der Bremer Innenstadt angeboten. Das ganze kostet zwar 15 €, aber auf diese schlaue Idee ist sonst noch keiner gekommen. Als Special Feature bietet Mercedes den Besuchern übrigens die Möglichkeit zur Fahrt auf dem werkseigenen Geländewagenparcours. Ja, da lacht doch das Kind im Manne!

SL-Fertigung im Werk Bremen

WERK: Bremen, Mercedesstraße 1, 28309 Bremen, Deutschland

WERKSBESICHTIGUNGEN: werktags je neun Werksführungen zwischen 09:30 und 14:45 Uhr
Voranmeldung erbeten,  Telefon: 0421 4192254 , E-Mail: susanne.loose@daimler.com

alternative Werksbesichtigung inkl. Mercedes Kundenzentrum über die Bremen-TouristikAnmeldung online oder Telefon: 0180 5 101030 (0,14 €/min)

NÄCHSTER FLUGHAFEN: Bremen BRE – 11 km / Hamburg  HAM  – 125 km

 

ARTEGA Logo

ARTEGA Delbrück - noch die grüne Wiese ohne Artega

ARTEGA Delbrück Streetview

Der Artega GT wird passenderweise in Delbrück´s Artegastraße 1 gefertigt. Da stellt sich die berühmte Frage: War da zuerst die Henne oder das Ei? Egal, das Küken ist ohnehin längst geschlüpft. Seit Juni 2009 wird der jüngste Spross aus der deutschen Supercar-Familie, der 300 PS starke und superleichte Artega GT, an die nervös mit den Hufen scharrende Kundschaft ausgeliefert. Artega plant bis zu 500 Einheiten des scharfen Sportcoupés mit Polyurethankarosserie pro Jahr aufzulegen und damit dann kräftig im Revier von Lotus und Porsche zu wildern.

Um solche Stückzahlen zu realisieren, wurde vor den Toren Delbrücks eine 4.000 m2 große Montagehalle aus dem Boden gestampft. Gleich daneben befindet sich auch das Kunden- und Vertriebszentrum der Sportwagen-Manufaktur, in denen Artega den Interessenten das passendes Ambiente zum Unterschreiben des Kaufvertrages bietet. Eine Führung durch die Manufaktur organisiert Artega auf Anfrage und zu den Öffnungszeiten des Kundenzentrums. Aber Achtung. Gerade in so einem familiär geführten Unternehmen, wo man recht einfach mit den Machern ins Gespräch kommen kann, wird es mitunter besonders schwer der Versuchung zum Spontankauf zu widerstehen.

Gezeichnet wurde der Artega übrigens von ehemaligen Aston-Martin Designer Henrik Fisker unmittelbar nach seinem Ausstieg bei den Briten. Fisker hat an soviel Freiheit und Unabhängigkeit wohl großen Gefallen gefunden hat und baut mittlerweile seine eigenen Autos.

STAMMWERK: DelbrückArtegastraße 1, 33129 Delbrück, Nordrhein-Westfalen, Deutschland

WERKSBESICHTIGUNG:  Anfragen per Telefon: +49(0)5250 9383 1900 oder per Mail: info@artega.de

KUNDENZENTRUM: Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 9.00 bis 17.00 Uhr und Samstags von 9.00 bis 13.00 Uhr.

NÄCHSTER FLUGHAFEN: Paderborn-Lippstadt PAD – 22 km / Dortmund DTM – 70 km

 

GUMPERT Logo

GUMPERT Altenburg Aerial

Das 35.000-Einwohner-Nest Altenburg im Osten Thüringens ist nicht nur deswegen weit über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt, weil hier das Skat-Spiel erfunden wurde, sondern seit dem Jahr 2004 auch die Gumpert Sportwagenmanufaktur ihren Sitz hat. Im Ort befinden sich sowohl der Firmensitz als auch die Produktionsstätte des aktuellen Runden-Rekordhalters für straßenzugelassene Fahrzeuge auf dem Nürburgring.

Der Gumpert Apollo wird in einer ehemaligen Nähmaschinenfabrik aus dem Jahre 1880 endmontiert. Weltweit wohl einzigartig liegt die Produktionsstrasse im ersten Stock des Gebäudes. Da das umliegende Gelände ansteigt, können die pro Jahr rund 30 montierten Apollos auf der Rückseite dann aber doch recht einfach ebenerdig herausgefahren werden.

Ebenfalls ziemlich einmalig ist die Lage der Supercar-Manufaktur mitten im Ortszentrum der rund 1000 Jahre alten Residenzstadt. Einen Apollo aus Thüringen hat es übrigens schon einmal gegeben und zwar gar nicht so weit enfernt von hier. In Apolda, östlich von Erfurt, montierte man zwischen 1910 und 1924 sogar waschechte Rennwagen. Der Apollo-Rennwagen von 1921 hatte 30 PS, der Apollo von 2011 hat nun allerdings bis zu 800 PS. Da man so eine Rakete auf den mittelalterlichen Gassen Altenburgs nur schwer richtig ausfahren kann, testet Gumpert auf dem nur zehn Kilometer entfernten Leipzig-Altenburg-Airport, einem ehemaligen Militärflughafen, der seit einigen Jahren von Ryanair angeflogen wird.

Werksführungen sind möglich, aber die Gelegenheiten dazu sind rar. Die 90-minütigen Führungen finden an ausgewählten Samstagen jeweils um 10.00 Uhr und um 12.00 Uhr statt. Die Gute Nachricht zuerst: An den Samstagen 22. Oktober und 26. November 2011 finden wieder je zwei Führungen statt. Nun die schlechte Nachricht: Leider sind bereits alle Touren ausgebucht. Neue Termine soll es erst wieder 2012 geben. Wenn Sie einen Besuchstermin ergattert haben, zeigt Ihnen Gumpert für 20€ Eintritt den kompletten mit viel Handarbeit durchsetzten Apollo-Produktionsprozess, von der Schweißerei über die Vor- bis hin zur Endmontage. Zum Abschluss gibt es alkoholfreie Getränke und sogar noch ein Gruppenfoto. Wenn Sie vor Ort gleich einen Kaufvertrag unterschreiben, stellt sich Firmengründer und Geschäftsführer Roland Gumpert vielleicht auch noch mit auf´s Bild.

Gumpert Apollo Montage in Altenburg

STAMMWERK: AltenburgFriedrich-Ebert-Str. 33, D-04600 Altenburg

WERKSBESICHTIGUNG:  Online Infos und Anmeldeformular, 2011 sind sämtliche Termine bereits ausgebucht. Anfragen an: Herrn Patrick Hoppe, Telefon: +49-(0)3447-49939 68, E-Mail: patrick.hoppe@gumpert.de

NÄCHSTER FLUGHAFEN: Leipzig/Halle LEJ - 54 km / Leipzig-Altenburg AOC (nur Ryanair), 10 km

 

BMW Logo

BMW Dingolfing Aerial

In Bezug auf Sportwagen hat BMW längst Geschichte geschrieben. In der Hall of Fame parken zum Beispiel der wunderschöne 507 Roadster aus den 50ern und der futuristische und ultraflache M1 von 1978. Aktuell haben die Bayern mit dem 6er zwar einen leistungsstarken GT im Programm, ein echter Supersportler fehlt jedoch. Der M6 vermochte diese Lücke noch am ehesten zu füllen, wurde aber 2010 eingestellt. In letzter Zeit verdichten sich Gerüchte über einen würdigen Nachfolger des großartigen M1. Angeblich arbeitet die M-GmbH mit Hochdruck an einem direkten Konkurrenten zum Mercedes SLS AMG, der 2014 auf die Straße kommen soll.

Wer beim aktuellen 6er ein Auge zudrückt und den 400 PS starken 6er mit dem 4,4 Liter Biturbo-V8 schon mit einem Bein in der Supercarszene stehen sieht, sollte ins niederbayrische Dingolfing fahren. Das dortige BMW-Werk ist neben Landshut, Regensburg und dem Stammwerk in München der vierte Produktions-Standort von BMW in Bayern. Das Autowerk Dingolfing wurde einst von der Marke Glas aufgebaut und 1967 von BMW übernommen. Das direkt an der Autobahn92 München-Regensburg gelegene Areal ist übrigens der weltweit größte Standort des BMW Konzerns und auf dem Satellitenbild ist das Werk fast so groß wie ganz Dingolfing. Neben dem 6er werden hier übrigens auch 5er und 7er und die Rohkarossen des Rolls-Royce Phantom gefertigt.

Rund 30.000 Besucher werden pro Jahr durch das Dingolfinger Werk geschleust, entsprechend professionell sind die 2-stündigen Touren organisiert. Bei Gruppenbesuchen mit maximal 30 Teilnehmern benötigt BMW allerdings eine Vorlaufzeit von 3 bis 5 Monaten. Personen mit Herzschrittmachern ist die Teilnahme am Rundgang nicht gestattet, da in den Produktionsbereichen elektromagnetischen Systemen gearbeitet wird. Bei den Werksbesichtigung trifft man mitunter auch Stars aus der Rapper-Szene, bei denen der 6er ja Kultstatus genießt. Möglicherweise auch deswegen gilt ein strenges Fotografierverbot.

BMW Dingolfing, 6er Endmontage

WERK: DingolfingLandshuter Straße 56, 84130 Dingolfing, Deutschland

WERKSBESICHTIGUNG: Informative Website, Anfragen und Terminvereinbarungen Online 

NÄCHSTER FLUGHAFEN: München MUC – 77 km

 

PORSCHE Logo

PORSCHE Zuffenhausen Aerial

PORSCHE Zuffenhausen Streetview

Stuttgart Zuffenhausen, das ist beschauliche Vorortatmosphäre und der Charme von spröden Industriehallen aus den 60er Jahren – typisch schwäbische Provinz und auch wieder nicht. In Zuffenhausen schlägt das Herz teutonischer Autobaukunst, denn hier steht der Dom der Deutschen Auto-Religion.

Porsche, das ist die Automarke mit dem eingebautem Sieger-Gen auf Straße und Rennstrecke und nebenbei einer der profitabelsten Autobauer der Welt. Nach langem hin und her kroch 2009 endlich auch der letzte Sportwagenmohikaner unter das schützende VW-Tipi in Wolfsburg. Aber alles in Butter, Porsche hat in den vergangenen Jahren seine Hausaufgaben gemacht und in Leipzig ein hochmodernes Auto-Werk aus dem Boden gestampft. Dort werden nun Cayenne und Panamera gebaut. Boxster und Cayman montiert Valmet zusätzlich in Finnland, aber sämtliche Derivate des „11er“ – das deutsche Supercar schlechthin – werden ausschließlich am Stammsitz in Zuffenhausen zusammen geschraubt.

1950 startete Porsche die Produktion des 356 und Ur-Elfers in Zuffenhausen mit bescheidenen 400 Stück im ersten Jahr. Die hoch technisierten Produktionsabläufe auf dem über die Jahre gewachsenen und zwischen Wohngebieten eingezwängten Werksareal zu organisieren, ist mittlerweile zu einer gigantischen logistischen Herausforderung geworden, aber es scheint zu funktionieren. Porsche kann hier eigentlich ohnehin nie mehr weg, denn im Zentrum des Markenlogos thront der Schriftzug  „Stuttgart“ und das Wappen der Stadt.

Porsche bietet täglich kostenlose Führungen durch das Werk. Im Anschluss an die etwa zweistündige Tour kann seit neuestem auch das Porsche-Museum besichtigt werden. Der Faszination Porsche wurde mit dem spektakulären Museumsneubau des österreichischen Baukünstlerduos Delugan Meissl unmittelbar gegenüber dem Werkeingang ein weiterer Baustein hinzugefügt. Bei meinem letzten Besuch im Herbst 2010 schraubten einige Mechaniker im Hof hinter dem Haus gerade an einem silbernen 904 herum und drehten den nicht schallgedämmten 2 Liter Boxer der 60er Jahre Rennwagenikone im Leerlauf bis zum Anschlag – Man kann sich vorstellen, was für ein brachiale Synfonie noch durch die mächtigen Betonwände des Museums verstärkt über das verschlafene Nest am Rande des Stuttgarter Kessels hinwegbrandete.

Für Fahrzeugabholer bietet Porsche neben der Werksführung auch einen Besuch im Porsche-Casino mit 3-Gänge-Menü. Dass dort anstelle von edlen Weinen hochoktaniger Kraftstoff zum Essen kredenzt wird, ist allerdings nichts als Legende.

STAMMWERK: ZuffenhausenPorscheplatz 1D – 70435 Stuttgart, Deutschland

WERKSBESICHTIGUNG: Anfragen und Terminvereinbarungen über werksfuehrungen@porsche.de

MUSEUM ÖFFNUNGSZEITEN: Besucher-Informationen online, Di bis So 09:00 bis 18:00 Uhr, die Kassen schließen um 17.00 Uhr, Mo geschlossen

NÄCHSTER FLUGHAFEN: Stuttgart STR – 33 km

 

AMG Logo

AMG Affalterbach Aerial

Eigentlich ist AMG ja gar keine richtige Marke, sondern der Haustuner von Mercedes-Benz. Dachte man. AMG ist eben dabei, eine richtige Marke zu werden. Duftmarken hat der Frisierbetrieb für schwäbische Panzerschränke ja schon eine ganze Menge gesetzt, aber mit dem SLS-AMG haben die Tüftler aus dem kleinen Städtchen Affalterbach nördlich von Stuttgart ihr Meisterstück abgeliefert. Der SLS-AMG ist das erste eigenständige AMG-Supercar – und was für eines. Kein anderer als die Mercedes-Ikone schlechthin, der 300 SL aus den 50er Jahren, diente als Inspiration für einen neuen Flügeltürer, jetzt gibt es endlich das passende Auto zum bullenstarken 6,2 Liter AMG-V8 mit 570 PS. Die Karosserie, Türen und Hauben werden bei Magna Steyr in Graz gebaut und fertig lackiert an AMG geliefert, die dann alle Teil um den wunderschönen V8 herum zusammenmontiert.

Ursprünglich nannten sich die schwäbischen PS-Apostel nur trocken „Ingenieurbüro zur Entwicklung von Rennmotoren“. Mittlerweile spricht das Akronym AMG für sich und besonders die Amis haben einen Narren gefressen an den großvolumigen Power-Limos und Coupés aus dem Landkreis Ludwigsburg. Das Unternehmen wurde 1967 in Burgstall bei Stuttgart gegründet und zog vor rund zehn Jahren an den Rand der 4.500 Einwohner Gemeinde Affalterbach. Hier gab es genügend Platz für die neue 4.600 m2 große Motorenmanufaktur, einen Showroom und zwei neue Entwicklungsgebäude. 2005 übernahm der Daimler-Konzern das Unternehmen, seither kümmert sich AMG offiziell um sämtliche High-Performance-Modelle von Mercedes-Benz.

Natürlich dreht sich bei AMG vorrangig alles um Motoren, traditionell die Kernkompetenz der Schwaben. Rund 100 AMG-Triebwerke verlassen täglich das Werk und werden bei Mercedes in die entsprechenden Fahrzeuge eingebaut. Jüngst ist die Endmontage des SLS hinzugekommen, es gibt in jedem Fall viel Interessantes zu sehen.

Wenn Sie damit liebäugeln, einen AMG-Mercedes zu kaufen, bekommen Sie die Werksführung kostenlos. Falls Sie einfach mal so vorbei schauen wollen, geht das zwar auch, kostet aber stolze € 300 pro Person. Dafür gibt es einen extralangen Tauchgang in die Welt von AMG – inklusive Frühstück und Mittagessen. Für € 400 bietet AMG seinen Kunden oder denen, die es werden wollen, Ausfahrten mit aktuellen AMG-Fahrzeugen. Sprit und Fahrinstruktor sind inkludiert. Wenn Sie dem intensiven Werben von AMG nicht wiederstehen konnten und einen Kaufvertrag unterschrieben haben, können Sie Ihren Wagen dort auch gleich abholen und dürfen bei dieser Gelegenheit noch mit dem Motormechaniker plauschen, der „Ihr“ AMG.Triebwerk eigenverantwortlich zusammen gebaut hat – Lamborghini läßt grüßen!

AMG Werk Affalterbach

STAMMWERK: AffalterbachDaimlerstraße 1, 71563 Affalterbach, Deutschland

WERKSBESICHTIGUNG:  Anfragen über den Mercedes Händler oder direkt bei AMG Tel. 07144/302 0

NÄCHSTER FLUGHAFEN: Stuttgart STR – 57 km

 

AUDI Logo

AUDI Neckarsulm Aerial

„Jetzt lasst mich aber auch mal!“, dachte sich in den 90ern wohl der damalige Audi-Chef Martin Winterkorn im Angesicht von BMW 850i und Mercedes SL. Praktisch, dass Lamborghini seit 1998 zum VW-Konzern gehört. In den folgenenden Jahren wurde sukzessive Knowhow aus Sant´Agata Bolognese nach Bayern gefaxt und 2006 war er da, der Teutonen-Lamborghini.  Im Gegensatz zu Mercedes und BMW setzte Audi beim R8 von Anfang an auf eindeutige Supercar-Features wie V10-Mittelmotor, Leichtbau und einen provokanten Auftritt. Der aktuelle top of the line-Ringkäpfer heißt R8 GT, dessen 560 PS sind zweifellos eine selbstbewußte Ansage.

Der R8 wird im Audi-Werk Neckarsulm von der dort ansässigen Quattro GmbH produziert. Die Performance Division und hundertprozentige Audi-Tochter baut alle Audi R und RS-Modelle sowie Kleinserien wie aktuell die e-tron-Modelle. Der R8 wird in einer manufakturartigen Fertigung produziert, bei der handverlesene und mindestens 40 Jahre alte Audi-Werker sehr viel mehr verschiedene Arbeiten als ihre Kollegen erledigen. Takt gibt es in den Nachbarhallen an den Bändern bei A2, A6 und A8. Bei der Quattro GmbH produzieren die rund 120 Mitarbeiter lediglich 23 Audis pro Tag – allerdings auch ziemlich außergewöhnliche.

Seit mehr als hundert Jahren werden in Heilbronn-Neckarsulm Autos gebaut. Die NSU Motorenwerke galten als eine der innovationsfreudigsten Automarken Deutschlands und waren  Mitte der 1950er Jahre nach Stückzahlen sogar der größte Zweiradhersteller der Welt. 1969 fusionierte NSU mit der Auto-Union, aus der später die Audi AG gebildet wurde mit dem Hauptsitz im bayrischen Ingolstadt.

Heute ist die Neckarsulmer Autotempelanlage auf ca. 1 Mio. m2 Grundfläche angewachsen und ist damit mehr als doppelt so groß wie der Vatikan! Das Werk liegt äußerst verkehrsgünstig genau an der Schnittstelle der beiden Bundesautobahnen A6 und A81, ziemlich genau in der Mitte zwischen Stuttgart, Würzburg und Mannheim.

Das hier gebotene Programm für Werksbesichtigungen ist schlicht phänomenal. Nicht nur, dass Audi seinen Besuchern täglich drei Führungen auf Deutsch und Englisch anbietet, darüberhinaus gibt es sogenannte Erlebnisführungen. Klingt stark nach Wellness, ist es auch! So gibt es neben der Standard-Tour eine Tour „A8 Aluminiumtechnologie“, Führungen durch das ans Werk angrenzende Audi-Forum und sogar Werksführungen für Kinder. Schlau erkannt, das sind die Kunden von morgen. Im Zentrum steht aber die übersinnliche Erlebnistour „R8 Sportwagenmanufaktur“.  Hier hört man statt „Om“ dann allerdings nur „Wromm“. Die 2-stündige Gruppenreise ins Audi R8-Paralleluniversum kostet bei 15 Teilnehmern bescheidene 10 € pro Person, Widergeburt als bekehrter Audi-Jünger inklusive.

WERK: Neckarsulm, NSU-Straße 1, 74172 Neckarsulm, Deutschland

WERKSBESICHTIGUNGEN: Informationen Online, Touren Mo-Fr 9:00, 13:45 und 15:45 Deutsch/Englisch, 2 Stunden, Eintritt 7 €. Termine auf Anfrage unter der kostenlosen Telefonnummer +49 (0) 800 2834468, eigener Flyer zu den Erlebnisführungen. Spezielle Erlebnisführungen für Kinder.

NÄCHSTER FLUGHAFEN: Stuttgart STR – 80 km

 

FRANKREICH Header

BUGATTI Logo

BUGATTI Molsheim Aerial

BUGATTI Molsheim Streetview

Bugatti verhält sich zu Ferrari, Porsche und Aston Martin schlicht wie Champagner zu Coca Cola. Die französischen Supercars sind im Gegensatz zu den neureichen Macho-Schlitten aus Italien, Deutschland und England die wahren Aristrokraten unter den Automobilen. Das gilt seit den 30er Jahren und soll nach Maßgabe des neuen Eigentümers auch so bleiben. Die von VW im Jahr 1998 reanimierte Marke soll an das Erbe des legendären und kongenialen Konstrukteurs Ettore Bugatti anknüpfen mit dem Anspruch, die edelsten und besten Sportwagen der Welt zu bauen.

Der 430 km/h schnelle Bugatti Veyron mit 8 Liter W16-Motor ist die blaue Mauritius unter den Supercars – exotisch, rar und handverlesen. Kaum jemand hat einen der ca. 260 weltweit existierenden Veyron je zu Gesicht bekommen, geschweige denn eine übernatürliche Begegung auf der Landstrasse gehabt. Das geheimnisumrankte Image der Marke wird bewusst gepflegt. Am von VW erworbenen geschichtsträchtigen Firmensitz Château Saint Jean im elsässischen Molsheim nahe Straßbourg errichtete man das neue Bugatti-Atelier, eine hochmoderne Manufaktur für die Herstellung des schnellsten und leistungsstärksten Sportwagens der Welt.

Das heutige Werksgelände nimmt allerdings nur einen bescheidenen Teil der ehemaligen Fläche ein, auf der in den 30er Jahren bis zu 1.200 Arbeiter Bugattis montierten. Heute gibt es 1.200 PS, aber nur noch 60 Mitarbeiter. Die Jahresproduktion liegt bei etwa 80 Fahrzeugen, die von den neuen Besitzern in der Regel direkt in Molsheim abgeholt werden. Für Besucher bleiben die Werkstore allerdings versperrt. Bugatti bittet um Verständnis, handelt es sich doch um ein Produkt im Gegenwert für über einer Million Euro und einen sehr exklusiven High Profile Kundenkreis, der im wollüstigen PS-Paralleluniversum ganz gerne unter sich bleiben möchte.

STAMMWERK: Atelier Molsheim, Château St Jean, 67120 Dorlisheim, Frankreich‎

WERKSBESICHTIGUNGEN: keine

NÄCHSTER FLUGHAFEN: Strassbourg SXB – 23,5 km
KARTE-Skandinavien-Pfad-der-Erleuchtung

Im Land der Wikinger sind Supercars eher rar. Lange und kalte Winter, die hohen Spritpreise und das verhältnismässig kleines Autobahnnetz sind sicher ein Teil der Geschichte. Die Vorliebe der Skandinavier zu Schotterpisten und Querfeldein-Abenteuern bevorzugt eher andere Autotypen, dennoch es gibt sie, Supercars aus Schweden und Finnland. Bei Koenigsegg in Südschweden beginnt der Weg der Erleuchtung und führt über xxx kilometer ins unaussprechliche Uusikaupunki im Süden Finnlands.

Still und leise, weit oben im Norden und abseits der klassischen Pilgerrouten produzieren Koenigsegg und Fisker ihre hemmungslosen Supercoupés, die so gar nichts von der kühlen und pragmatischen Art der Nordländer wissen wollen. Ängelholm gilt zweifellos als das neue Mekka der High-Speed-Jünger, denn die Schweden haben mit dem Agera R einen Supersportwagen im Programm, der rein rechnerisch die 440 km/h-Marke knacken kann.

So toll diese Autos sind, so schwer ist es da reinzukommen. Wer es trotzdem versuchen will findet dort oben im Norden vielleicht ein gutes Karma.

 

Schweden Header

KOENIGSEGG Logo

KOENIGSEGG Ängelholm Aerial

Koenigsegg ist ein junges Unternehmen, erst seit 2000 werden die elitären südschweischen Supersportler im beschaulichen 22.000-Seelen-Nest Ängelholm nördlich von Malmö endmontiert. Eigentlich führt man bei Koenigsegg nur Kunden und ausgewählte Pressevertreter durch´s Werk. Seit kurzem dürfen das aber auch Normalsterbliche. Exklusiv und professionell organisiert von der Schwedischen Event-Agentur Stora Blå läßt die kommerzielle Koenigsegg Werkstour keine Wünsche offen. Inkludiert sind der Transfer  mit Landrovern vom Hotel oder Bahnhof ins Werk mit Begrüßung und kompetenter Führung durch die verschiedenen Fertigungsbereiche. Diesen Part übernimmt niemand Geringeres als Halldora, die Frau von Christian von Koenigsegg. Am Ende gibt es schwedische Häppchen und Champagner um das aufgrund von Koenigsegg-Reizüberflutung erhitzte Gemüt abzukühlen.

Organisiert werden die Touren für Gruppen von 7 bis maximum 18 Teilnehmern und kosten je nach Gruppengröße zwischen 220 und 280 €. Koenigsegg bevorzugt für die Touren den Freitag nachmittag, auf Anfrage sind prinzipiell aber auch alle anderen Tage und Uhrzeiten verhandelbar. Keine Touren gibt es zwischen 24.6. und 1.9., da ist das Werk geschlossen.

STAMMWERK: ÄngelholmBarkåkravägen 70 – 262 91 Ängelholm, Schweden

WERKSBESICHTIGUNGEN: Stora Blå Eventagentur, Anfragen via email: info@storabla.se

NÄCHSTER FLUGHAFEN: Halmstad HAD – 56 km / Malmö MMX – 109 km

 

Finnland Header

FISKER Logo

Obwohl Fisker Automotive Inc. ein amerikanisches Unternehmen mit Sitz in Irvine, Kalifornien ist, wird  der brandneue Fisker Karma wird bei Valmet in Finnland produziert. Strategisch geführt wird der Autobauer von dem aus Dänemark stammenden Autodesigner Henrik Fisker, der u.a. bei BMW an der Entwicklung des Z8 und bei Aston an DB9, Volante und Vantage beteiligt war.

Dieses Jahr ist nun endlich auch die Serienproduktion des Karma, einem der ersten rein elektrisch angetriebenen Supercars, angelaufen. Produziert wird er Karma allerdings nicht im sonnigen Kalifornien sondern bei Valmet in Uusikaupunki im Südwesten Finnlands.

Valmet Automotive wurde 1968 als Gemeinschaftsunternehmen zwischen der finnischen Valmet und der schwedischen Saab-Scania AB gegründet. In den 70ern wurden im Valmet-Werk im für uns unaussprechlichen Uusikaupunki vorrangig Saab-Modelle für den finnischen Markt montiert. In den 80ern kamen dann auch Modelle von Talbot und Saab hinzu und seit 1997 bzw. 2005 werden hier Boxster und Cayman von Porsche endmontiert.

Im Herbst 2010 lief die Vorserie des Fisker Karma an, das erste jemals in Finnland gebaute Supercar. Wurde ja auch höchste Zeit, dachten sich da Vatanen, Mikkola, Häkkinen & Co! Derzeit erlaubt Fisker leider keine Besichtigung der Karma-Endmontage bei Valmet, da man sich bei der gezielten PR-Arbeit wohl (noch) nicht in die Karten schauen lassen will. Das gilt im Übrigen auch für die Medien, für die erste Besichtigungstermine im September vorgesehen sind.

STAMMWERK: Valmet / UusikaupunkiAutotehtaankatu, 23500 Uusikaupunki, Finland

WERKSBESICHTIGUNG:  Derzeit sind keine Werksbesichtugungen möglich.

NÄCHSTER FLUGHAFEN: Turku TKU – 73 km / Helsinki HEL – 238 km
KARTE-JAPAN-Der-Weg-der-Götter

Natürlich mischen auch die Japaner schon seit Jahren erfolgreich mit in der Liga leistungsstarker Sportwagen, mit echten Fernost-Supercars tat sich das technikaffine Inselvolk bisher aber eher schwer. Schon seit einigen Jahren zeigen japanischen Autohersteller jedoch ein außergewöhnliches Engagement, um die Rote Sonne nachhaltig in den Asphalt zu brennen. Und wie schon bei japanischen Zweirädern á la Ninja & Co, die das ganze Spektrum zwischen Himmel und Hölle in sich vereinen, sind auch die hochdrehenden Manga-Coupés präzisionswaffenartige Fahrmaschinen der Spitzenklasse.

Japanische Benzin-Jünger streiten munter, ob der automobile Shinto-Schrein jetzt in Toyota City oder in Tochigi zu finden ist. Beide gehörenin jedem Fall auf die Weltkarte automobiler Pilgerstätten. Aber Achtung, die ambitionierten Chinesen wollen bestimmt auch auf diesem Gebiet eines Tages Rekorde purzeln lassen. In Anbetracht von chinesischen Hochgeschwindigkeitszügen und Verkehrsflugzeugen scheint es eigentlich nur eine Frage der Zeit bis zum ersten chinesischen Supercar.

Der Weg der Götter verbindet die beiden aktuellen japanischen Auto-Gottheiten Lexus LF/A und Nissan GTR. Die ostasiatsiche Pilgerroute führt von Toyota´s Lexus Werk Motomachi über rund 450 Kilometer an der japanischen Ostküste entlang und vorbei an Tokyo bis zum Nissan-Werk Tochigi südlich von Utsunomiya. Die durchgängige 100 km/h Geschwindigkeitsbeschränkung auf japanischen Expressways verlangt von europäischen Speed-Junkies die buddhistische Kultivierung ihrer (Un-)Tugenden. Ausfahren kann man die beiden japanischen Auto-Götter später noch auf deutschen Autobahnen.

 

J Header

LEXUS Logo

TOYOTA Motomachi Aerial

Mit dem Toyota Supra konnte man ja schon in den 90ern ganz ordentlich die Autobahn runter glühen, aber erst der Lexus LFA ist Toyotas erster waschechter Supersportler. Der langersehnte Fernost-Ferrari beeindruckt Fachwelt und Publikum mit 560 PS starkem V10, Karbon-verstärkter Polymer-Karosserie und einem Top Speed von 325 km/h. Mitte 2010 lief die Serienproduktion des 375.000 Dollar teuren Benzin-Godzillas im Toyota-Werk Motomachi nahe Toyota City östlich von Nagoya an. Die anvisierte Gesamtproduktion von 500 Einheiten dürfte sich trotz des sportlichen Preises wie die sprichwörtlichen warmen Semmeln verkaufen.

Insgesamt 15 Werke betreibt Toyota in Japan, Motomachi ist eines der größten. Bereits seit 1959 werden hier Autos gebaut. Bisher galt für die heiligen LFA-Produktionsanlagen ein strenges “Betreten Verboten”, erfreulicherweise hat Toyota aber soeben seine Tore für öffentliche Werksbesuche in Motomachi etwas weiter aufgestossen. Neben den ohnehin interessanten hochmodernen Fertigungsabläufen bei Toyota gibt es hier den weltgrößten Webstuhl für Kohlefaser-Autoteile zu bestaunen.

Die mit viel Handarbeit durchsetzte LFA-Endmontage steht in starkem Kontrast zu den gewaltigen Roboter-Armeen in den Nachbarhallen. Die handverlesenen LFA-Monteure wurden ein Jahr lang geschult, ehe sie die japanische Supercar-Ikone schließlich bauen durften. Nach seiner Vollendung wird jeder LFA ein paar Runden auf der winzigen, werkseigenen Teststrecke eingefahren – Eine 1,3 Kilometer lange Gerade mit einem Wendekreisel an jedem Ende. Es heißt, der LFA erreicht dabei auf der kurzen Piste mehr als 260 Sachen.

STAMMWERK: Motomachi Toyota City, Japan

WERKSBESICHTIGUNG:  Anmeldung über Telefon +81 565 29 3355 (spricht hier jemand Japanisch?) oder besser gleich online https://www.toyota.co.jp/service/planttour/reservation/?lng=en

MUSEUM: Toyota Kaikan Museum – Toyota City, Japan

ÖFFNUNGSZEITEN: Sa – Mi, 9:00 – 17:00, Telefon: +81 565 29 3345, 11-19 August geschlossen

NÄCHSTER FLUGHAFEN: Nagoya NKM - 49 km

 

NISSAN Logo

NISSAN Tochigi Aerial

Nissan baut seit 1959 Sportwagen, und seit 1969 tragen sportliche Datsun und Nissan-Modelle das Z im Namen.

Seit 2007 ist bei Nissan allerdings eine ganz neue Zeitrechnung angebrochen und die heißt GT-R. Nissan´s  allradgetriebener Asphalt-Samurai verzückte auf Anhieb das Publikum und knallte mit seinem 485 PS starken Doppelturbo-V6 eine schier unglaubliche 7:26,7 Minuten Rundenzeit auf die Nürburgring-Nordschleife. Das Design des Nippon-911ers polarisiert, aber den Japanern ist mit dem GT-R zweifellos ein ganz großer Wurf gelungen. Für mich ist der GT-R nichts weniger als die Autoüberraschung des ersten Jahrzehnts im 21. Jahrhundert. Ein Freund von mir hat in Dubai einmal drei GT-R nebeneinander an der Ampel stehen sehn – aber das ist eine andere Geschichte.

Nissan´s Need-for-Speed-Coupé wird im Werk Tochigi rund 80 Kilometer nördlich von Tokyo gleich neben dem Highway 4. Indidviduell von Hand gefertigte Pretiosen auf speziellen Montagelinien? Nicht bei Nissan. Dort wird der GT-R auf den selben Bändern mit den Infiniti G37 Coupés und Limousinen gefertigt und genauso wie jeder andere Nissan auch. Tochigi ist mit 2,9 Millionen Quradratmetern Werksgelände eines der kleinere Nissan-Werke, hier werden übrigens auch alle anderen Z-Modelle gefertigt. Auf dem Gelände befindet sich passenderweise auch eine rund 7 Kilometer lange Teststrecke rund um die Werkshallen. Die Infiniti-Werkstour dauert rund 2 Stunden und man kommt den Fahrzeugen dabei sehr nahe. Ob man dabei auch Einblick in die laufende GT-R-Prozession bekommt, dazu gibt es widersprüchliche Aussagen.

Einige Besucher behaupten Ja, Nissan International sagte uns Nein. Wie dem auch sein, geführt werden die Touren ohnehin auf japanisch. Wer die GT-R-Pilgerfahrt trotzdem versuchen möchte, auch auf die Gefahr hin, dass sich vielleicht keine Erscheinung zeigt, dem bietet sich als bequeme Alternative die Anreise mit dem Shinkansen von Tokyo bis Utsunomiya, genau das richtige um schon vorher so richtig auf Speed zu kommen.

NISSAN Werk Tochigi

WERK: Tochigi,  2500, Kamigamou, Kaminokawa-machi, Kawachi-gun, Tochigi 329-0692, Japan

WERKSBESICHTIGUNGEN: keine offiziellen Angaben, Allgemeine Anfragen Tel.  0081-285-56-120  , Anfahrtskizze

NÄCHSTER FLUGHAFEN: Ibaraki IBR - 84 km oder per Shinkansen Tokyo-Utsunomiya, dann nur noch 13 km mit dem Auto.
KARTE-USA-Die-Achse-des-Bösen

USA Header

Amerika hat der Geschichte des Autos einige der besten Supercars geschenkt, nicht nur, weil hier ohnehin alles eine Nummer größer und stärker ist als drüben im engen Europa. Das Land der Muscle Cars und großvolumiger Achtzylindermotoren, Speed-Contests und illegalen Cannonball-Rennen, konkurrenzlos günstiger Spritpreisen und schnurgerader Highways übt auf Autofans nach wie vor eine magische Anziehungskraft aus.

Wo wären Ferrari, Lamborghini und Porsche ohne den seit Jahrzehnten unstillbaren Hunger der Amis nach Supercars? Zu den Besten der Welt zu gehören, das galt vor allem für das Amerika der 60er, 70er und 80er Jahre. AC Cobra, GT40 und Dodge Viper sind Geschichte ebenso wie Space Shuttle und Elvis Presley. Reiseziele für die devote Pilgerschar gibt es dennoch zu Genüge. Das Graceland der US-amerikanischen Oktan-Religion liegt im Mittleren Westen, genauer in Bowling Green, Kentucky. Hier ist die Heimat der Corvette von Chevrolet und die Produktionsstätte des derzeit stärksten US-Supersportlers. Von den amerikanischen Auto-Herstellern gelingt es Chevrolet noch am besten, an den Status der bärenstarken US-Autolegenden anzuknüpfen und dabei den typisch amerikanischen Laid-Back-Faktor nicht außer Acht zu lassen.

Böse werden amerikanische Supersportler übrigens nur, wenn man das Gaspedal bis zum Anschlag durchdrückt, und auch das nur aus Sicht der gestrengen Cops, die mit Radarpistolen bewaffnet das Land vor einer Invasion der PS-Krieger schützen wollen.

In Las Vegas, der Stadt der Träume, nach der Fahrt über 3000 Kilometer auf der Interstate endet die durch acht US-Bundesstaaten führende Achse des Bösen. Shelby produziert dort bis heute die in Blech geschmiedeten Autophantasien von PS-Jüngern aus aller Welt, wenn auch weniger Böse als zu Zeiten der amerikanischen Giftnattern.

Dennoch, das Shelby-Gift wirkt noch immer, so dass in geeigneter Dosierung und Einnahmeform starke Rausch- oder erheblich veränderte Bewusstseinszustände auftreten können. Versuchen Sie es doch selbst einmal, am besten gleich nebenan auf dem Las Vegas Speedway.

 

SHELBY Logo

SHELBY Las Vegas Aerial

Der Texaner Caroll Shelby gehört zu den bedeutendsten Rennfahrern und Sportwagen-Konstrukteuren Amerikas. Auch wenn die Cobra noch immer im Programmheft der Sportwagenschmiede steht, die großen Shelby-Rennsporterfolge sind Geschichte. Genaugenommen könnte man Shelby heute als die Power-Division von Ford of America bezeichnen. Aktueller Bestseller ist der Ford Shelby GT 500 KR, ein technisch und optisch frisiertes Mustang V8 Coupé mit wahlweise 500 oder 540 PS. Der Ford Mustang wird in Flat Rock in Michigan gebaut und dann nach Las Vegas gebracht, wo er die finale Weihe der PS-Gurus von Shleby erhält. Die lassen sich nicht lumpen und machen aus dem Mustang einen durchtrainierten Ordensbruder, der es durchaus mit dem ein oder anderen Supercar aufnehmen kann.

Die Shelby-Unternehmenszentrale und das kleine Werk liegen natürlich nicht irgendwo in Amerika, sondern gleich neben dem Las Vegas Motor Speedway, neben Indianapolis wohl die bekannteste PS-Arena in den USA. Wer den Besuch bei Shelby zu einem unvergesslichen Erlebnis machen möchte, sollte sich zugleich auf dem Speedway zum Track Day anmelden.

Im Gegensatz zu den Track Days sind Werksbesuche bei Shelby kinderleicht zu organisieren. Von Montag bis Samstag gibt es jeweils um 10:30 eine Tour pro Tag, kostenlos und ohne Voranmeldung versteht sich. Einfach um 10:15 bei Shelby vor der Tür stehen, los geht´s. Das gibt es so bei keinem anderen Hersteller, noch dazu lädt Shelby seine Besucher in das werkseigene Museum mit angeschlossenem Fan-Shop. Das kleine Museum wartet mit einigen Raritäten und Prototypen auf.

Caroll Shelby International Inc.Las Vegas

STAMMWERK: Las Vegas6755 Speedway Blvd., Las Vegas, NV 89115, USA 

WERKSBESICHTIGUNGEN: täglich um 10:30, kostenlos, keine Voranmeldung erforderlich. 

NÄCHSTER FLUGHAFEN: Las Vegas LAS –  32 km

 

CHEVROLET Logo

 

CHEVROLET Bowling Green Aerial

Die ursprünglich in St. Louis angesiedelte Endmontage von Amerika´s Sportwagenikone, der Corvette von Chevrolet, übersiedelte 1981 an einen neuen Standort: Bowling Green, in Kentucky. Spätestens mit der aktuellen Top-of-the-Line Corvette, dem 650 PS-Dampfhammer ZR1, erhielt die Corvette den Respekt, der ihr gebührt und Zugang zur Hall of Fame der weltbesten Supercars. Ein Grund mehr, die etwas abseits der großen amerikanischen Wirtschaftszentren gelegene aber hochmodern ausgerüstete Autofabrik zu besichtigen.

Werksbesuche sind in den USA natürlich selbstverständlich und gemäß der in den Staaten gelebten Auffassung von Service und Kundenbetreuung entsprechend professionell organisisert. Viermal täglich werden zwischen 8:30 und 14:00 Gruppen über die mehr als eine Meile lange Tour durch das über 92.000 m2 umfassende Werksareal geführt und dürfen dort den gesamten Montageprozess aus nächster Nähe begutachten. 150 bis 170 Corvettes werden pro Tag zusammengeschraubt, mindestens eine ZR1 ist da sicher auch darunter.

Übrigens wird auf dem selben Band auch der Altherren-Roadster Cadillac XLR montiert, das amerikanische Pendant zum Mercedes SL. Anmeldungen sind mindestens neun Tage im Voraus erwünscht, aber bei noch vorhandenen freien Plätzen steht auch einem Spontanbesuch nichts im Wege. Darüberhinaus ist der ganze Spass für gerade mal sieben Dollar zu haben. Wer nach diesem tiefgründigen Corvette-Erlebnis noch nicht genug haben sollte, begibt sich im Anschluß ins gleich neben dem Werk liegende National Corvette Museum. Hier gibt es einfach alles für den Fan der legendären Big Block-Ikone – Corvettes aller Baujahre und Modelle zusammen mit jeder Menge Memorabilia. Natürlich gibt es hier uch einen Merchandising-Shop und regelmässige Events von Clubs und Enthusiasten aus aller Welt. Achtung, die Corvette-Sekte kann Sie schnell in ihren Bann ziehen, Vetten Dass!

STAMMWERK: Bowling Green600 Corvette Drive, Bowling Green, Kentucky KY 42101, USA

WERKSBESICHTIGUNG:  Anfragen per Telefon unter 001-270-745-8019 für Touren mindestens 9 Tage im Voraus – Übersichtliche Online-Buchungsmaske.

MUSEUM: Corvette Museum

NÄCHSTER FLUGHAFEN: Nashville BNA – 115 Kilometer

 



Related Articles

Slowenien erscheint auf der Supersport-Landkarte

Ein wenig Ferrari, etwas Lamborghini und einen Spritzer Aston Martin – der Shayton Equilibrium aus Slowenien orientiert sich optisch an der Konkurrenz. Mit 1.000 PS bei 1.200 kg will er sie aber alle in die Tasche stecken.

Breitensport

Der fast 20 Jahre alte BMW 318is gehört heute zu den günstigsten Möglichkeiten, den Einstieg in den Motorsport zu starten – oder einfach nur etwas Fahrspass für wenig Geld zu bekommen. Wir sagen, worauf es beim Kauf eines 318is ankommt und wo die häufigsten Fehlerquellen liegen.

Love Boat

Die ach so kühlen Japaner scheinen Gefallen gefunden zu haben an Drama und Leidenschaft und inszenieren die Weltpremiere des neuen Mazda 3 auf einem Partydampfer mitten auf dem Rhein. Für eine heiße Liebesgeschichte fehlte eigentlich nur noch Sascha Hehn alias Chefstewart Victor Burger.