Fahrspaß und Hybridantrieb – für die meisten Fahrzeuginteressierten sind diese Schlagworte an unterschiedlichen Polen der automobilen Leidenschaftsskala angesiedelt. Und daran – soviel ist uns nach zwei Wochen und rund 1.000 km klar – wird auch der Toyota Auris HSD nicht viel ändern können. Dabei macht der unauffällige Kompakthybrid eigentlich alles richtig.
Automobil-Enthusiasten reagieren auf Fahrzeuge mit Hybridantrieb in der Regel mit wenig Wohlwollen. Das liegt weniger an der Technik, als am generellen Image, das Hybrid-Fahrer anderen Verkehrsteilnehmern gerne auf’s Auge drücken: “Ich gut, du böse”, so die Kernaussage. Beim Auris HSD ist das jedoch anders: Als Hybrid ist er nur an einem Namenszusatz zu erkennen – im Straßenverkehr bewegt er sich gut getarnt – in geheimer Spritspar-Mission.
Unsere Testfahrt fürt uns gut 1.000 Kilometer quer durch den Osten Österreichs – Stadtverkehr, Autobahn, Landstraße und alpines Straßen-Terrain bildeten die Basis für den umfassenden Test. Mal alleine, mal zu zweit, mal mit kompletter Familie inklusive Gepäck musste der Auris HSD seine alltagstauglichen Hybrideigenschaften unter Beweis stellen.

Wettsaufen. Ein kleiner Ausflug zum Fahrtechnikzentrum in Teesdorf soll eine Frage klären, die in unserer Redaktion auftauchte: Wieviel kann der Auris HSD eigentlich maximal verbrauchen. Nach ein paar Runden auf dem Testparcours, die bei jedem Greenpeace-Aktivisten Ohnmachtsanfälle auslösen würden, wissen wir’s: 12,4 l/100 km – mehr Sprit konnten wir nicht durch den sparsamen 1,8-Liter-Vierzylinder pumpen.
Was hier als erstes auffällt: Das Getriebe – ein CVT – ist eine echte Nervensäge. Motordrehzahl und Geschwindigkeit stehen subjektiv wahrgenommen in keinerlei Beziehung. Tritt man ins Pedal, heult der Motor auf – geht man vom Gas, herrscht Schweigen unter der Motorhaube. Das mag effizient und sparsam sein – ist aber eine Qual für die Sinne.
Allzu zügige Autobahnfahrt bekommt dem Verbrauch des Hybridsystems ohnehin nicht gut: Hatten wir es vor Antritt der Fahrt gerade geschafft, den Verbrauch erstmals in unserem Test auf unter 4 Liter zu senken, schraubte sich dieser Wert auf den ersten Autobahnkilometern schnell auf über 7.
Irgendwas machen wir falsch…
Aber hallo: Das spart gleich mal 1,5 Liter auf 100 km!
Dieses Tempo hält man aber als eher zügiger Fahrer nur schwer durch. Der Verbrauch pendelt sich daher schnell wieder knapp unterhalb der 6-Liter-Marke ein. Immer noch ein beachtlich geringer Wert, den man sonst nur von Dieselfahrzeugen gewohnt ist.
Diese optische Zurückhaltung macht den Auris HSD sympatisch. Wo Prius & Co ihre symbolische Aussage “Ich fahre Hybrid” stets mit dem Zusatz “du Drecksau!” versehen, bleibt der Auris HSD im Verkehr unerkannt. Einzig sein Besitzer freut sich – spätestens an der Zapfsäule.
Ein Tagesausflug ins Salzkammergut gibt gute Gelegenheit die Wirkungsweise des Hybridsystems auf kurvigen Bergstraßen zu erleben. Eines wird dabei schnell klar: Um längere Straßenstücke mit stärkerer Steigung verbrauchstechnisch abfedern zu können, hat der Auris HSD einen viel zu kleinen Akku. Schon nach wenigen Kilometern mit sanfter Steigung hat sich der Elektro-Motor verausgabt und die Batterien leergesaugt. Steigungen sind ganz klar nicht die Stärke des Hybrid-Auris.
Angekommen in der Enddestination Hallstadt hat der Wagen erst mal Pause – in den engen Gassen des mittelalterlichen Städtchens haben Autos, auch solche mit Hybridantrieb, nichts verloren.

Gern geschehen.
Nicht nur der Verbrauch auf der Autobahn trübt das Bild – auch der Lärmpegel zehrt nach einiger Zeit an den Nerven. Ein wenig mehr Dämmmaterial hätte dem kompakten Hybrid gut getan.

Besonders positiv hervorzuheben ist die Beinfreiheit auf der rückwärtigen Sitzreihe. Wadenkrämpfe sollten selbst Großgewachsenen hier erspart bleiben. Etwas weniger löblich zeigt sich der Kofferraum: Hier musste ein Teil des Stau-Volumens wohl der Hybrid-Technik weichen. Für einen Familien-Ausflug samt Kinderwagen reicht’s aber trotzdem (knapp).
Nach einer Einführung in die Welt des “Hypermilings” klappts aber auch bei notorischen Bleifüßen mit dem Benzinsparen. Auch wenn das manchen Autofahrern ein großes Stück Selbstbeherrschung abverlangt.
Doch mit dieser Bewertung tut man dem kleinen Spritsparer unrecht: Er macht viel mehr Spaß, als wir uns das zu träumen gewagt hatten, die Spritspar-Technik funktioniert (wenn auch nicht in allen Fahrsituationen gleich gut), und spätestens wenn man mit dem EV-Modus versucht möglichst lange Strecken laut- und emissionslos zurückzulegen, verfliegt auch jede Langeweile. Der Gesamtverbrauch während des Test lag mit 4,9 Litern zwar deutlich über dem beworbenen – sparsam ist der Auris HSD aber auch damit.
Und: Der Auris HSD sieht nicht aus wie ein Hybrid – was ihn augenblicklich ein wenig sympatischer macht.
Ein allerletzter Punkt nagt jedoch im Hinterkopf: Welchen echten Vorteil hat der ca. 30.000-Euro-teure Auris HSD gegenüber einem sparsamen Diesel-Golf? Wer meint, der geringere Verbrauch würde schon nach wenigen Jahren einen Mehrpreis des Autos rechtfertigen, hat sich in der Regel geschnitten: Wer bei 15.000 km pro Jahr einen Liter Sprit auf 100 Kilometern weniger verbraucht, hat 1.000 Euro Mehrpreis erst nach 5 Jahren amortisiert. Die Antwort diese Frage will uns, auch nach intensivem Nachdenken daher nicht so recht einfallen…






