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Mazda RX-8: Requiem for a Dreamcar
Gelebter Traum, automobile Vision - überholt von einer geänderten Welt.

Mazda trägt sein Sport-Coupé RX-8 zu Grabe. Die Verkaufszahlen schwindend, die Produktion seit August 2011 eingestellt, zeigt der innovative Sportwagen ein letztes Mal was war und hätte sein können.

Der RX-8 war der letzte Spross einer Ahnenreihe, die sich bis ins Jahr 1961 zurückführen lässt: Im Juli eben dieses Jahres unterzeichnete Mazda einen Deal mit dem deutschen Auto- und Motorenhersteller NSU – und erwarb damit das Know-How rund um den Drehkolbenmotor von Felix Wankel. Knapp 6 Jahre Entwicklungszeit später stand im Mai 1967 mit dem Cosmo Sport 110S das erste Mazda-Modell mit Kreiskolbenmotor in den Schauräumen.

Bis in die späten 70er-Jahre folgten jährlich neue Modelle mit Wankelmotor – bis die Ölkrise samt Einbruch der Weltwirtschaft den japanischen Wankel-Träumen ein Ende setzte. Das an sich elegante Motordesign hatte nämlich einen entscheidenden Haken: Sie waren einfach zu durstig. Mazda gelang es zwar, den Verbrauch auf ein vertretbares Maß zu senken – der Wankelmotor war für den Konzern als Hauptzugpferd allerdings gestorben.

Cosmo Sport 110S Mazda R100 Mazda R130 Coupé RX-2 RX-3 RX-4 Roadpacer RX-5 Mazda 929L RX-7 Mazda 787B

Sprung nach 2003: Erstmals seit 1991 – ein Jahr in dem nicht nur die letzte Generation des RX-7 auf den Markt kam, sondern Mazda mit seinem Wankel-Rennwagen 787B als erster und einziger japanischer Hersteller das 24-Stunden-Rennen von Le Mans gewann – präsentierte Mazda ein neues Modell mit Kreiskolben. Der RX-8 war Teil von Mazdas neuem Gesicht: Sportlich, futuristisch, leicht, innovativ. Die Fachpresse liebte den RX-8, der Motor wurde 2003 und 2004 zum International Engine of the Year gekührt. Es schien fast, als könnte dem Wankelmotor ein neue Frühling bevorstehen.

Es kam anders.

Mazda verabschiedet sich 2011 vom Traum, ein in jeder Hinsicht konkurrenzfähiges Fahrzeug mit Wankelmotor zu bauen. Die kühne Vision scheint Geschichte. Eine Version, die in Österreich in den letzten 8 Jahren ein überschaubares Grüppchen von 613 RX-8-Käufern teilen wollten.

Ehrenrunde

Der RX-8 geht jedoch nicht als Dinosaurier; er scheidet nicht als lebendes Fossil – auf einer gut 1.000 Kilometer langen “Ehrenrunde” zeigt uns Mazdas letzter Wankel-Sportler, dass hier ein Champion in Rente geht.

Mazda RX-8 Technische Daten

Vertreten werden 8 Jahre RX-8 durch den erst kürzlich aufgefrischten “R3″. Jungfräulich ist der mit seinen 40.000 km nicht mehr. Bis auf ein paar kleine Falten im Leder-Recaro-Sitz der Fahrerseite sieht man ihm seine “Erfahrung” nicht an.

Das üblicherweise dezente Auftreten des RX-8 hat man durch farbmutige Kriegsbemalung aufgewertet. Zusammen mit den R3-typischen Frontschürzen, Seitenschwellern und Heckspoilern wird man damit im Straßenverkehr zumindest nicht übersehen.

Seidenweich empfängt der Motor des RX-8 beim Drehen des Zündschlüssels seinen Fahrer. Ein kurzes Räuspern des Auspuffs beim Starten – als wollte sich der RX-8 vergewissern, dass wir eh alle wach sind.

Kupplung Rückwärtsgang Rückspiegel Lenkrad Gas Bremse Kupplung 1. Gang Vorwärts Blinker Raus aus der Stadt

Auf der Landstraße spurtet der RX-8 schnell führerscheingefährdenden Tachonummern entgegen. Wie ein gut geöltes Uhrwerk summt der Motor bis auf 9.000 Touren – ohne Anstrengung. Der 1,3-Liter-Wankel will gedreht werden. Denn erst dort, wo andere Motoren längst im Drehzahlbegrenzer Wimmern, legt der RX-8 richtig los.

Die 231 Pferdchen des RX-8 mögen auf dem Papier fast schon bescheiden wirken im Vergleich zur neuesten Generation scharfer Kompaktwagen – Mazda hat mit dieser Leistung aber einen echten “Sweet Spot” getroffen. Über das Heck erreicht fast immer die ganze Leistung auch die Straße, ohne sich unberechenbar in Querbeschleunigung und weißen Rauch aufzulösen.

Letzteres ist weniger dem Motor, als dem brillanten Fahrwerk des RX-8 zu verdanken. Hier kann sich der japanische Sportwagen mit den besten messen – Porsche und Lotus eingeschlossen. Perfekte Gewichtsverteilung, ausgezeichnete Straßenlage und präzise Lenkung – motorjournalistische Cliché-Attribute, die auf den RX-8 wirklich zutreffen.

Ausbruchsversuche der Hinterachse hält das heckseitige Sperrdifferenzial im Zaum. In langgezogenen Kurven lässt der RX-8 schon mal seinen rundlichen Hintern über die Fahrbahnmarkierung hängen, allerdings ohne den Insaßen gleich Angstschweiß auf die Stirn zu treiben.

“Ist doch was für Anfänger…”

Der berechenbare Handlingcharakter, der einzigartige Motor und die hervorragende Balance lassen unter’m Strich nur ein Fazit zu: Es gibt kaum einen anderen Sportwagen, der es dem Fahrer noch einfacher macht, schnell zu fahren. Das soll nicht als Aufruf zur Raserrei verstanden werden, sondern als ernst gemeintes Plädoyer an all jene, bei denen motorsportliche Ambition und tatsächliche Fahrzeugbeherrschung (noch) Deckungsunterschiede aufweisen.


Limousine im Coupé-Kleid

Optisch klar in der Coupé-Kategorie angesiedelt, offenbart der RX-8 sein “Party Piece” erst bei gebuchten Rücksitzen: Um die hintere Sitzreihe zu erreichen, muss man beim RX-8 nicht durch einen kleinen V-Spalt hinter dem vorgeschobenen Vordersitz schlüpfen – der RX-8 hat vier Türen im “Suicide Door”-Stil. Verblüffend, dass das kein anderer Hersteller übernommen hat, macht es den RX-8 doch um vieles komfortabler.

Die Rückbank bietet zwar nur Platz für zwei, lässt sich aber ohne Origami-Körperhaltung von Erwachsenen besetzen. Ein Kindersitz samt Kind hat auch locker Platz.

Unersättlich

Nach nicht einmal 400 gefahrenen Kilometern lenkt die Tankanzeige Aufmerksamkeit auf sich. War die nicht eben noch auf “Full”? Ein Bordcomputer, der Aufschluss über Verbrauchswerte geben könnte, gehört nicht zur Ausstattung unseres RX-8-Exemplars.

360 Kilometer Tanknadel auf Empty Ausfahrt Tankstelle Super 95 Volltanken 52 Liter Tankdeckel 69,80 Euro 14,5 Liter / 100 km hmm…

Sportliche Fahrweise hin oder her – fast 15 Liter auf der Landstrasse sind doch recht happig. Mit sehr viel weniger will sich der RX-8 auch weiterhin nicht begnügen – sobald man ihm Stadtverkehr abverlangt, schnellt der Verbrauch in unangenehme Höhen.

Ausgerechnet das Herzstück des RX-8 ist es also, was Mazda dazu veranlasst, den Wankel-Sportwagen in Rente zu schicken. Seine Sucht nach Drehzahl und Kraftstoff werden ihm im Zeitalter von Hybrid und Eco zum Verhängnis. Auf langen Strecken wartet der RX-8 wie ein Junky auf den nächsten Schuss an der Zapfsäule.

Dass Sportwagen in der Praxis nicht die sparsamsten Fahrzeuge sind, ist unbestritten. Den Grund findet man meistens nicht unter der Motorhaube sondern zwischen Pedalerie und Lenkrad: Wenn jeder Tritt ins Gaspedal der Gemütserhebung dient, wird Hypermiling zur Übung in Selbstbeherrschung. Das allein könnte man dem RX-8 kaum übel nehmen.

Was den hohen Verbrauch so schwer zu schlucken macht, ist das generelle Fahrzeugkonzept des Mazda-Sportwagens. Mit seiner erstaunlich alltags- und familientauglichen Tür- und Sitzkonfiguration empfiehlt sich der RX-8 als Alternative zur klassischen Limousine. Doch ausgerechnet im Alltagsverkehr disqualifiziert er sich.

Der RX-8 ist somit Opfer seiner eigenen Nische – Mazda hat das Mischwesen aus Sportcoupé und Limousine in einem Ökosystem angesiedelt, das im Klimawandel der Weltwirtschaft schlichtweg verschwunden ist. Geniale Antwort auf eine Frage, die niemand mehr stellt.

Moderne Klassik

Was den RX-8 für die breite Masse uninteressant macht, lässt ihn für Sammler hoch spannend werden. Schon jetzt finden sich kaum mehr neuwertige RX-8 bei den Mazda-Händlern – auch Vorführwagen mit geringer Laufleistung sind selten. Einen BJ 2010 RX-8 mit wenigen tausend Kilometer auf der Uhr bekommt man derzeit für 39.900 Euro. Damit bewegt sich der RX-8 in etwa auf dem gleichen Niveau, wie ein BMW 125i Coupé (218 PS) mit vergleichbarer Laufleistung und Ausstattung.

Gebrauchte RX-8 mit geringer Laufleistung – vor allem solche, die aus der Zweitauflage seit 2008 stammen – sind noch selten auf dem Markt zu finden. Die Preise sind für Käufer attraktiv: Für rund 25.000 Euro bekommt man Exemplare mit weniger als 20.000 gefahrenen Kilometern.

Einem abschließenden Argument für den RX-8 lässt sich wenig entgegnen: Hier wandert ein Fahrzeug direkt aus dem Schauraum in die Ruhmeshalle der Automobilgeschichte.

Galerie: Mazda RX-8

Fotocredit: Angie Garrett (Titelfoto "Auge"), Mazda USA, Vanishing Point
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