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Dokumentarfilm über den Buick Grand National: Rebel Yell
Zweimal Schall und Rauch der Extraklasse aus den 80ern, woran wir uns nur zu gerne erinnern.

Erinnert sich eigentlich noch jemand an den schrillen Punkrocker Billy Idol – der mit der platinblonden Igelfrisur, hoch gezogener Lippe und geballter Faust? Der kreischende Wildfang aus England galt in der Musikbranche als einsamer Wolf und maskuliner Gegenpol zu den damals schwer angesagten androgynen Poppern mit Eunuchenstimme und Haaren bis zum Arsch. Idol inszenierte sich als unangepasster Teufelskerl und die schwarze Lederhose war sein Markenlogo.

Zu gerne erinnere ich mich an die legendäre Geschichte, wonach Idol einst nach einem Konzert in den Baumarkt schlurfte, schwarze Farbe kaufte und sein Hotelzimmer damit komplett schwarz ausgemalt haben soll.

Wie es der Zufall will erlebte just zu jener Zeit in den weichgespülten 80er Jahren und exakt zur selben Zeit wie Idol eine andere nonkonforme Punk-Koryphäe ein Karriere-Hoch: Der Buick Grand National war eines der letzten und heißesten US-Performance-Cars im Spätherbst der glorreichen Ära amerikanischer Muscle-Cars, die aufgrund von Ölkrise und restriktiven Emissionsgesetzen eigentlich bereits ausgestorben waren. Nur noch ein paar wenige dieser hochgezüchteten Coupés aus der Pony-Power-Armada standen Anfang der 80er noch in den Schauräumen von GM, Chrylser und Ford.

In gewisser Hinsicht war der Grand National der letzte Mohikaner aus der Neuen Welt mit einer interessanten Mischung aus alten und neuen Tugenden. Das hinterradgetriebene A/G-Intermediate-Chassis wurde mit einem 3,8 Liter großen V6-Turbomotor mit Benzineinspritzung verheiratet. Turbo hatten damals nur die Europäer und dort auch nur Porsche oder Saab, in Amerika war das noch exotischer. Die Performance des zwischen 180 und 245 PS starken Grand National liess sowohl die heimischen als auch auswärtigen Konkurrenten in Scharen erblassen, selbst die weit größere Corvette tat sich schwer gegen das gewaltige Drehmoment des coolen Underdogs aus der amerikanischen Mittelklasse.

Auch die Europäer hatten dem Grand National damals kaum etwas entgegenzusetzen. Ein Mercedes 300 E mit 180 PS oder der BMW 535i mit 218 PS sahen neben dem Buick schlicht alt aus. Hier musste man schon im brandneuen BMW M5 oder gar in einem Ferrari 328 in die Pedale steigen, um dem Grand National und später dem noch stärkeren GNX leistungstechnisch die Stirn bieten zu können.

 “I remember taking it to work and wanting to change lanes and all you had to do was just stab the throttle and the thing would *choo-choo* and it would skid over. You didn’t have to move the steering wheel, it would just shift lanes. It was wonderful.” – Steve Pasteiner

Wie Buick Designer Steve Pasteiner schilderte, war der Grand National derart übermotorisiert, dass ein kurzer Druck auf´s Gaspedal genügte um von der rechten auf die linke Spur zu wechseln – wohlgemerkt ohne dafür das Lenkrad zu benützen.

Nicht nur wegen ihres gespaltenen Persönlichkeit passten die beiden Punkrebellen Billy Idol und Buick Grand National so gut zusammmen. Sowohl der britische Musiker als auch der Buick begeisterten die Fans abwechselnd mit dunklem Bass aus dem tiefen Keller und einem hochfrequenten, laut kreischendem Turbogeheul. Darüberhinaus war der zwischen 1982 und 1987 gebaute Super-Buick ebenso wie Idol auf schwarz abonniert und wurde ausschließlich in der Aussenfarbe Pechschwarz angeboten. Im letzten Produktionsjahr führte Buick den GNX ein. Mit dem bei McLaren/ASC hergestellten und 276 PS starken Sondermodell endete die Muscle-Car-Ära Ende des Jahres 1987 unwiderruflich auch bei Buick, danach war alles nur noch Frontantrieb.

2003 kehrte der Grand National ein letztes Mal in die Schlagzeilen zurück, als Sean Penns Wagen dieser Marke mit Schusswaffen darin in Richmond, Kalifornien gestohlen wurde. Nun kommt eine ausführliche Dokumentation und cineastische Würdigung von diesem wohl letzten klassischen Pony Car aus Amerika ins Kino.

Mit dem Dokumetarfilm Black Air: The Buick Grand National Documentary erhält der Grand National endlich den Platz in der Hall of Fame, den er verdient. Der Film bewegt sich irgendwo zwischen Geschichtsstunde über die Macher hinter dem Grand National und einer Hommage an GM´s Buick-Division jener Tage: Eine Eimer voll Emo-Tränen ist garantiert, die obligatorischen Burnout-Arien gibts obendrauf.

Black Air – “Misfit” Teaser from Andrew Filippone Jr. on Vimeo.

Neben dem appetitanregenden Trailer gibt es bei Facebook die Gelegenheit dem Grand National auf seiner Spur durch die Geschichte zu folgen.

Sowohl Idol als auch dem Grand National sind Ende der 80er von der großen Bühne abgetreten. Wir erinnern uns nur zu gerne an den vielen Schall und Rauch, den die beiden bei Ihren Auftritten jeweils produzierten – Idol mit Urschrei, E-Gitarre und Trockeneis, der Gand National mit Turbo, V6 und brennenden Gummipneus.

 

BUICK GRAND NATIONAL / GNX

Fotocredit: Travis Isaacs, Evan Klein
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