Weniger ist Mehr

Mazda´s designierter Roadster-Millionär MX-5: Weniger ist Mehr

Wer sich heutzutage ein neues Auto kaufen will, hatte wohl nie zuvor ein derart breiteres Spektrum an Möglichkeiten, seinen ganz persönlichen Autotraum zu realisieren. In den Schauräumen der Hersteller ist es eng geworden, Fahrzeuge in allen Größen und Formen steigen sich gegenseitig auf die Füße. In jeder Baureihe gibt es zahllose Motoren- und Karosseriederivate, dazu kommen Sondermodelle und limitierte Sonderserien. Einzelne Baureihen werden gar zu zwitterartigen Crossover-Konzepten verschmolzen und an die unendlichen Möglichkeiten zur Fahrzeugindividualisierung wollen wird da noch gar nicht denken.

Zwischen all diesem immer größer, stärker, schneller und individueller gibt es aber ein Fahrzeugkonzept, das im besten Sinne als eine Art automobiler Gegenentwurf zum herrschenden Trend zu verstehen ist und das ist der Roadster.

Wenn man Autogattungen mit Kulturepochen vergleichen müsste, dann passt der Roadster ziemlich perfekt zur klassischen Moderne. Beiden eins ist die nahezu vollkommene Reduktion auf das Wesentliche, neudeutsch auch Minimalismus genannt. Die Ästehtik der Einfachheit, welche das Design, die Architektur und das Bauen in den 20er und 30er Jahren revolutionierte, lässt sich natürlich auch in der Autogeschichte nachvollziehen.

Als Roadster werden seit den 30ern offene, zweisitzige Sportwagen bezeichnet, die über kein festes Dach oder klappbares Verdeck verfügten, jedoch zur Not mit einfachen Hilfsmitteln geschlossen werden können. Roadster dienen dem puren Fahrspaß. Komfort tritt zu Gunsten eines niedrigen Gewichts in den Hintergrund, was zwangsläufig mit dem Verzicht auf alles Überflüssige einhergeht.

Klein, leicht, agil und schnell sind die wesentlichen Parameter des „lightweight sportscars“. Diese dynamischen Zweisitzer mit munter hochdrehenden und durchzugsstarken Vierzylindermotoren, Fetzendach und Schaltgetriebe, nur rund eine Tonne schwer, wurden in den 50ern zum Kult. Speedster, Spider oder Roadster, zu dieser Zeit hatten fast alle Autohersteller mindestens einen davon im Programm.

In den 60ern und 70ern machten sich ganz besonders die Briten um den Roadster verdient, aber auch die Italiener verstanden sich meisterhaft darauf, kleine, leichte und agile Sportwagen zu bauen.

„Perfektion ist nicht dann erreicht, wenn man nichts mehr hinzufügen, sondern wenn man nichts mehr weglassen kann“. Antoine de Saint-Exupéry, französischer Schriftsteller und Flugpionier (1900-1944)

Triumph Spitfire, Alfa und Fiat Spider, MG A, B und C, Lotus Elan oder die Austin-Healeys – Die Amerikaner liebten die minimalistischen Sportwagen aus Europa, die besonders im regenarmen Kalifornien zahlreiche Liebhaber fanden. Zugleich waren es aber auch die Amerikaner, die der automobilen Einfachheit durch immer schärfere Sicherheitsbestimmungen letztlich wieder die Aufenthaltsgenehmigung entzogen. Ende der 80er war der Markt für klassische Roadster daher nahezu ausgetrocknet.

37_kleine-Roadster UPDATE

So waren die meisten Zweisitzer im Jahr 1989 bereits aus dem Schauraum hinüber ins Museum geschoben worden, als die japanische Mazda Motor Corporation sich anschickte, mit einem völlig neu konstruierten klassischen Roadster die Gesetze des Marktes auszuhebeln.

Bei der Erscheinung des leichtgewichtigen Mazda-Roadsters – MX-5 oder auch Miata genannt – hatten Brancheninsider noch rumgemäkelt, man hätte zu plump den legendären Lotus Elan kopiert. Wer aber hätte damals gedacht, dass Mazda mit dem MX-5 tatsächlich so etwas wie der große Coup gelingen sollte. Anfang dieses Jahres durchbrach die inzwischen 22 Jahre alte Mazda-Ikone die Schallmauer von 900.000 gebauten Exemplaren, die Millionen ist in Sicht.

Praktisch im Alleingang schaffte der MX-5 die noch in den 90ern von vielen für unmöglich gehaltene Roadster-Renaissance, während die Konkurrenz jahrelang durch die Finger schaute. Wenig verwunderlich hält der Miata bereits seit vielen Jahren den Titel für den meistgebauten Roadster aller Zeiten.

Mazda MX-5 Roadster Baujahr 2011

Die Zukunft hat in Bezug auf den Roadster heute wieder die rosarote Brille auf, der Trend zum Downsizing machte es möglich. In den letzten zwanzig Jahren waren dem MX-5 ja nahezu alle Konkurrenten weggestorben oder haben schlicht zu viele Pfunde zugelegt wie Alfa Spider oder Audi TT.

Aus heutiger Sicht jedoch absolut unverständlich, warum nahezu alle Hersteller das simple Erfolgsrezept des „lightweight sportscar“ so lange schlicht ignorierten, zumal bei den meisten nur ein Spaziergang durchs werkseigene Museum genügt hätte. Das Roadster-Rezept ist ebenso einfach wie überzeugend: Leichtbau + kleine Motoren – Komfort = Fahrspass pur + günstiger Verbrauch.

Es sind immer die einfachsten Ideen, die außergewöhnliche Erfolge haben. Leo N. Tolstoi, russischer Schriftsteller und Anarchist. (1828-1910)

Ich gebe zu: Als verblendeter Jünger der Alfa-Spider-Religion habe ich die letzten 20 Jahre den MX-5 schlicht ignoriert. Allerdings ist mir der Alfa Spider in den letzten beiden Generationen fremd geworden. Längst verkörpert der Spider nicht mehr das genial-einfache Duetto-Konzept der frühen 70er. Nachdenklich stimmte mich auch, dass meine Roadster-verrückte Cousine als Alternative zu ihrem heiß geliebten aber arg unzuverlässigen Triumph Stag einen MX-5 als verlässliches Allwetterauto in ihrer Garage stehen hat.

Erlaufsee

Gallerie Mazda MX-5 1.8i MZR Mirai


Der Zeitpunkt war einfach überfällig, Mazdas zweitürigen Dauerbrenner endlich einmal selbst ausführlich unter die Lupe zu nehmen. Mazda Österreich stellte uns einen 1.8i Mirai mit 5-Gang-Schaltgetriebe zur Verfügung. Der manuell geschaltete Vierventiler passt ideal zum MX-5, mit den rund 1,1 Tonnen Leergewicht des Roadsters sollte bereits das Basisaggregat mit 126 PS muntere Agilität und gutes Handling garantieren.

Mit Autos ist es ja ein wenig so wie mit Hunden, nur bei artgerechter Haltung werden Herr und Hund wirklich warm miteinander. Die meisten Hunde werden in der Stadt gehalten, richtig glücklich werden sie aber nur bei viel Auslauf und frischer Luft. Gleiches gilt für den Roadster und das Setting, in dem er bewegt werden will. Wer in Wien, München oder Zürich lebt, rühmt sich ja gerne ob des kurzen Weges zu Riviera oder Adria. Spektakuläre Alpenpässe warten ohnehin im Dutzend just vor der eigenen Haustüre. Am Wochenende reihen sich auf diesen zwei- und vierspurigen Asphalt-Arterien in Richtung Süden auch Bikergangs, Klettermaxe, Altherrenfahrern und Wandervögel mit ein. Wer einen Roadster artgerecht bewegen will, sollte sich also besser anderswo freien Auslauf suchen und die touristischen Trampelpfade meiden.

Für pures Open-Air-Vergnügen sind die österreichischen Voralpen zwischen Wien und Salzburg das ultimative Terrain. Eine dünn besiedelte, noch vielfach sich selbst überlassene Naturlandschaft mit abgelegenen, verwinkelten Bauerndörfern, zahlreichen wilden Wasserläufen und idyllischen Bergseen, verwunschene Wäldern und jeder Menge verkehrsarmer Gebirgsstrassen – hier kann man dem Manga-Roadster einmal ungehemmt die Sporen geben und nebenbei die herrliche Natur in vollen Zügen geniessen.

Von Wien aus führt der Weg zunächst über die A1 bis St. Pölten, es ist ein herrlicher Tag im Altweibersommer. Die Sonne strahlt vom blauen Himmel und wärmt das hügelige Land noch ein letztes Mal, ehe sich der Herbst von seiner nasskalten Seite zeigen und dem nahen Winter die Tür aufhalten wird.

Auf der Autobahn muss man den zwar 126 PS starken aber nur 1,8 Liter großen Vierzylinder aber schon deutlich über 4000 Touren drehen, um dem Vierventiler souveränen Schub zum Überholen zu entlocken. Gibt man richtig Feuer auf die Kurbelwelle, zerrt der MX-5 durchaus heftig an der Leine.

Gleich nach der Abfahrt von der Autobahn Sonnencreme mit Faktor 30 ins Gesicht und runter mit dem Dach. Der flotte Strip geht erstaunlich leicht mit nur einer Hand: Entriegeln des zentralen Verdeck-Spriegels oben am Windschutzscheibenrahmen und dann einfach nach hinten werfen. In zwei Sekunden verschwindet das Fetzendach hinter den Sitzen und rastet mit einem kräftigen Klicken in der Verdeckmulde ein. Das Öffen und Schliessen funktioniert wunderbar beim Ampelstop, man muß dazu noch nicht einmal aussteigen. Volle Punktzahl denn so muß es sein, offen fahren will man den MX-5 schließlich bei jeder noch so kleinen Gelegenheit.

Lilienfeld

Gallerie Mariazeller Land


Die gut ausgebaute Bundesstrasse 20 führt geradewegs hinein in die Berge, hinter Lilienfeld beginnt endlich die große Freiheit. Das beschauliche Mariazell, bekanntester Wallfahrstort Österreichs, liegt bereits auf rund 900m Seehöhe. Hier an der Grenze zwischen Niederösterreich und der Steiermark erheben sich die ersten Alpengipfel bereits auf über 2.000 Meter, zahlreiche verwinkelte Nebenstrassen winden sich in endlosen Serpentinen durch enge Täler und dichtbestandene Bergwälder.

Ein lohnenswerter Abstecher ist der Erlaufsee, unter der Woche ist man am Ufer dieses glasklaren Alpensees fast ganz allein. Die Strasse führt stellenweise direkt am Wasser entlang, das irgendwie ins Stahlblau changierende Delphin-Grau meines MX-5 harmoniert exzellent mit der azurblauen Wasserfläche. Ein Effekt, der mich am Roadster-Fahren so begeistert sind die ungefilterten Rückmeldungen von Mutter Natur, eine oszilliernde Komposition von Gerüchen, Geräuschen und Temperaturen. Rauschende Wasserfälle, über den feuchten Wiesen aufsteigende Nebelschwaden oder harzig duftende Nadelwälder – ein exklusives Roadster-Vergnügen.

Mittlerweile habe ich mich an den unten herum etwas mauen Vierventiler des MX-5 gewöhnt, der auch auf der Landstrasse nach höheren Drehzahlen giert. Der MX-5 macht Spass in engen Kehren und liegt mit seinem sportlich abgestimmten Fahrwerk sicher wie ein Brett auf der Strasse. Wer auf schaltfaules Fahren steht, und etwa die Kraft der 2-Liter-Doppelnockenwelle eines Alfa Spider Veloce verehrt, der sollte gleich zum größeren 2-Liter Aggregat mit 150 PS greifen.

Die Hänge werden immer steiler, kaum Verkehr auf der rund 60 Kilometer langen Talstrecke auf der Landstrasse 24 von Gußwerk über Wildalpen bis Hieflau. Im Süden wird das enge Tal vom steil aufragenden Hochschwab-Massiv begrenzt, von der Strasse aus erhascht man immer wieder einen Blick auf die wild tobende Salza.

Nationalpark Gesäuse

 

Gallerie Nationalpark Gesäuse


Im MX-5 kannst du einfach losfahren ohne viel nachzudenken. Im Cockpit ist alles da wo es hingehört, die Bude wirkt aufgeräumt und schlicht. Der kurze Schaltknauf findet sich intuitiv ohne hinzuschauen, selbstverständlich gibt´s ein griffiges Lederlenkrad und schöne klassische Rundinstrumente.

Mazda hat seinen Evergreen über die letzten 20 Jahre dezent aber kontinuierlich dem Fortschritt im Autobau angepasst, rein optisch ist sich der MX-5 aber treu geblieben. Bemerkenswert, dass der MX-5 entgegen dem allgemeinen Trend in über zwanzig Jahren nur unwesentlich in Abmessungen, Gewicht und Motorleistung zugelegt hat – wozu auch, wenn das Konzept grundsätzlich überzeugen kann.

“Too many people spend money they haven’t earned, to buy things they don’t want, to impress people they don’t like.” - Will Rogers, Amerikanischer Komiker, Entertainer und Schauspieler (1879-1935)

Bei genauerem Hinschauen besitzt aber auch der MX-5 einige Gadgets und Apps, die man nicht wirklich braucht. Drin lassen würde ich die in vier Stufen beheizbaren Ledersitze, die auch bei frischer Brise das Fahren ohne Dach um vieles angenehmer machen. Sehr praktisch auch das versperrbare Fach zwischen den Sitzen. Wertgegenstände sind dort sicher aufgehoben, wenn das Verdeck beim Boxenstop unten bleibt.

Verzichten kann ich auf den Tempomat, die verspielte Audio-Tastenarmada am Lenkrad, die auf Optik getrimmte Alu-Pedalerie und das Windschott hinter den Sitzen. Letzteres ist aus meiner Sicht generell ein Affront für echte Puristen, denn offen fahren heißt Natur und Witterung freien Eintritt zu lassen – da muss sich prinzipiell auch die Frisur unterordnen.

Interior

Gallerie MX-5 Interior


Das potente MX-5-Soundsystem entwickelt bei Bedarf aus sechs Lautsprechern mächtig Dampf von Baß bis Sopran, klingt wirklich fein aber nur bei geschlossenen Dach oder dem warm-up im Stadtverkehr. Draussen auf der Landstrasse dominiert die in Puristen-Ohren wohlklingende Klangtapete aus vier Zylindern, 16 Ventilen und dem über einen hinwegbrausenden Frischluft-Orkan .

Einen wunderbaren Platz zur spontanen Rast bietet der im hintersten Winkel der Ybbstaler Alpen versteckte Lunzer See. Noch immer als echter Geheimtip mit toller Speisekarte läuft das direkt am Seeufer gelegene Gasthaus Grubmayr, schlicht die Seeterrasse genannt. Wer mag fährt, bei schönem Wetter noch die kontrastreiche Seeumrundung im Tret- oder Elektroboot und im Sommer lädt der See zudem zum erfrischenden Baden ein.

Hinter Hieflau wird die Landschaft hochalpin. Die Landstrasse 146 führt geradewegs mitten durch den Nationalpark Gesäuse in den Ennstaler Alpen, ein wildes Reich aus schroffem Fels, tosendem Wasser und dichtem Wald. Neben der Strasse wurde hier Mitte des 19. Jahrhunderts die Trasse der kaiserlichen Kronprinz-Rudolf-Bahn ins enge Ennstal gesprengt, die die wilde Enns teils mit tollkühnen Brückenbauwerken überwindet.

Die kleinen und engen Bergstrassen in den Ennstaler Alpen sind wie gemacht für den japanischen Leichtathleten, das Handling des straff abgestimmten Manga-Roadsters ist brillant. Wie es sich für einen echten Roadster gehört, überträgt der Vierzylinder seine Kraft auf die Hinterräder. Die direkte Lenkung, das straff ausgelegte Sportfahrwerk, der tiefe Schwerpunkt und die extrem kurzen Schaltwege – eine besondere Spezialität des MX-5 – machen den Mazda zum fest im Sattel sitzenden Asphalt- Cowboy mit Stehvermögen auch im anspruchsvollsten Kurven-Rodeo. So muß sich ein klassischer Roadster fahren: direkt einlenkend, agil, knackig und präzise.

Simplicity is the ultimate sophistication.” - Leonardo da Vinci, italienischer Maler, Architekt und Naturphilosoph (1452-1519)

Im nahen Salzkammergut beamt mich der Miata für einige Kilometer ins Paradies. Die kaum befahrene Hallstättersee Landesstrasse zwischen Bad Aussee und den im Dachsteinmassiv eingebetteten Hallstätter See bietet das Setting für stilvollendete Roadster-Transzendenz. Die schmale aber gut asphaltierte L547 windet sich schier endlos durch den Wald und am Steilhang entlang, gerade Passagen gibt so gut wie gar keine. Eine geteerte Achterbahn, ein mäandrierendes Straßenband in drei Dimensionen. Der MX-5 wedelt souverän durch den 3D-Slalomparcour, unverfälschter Fahrspass in High-Definition-Dolby-Surround-Qualität.

Mit dem MX-5 kommt man dem fahrphysikalischen Grenzbereich ähnlich nahe wie bei der Fahrt auf dem Motorrad, bei beiden vermitteln Straße und Fahrzeug dem Fahrer ein direktes und ungefiltertes Feedback. Im Gegensatz zum Bike ist beim MX-5 allerdings ein dickes Sicherheitspolster eingebaut mit Knautschzonen, Front- und Seitenairbags, ABS, DSC und armierten Kopfstützen, die im Falle eines Überschlags als Überollbügel fungieren.

Der Hallstätter See ist ein Stück Österreich wie aus dem Bilderbuch. Das Dachsteinmassiv fällt hier von Süden aus über 2.000 m Höhe steil in den 8,5 Quadratkilometer großen See herab. Das beschauliche 800-Seelen Nest Hallstatt wirkt wie zwischen Steilhang und dem schmalen Uferstreifen eingeklemmt. Noch bis Ende des 19. Jahrhunderst konnte man die zur Salzgewinnung gegründete Ansiedlung nur mit dem Schiff oder auf schmalen Sumpffaden erreichen. Heute führt die Bundesstrasse durch einen Tunnel am Ort vorbei, einen kleinen Spaziergang durch die engen Gassen des romantischen Holzhaussiedlung und UNESCO-Weltkulturerbe sollte man dennoch nicht versäumen.

Hallstätter See

Gallerie Hallstätter See


Eine kurze Rast am Seeufer bietet die Gelegenheit, den MX-5 etwas näher zu betrachten. Der Miata wird mittlerweile in der dritten Generation gebaut und ich finde, er ist im besten Sinne erwachsen geworden. Die aktuelle, 2005 eingeführte Form gefällt mir in Ihren Proportionen am besten. Die leicht ausgestellten Radhäuser betonen die flach geduckte Roadster-Silhouette noch besser als zuvor und vermitteln einen solideren Charakter. Das Auto kommt schlicht daher, ohne Spoiler, Sicken und verchromtes Allerlei. Die halbrunde Hutze mittig auf der Haube, die von vorne unschuldigen dreinblickenden Mandelaugen und die leicht schielenden Heckleuchten schaffen seit der ersten Generation den archetypischen MX-5-Wiedererkennungsfaktor. Gerade aber über seine grundehrliche und schnörkellose Gestalt ist Mazda´s Manga-Roadster mittlerweile zum erfolgreichen Topseller geworden und zu einer absolut zeitlosen Auto-Ikone mit Charakter gereift.

“Life is really simple, but we insist on making it complicated.” – Confucius, chinesischer Philosoph (551-479v.Chr.)

Wer sich für den MX-5 entscheidet, entsagt bewußt dem multioptionalen Autowahnsinn dieser Tage.

Die Vorzüge eines Roadsters lassen sich kaum mit Worten beschreiben. Man muß sich das besondere Fahrgefühl selbst erfahren. Der MX-5 ist keines dieser beiläufigen Autos zum Zweck einer möglichst schnellen, komfortablen und wohl temperierten Fortbewegung von A nach B. Der Miata schreit nach Freiheit und die muß man ihm geben. Es fällt mir schon ein wenig schwer zuzugeben, dass ich während dem Rendevouz mit dem Mazda nur selten an meine verblichene Italienerin dachte.

Es ist spät geworden. An der Autobahn-Tankstelle in Linz steht der MX-5 nach erfolgreich absolviertem Alpen-Glühen knisternd im Sonnenuntergang. Just beim Wiederanlassen des Vierzylinders fällt mir ein, was ich einzig wirklich vermisse: liebe Mazdanier, könnt ihr dem MX-5 beim nächsten Update bitte dieses heisere Röcheln meines alten Alfa Spider Veloce antrainieren ? Von diesem extrem süchtig machenden Spider-Sound komme ich einfach nicht mehr los, aber wenn der MX-5 das auch noch hätte…

MX-5 in Traun / Hallstätter See

Riesenslalom und Super-G
Wer von Wien nach Salzburg will, nimmt üblicherweise den schnellsten Weg und das ist die Westautobahn. Für Roadster-Piloten haben wir die passende Alternative: Wir haben für Sie einen rund 500 Kilometer langen Slalom-Parcours durch die Österreichischen Voralpen abgesteckt, auf dem Sie Ihren Roadster mal wieder richtig von der Leine lassen dürfen. Wer danach immer noch nicht genug hat, fährt das Ganze wieder zurück im Super-G. Hier finden Sie die Route bei Google-Maps.

KARTE-ÖSTERREICH

EPILOG

Als inoffizieller Vater des MX-5 gilt ein gewisser Robert Hall, einst amerikanischer Motorjournalist bei „Automotive News“ und „Autoweek“. Hall machte im März 1979 den damaligen Entwicklungschef von Mazda, Kenichi Yamamoto, bei einem Interviewtermin auf die Lücke im Programm des Japanischen Autoherstellers aufmerksam: “Ihnen fehlt ein leichter Sportwagen. Ein kleiner, preiswerter Roadster, in der Art der frühen MG. Nur zuverlässig genug um auch im Regen anzuspringen. Er muss nicht stark sein, aber er soll Spaß machen.“ So Hall damals zu Yamamoto. Ein paar Monate später traf Bob Hall beim Concours d´Elegance im kalifornischen Monterey auf Shunji Tanaka, einen Mazda-Designer. Auf seine Frage an Tanaka, was denn Mazda als Nächstes bauen wolle, hörte er erstaunt seine eigenen Worte aus Hiroshima: “einen leichten Sportwagen”.

Bei genauerem Hinschauen offeriert Mazda mit dem MX-5 aktuell ein mehr als konkurrenzlos günstiges Preis-Leistungsverhältnis. Schon beim Rundgang im Mazda-Schauraum sollte man eigentlich stutzig werden: Unser Testwagen – der 1,8 Liter MZR in der MX-5 Basisversion – kostet exakt genauso viel wie die mit demselben Aggregat ausgestattete Mazda 6 Limousine. Es gibt mehr als genug Gründe, warum Sie sich in diesem Fall für das kleinere Auto entscheiden sollte. Zwei Türen, drei Sitze und fast 400 L Kofferraumvolumen weniger, dennoch ist hier weniger mehr.

Open-Air-Leichtathleten

Für rund 22.000 € gibt´s bei VW übrigens gerade mal einen Brot-und-Butter Golf 1,6 TDI Trendline mit 105 PS, vier Türen und Klimaautomatik. Die Preise für ein zum Basis-MX-5 vergleichbar ausgestattetes Golf Cabrio 1.4 TSI starten bei rund 25.000 €. Wer allerdings einen echten Leichtbau-Roadster haben will, den MX-5 aber verschmäht, muß tief in die Tasche greifen. Der Einstiegspreis für den derzeit wohl einzigen ernsthaften Konkurrenten, den Lotus Elise mit 1,6 Liter Vierzylinder und 136 PS, beträgt schlappe 37.450 €. Nun ja, Audi TT, BMW Z4 und Mercedes SLK sind ja auch noch da, die treten mittlerweile aber alle im Mittelschwergewicht an und sind längst keine Option mehr für echte Roadster-Puristen.

Fast alle großen Autohersteller arbeiten in den letzten Jahren mit Hochdruck an neuen Roadster-Konzepten, aber selbst wenn dem ein oder anderen demnächst der ganz große Wurf gelingen sollte, den jahrelangen Verkaufserfolg der automobilen Hit-Single MX-5 wird wohl keiner jemals toppen können.

Vergleich Mazda MX-5 vs. Mazda 6 Limousine

11 Gründe

…warum Sie um´s selbe Geld den kleineren MX-5 gegenüber einer gleich motorisierten Mazda 6 Limousine bevorzugen sollten, und das obwohl Sie 2 Türen, 3 Sitze und 370 L weniger Kofferraumvolumen haben:

01 Leidenschaftlicher

50 cm weniger Radstand und strafferes Fahrwerk sorgen für Gokart-artige Straßenlage im Kurvenparcours. 1.150 kg beim MX-5 gegenüber 1.370 kg beim Mazda 6: Der Roadster hat 220 kg weniger Leergewicht und einen deutlich besseren power-to-weight Ratio. Anders gesagt: gleiche Leistung bei rund 20% weniger Gewicht bringt sportlichere Fahrleistungen, mehr Spass auf der Landstrasse und an der Tankstelle.

 

220 kg

02 Stilvoller

Ein kleines Auto zeugt davon, über den Dingen zu stehen. Trotz seiner inzwischen weiten Verbreitung vermittelt der MX-5 Individualismus, Charakter und Charisma. Ganz klar der lässigere Auftritt beim Anliefern der Kids in Kindergarten, Schule und Sportverein. Die Besatzung profitiert von ganzjährig braunem Teint ganz ohne Sonnenstudio. Für die ganz Sportlichen gibt´s Extrapunkte in der Kür beim Ein- und Aussteigen ohne dabei die Türen zu öffnen.

03 Dynamischer

Kürzer, schmäler, tiefer, leichter und ein kleinerer Wendekreis: kommt überall rein, vorbei und durch. 73 cm weniger Fahrzeuglänge bedeuten eine höhere Trefferquote bei der Parkplatzsuche, bessere Übersicht und ein besseres Handling im Kurvenparcours. Deutlich weniger Stress nach der Shopping-Tour in engen Tiefgaragen. Auf der Autofähre kostet der MX-5 nur den Kleinwagentarif.

04 Vielseitiger

Einfacherer Transport auch sperriger Objekte wie Surfboards, Dachlatten, großer Hunde oder Kübelpflanzen. Dank vierstufiger Sitzheizung und Turbo-Klima-Gebläse auch ein idealer Begleiter beim Wintersport. Für den adäquaten Transport gibt´s den extra coolen Ski-/Snowboardträger aus dem Zubehörkatalog. Für Menschen die schnell frieren hat Mazda das Roadster Coupé mit fix eingebautem Klappdach im Katalog.

05 Romantischer

Endlich mal wieder nur zu Zweit auf die Piste, mehr als plausibel dass die Schwiergermutter da leider zu Hause bleiben muß. Alles was man braucht, um eben mal schnell über´s Wochenende an´s Meer zu fahren. Perfektes Setting um den Sonnenuntergang XXL zu geniessen.

06 Erholsamer

Roadster-Urlaub beginnt bereits nach dem Zusperren der Haustüre, spätestens aber im Stau auf der Autobahn (vorausgesetzt Badeshorts, Sonnebrille, Sonnencreme und die neuesten Discohits liegen im Handschuhfach bereit). Auch unter´m Jahr vermehrt viertelstündige Kurzurlaube dank kinderleichtem Dachöffnungsmechanismus.

07 Sozialer

Die anderen Verkehrsteilnehmer links und rechts lassen sich ungefragt mit dem voluminösen Audio-System zwangsbeglücken. Ohne Dach kommt man schneller ins Gespräch vor der Ampel oder an der Tanke. Überhaupt stark erhöhter Flirt-Faktor: Im MX-5 bleibt man nicht lange allein.

08 Gesünder

Durch die simple Aktivierung des Sauerstoff-Megaboosters bei der allmorgendlichen Fahrt ins Büro sorgt der MX-5 für frische Ideen. Ganzjähriges Offenfahren härtet ab und beugt Erkältungskrankheiten vor durch den eingebauten Vitamin-D-Charger: mehr Frischluft und Sonnenlicht stärken erwiesenermaßen das Immunsystem und reduzieren das Krebsrisiko.

09 Sinnlicher

Direktes Sonnenlicht regt die Serotinausschüttung an, das sind die ominösen Glückshormone. Serotin intensiviert die Wahrnehmung von Natur und Umwelt. Man wird aufmerksamer und geniesst mit allen Sinnen. Ohne Dach gibt´s ungefiltert Feedback von Witterung, Umgebung und dem Fahrzeug selbst.

10 Nachhaltiger

Sparsamer Einsatz von Ressourcen: weniger Blech, weniger Raum, weniger Schnick-Schnack, weniger Spritverbrauch, weniger Arztkosten. Stoffdach und Ledertrim sind aus nachwachsenden Rohstoffen gefertigt.

11 Smarter

Trotz des fehlenden Blechdachs ein vollwertiges Auto für jede Lebenslage. Downsizing in Reinform: Alles da was man zum Fahren braucht, ohne Gaga und Weichspüler. Pures und direktes Fahrerlebnis. Souverän, zeitlos, genial einfach und schön. Die automobile Inkarnation von “Weniger ist mehr“ gibt´s bereits ab 23.000 Euro und ist dafür eigentlich fast geschenkt.

 

 



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