Fight Club

Mazda CX-5 CD175 AWD: Fight Club

Dass Mazda gute Autos baut, finden nicht nur wir sondern auch einige unserer Kollegen. Das renomierte US-Automagazin Car and Driver etwa wählt Mazdas regelmässig in die die redaktionseigenen Auto-Charts. Unter den „Ten Best Cars on the Market“ findet sich der MX-5 Miata seit 2006 und nun schon zum siebten Mal in Folge. Der Mazda 3 schaffte es 2007 und 2008 ebenfalls unter die Car and Driver-Top Ten und auch der RX-8 war dort 2005 und 2006 zu finden.

MX-5 und RX-8 wurden lange Zeit ja kaum bedrängt von der Konkurrenz, die hatte schlicht nichts Gleichwertiges auf Lager. Mazda hatte es sich gemütlich eingerichtet dort oben auf der Welle des Erfolges. Der hochdekorierte MX-5 nähert sich in seinem 22. Jahr stetig der Millionenauflage und die Trophäe des meistgebauten Roadsters aller Zeiten wird dem Mazda wohl auf Dauer auch keiner mehr nehmen können.

Der RX-8 wurde letztes Jahr leider ins Museum geschoben, da musste nun also wieder ein neues Auto her, das die vakante Lücke adäquat zu füllen vermag. Anfang des Jahres lancierte Mazda ein völlig neues Modell, allerdings keinen neues Coupé sondern einen Kompakt-SUV. Mit dem CX-5 wirft sich Mazda nun geradezu mit Verve mitten hinein ins Kampfgetümmel, natürlich nicht ohne den neuen entsprechend für den harten Fight um Marktanteile auszurüsten.

 

Jan testet den Kippwinkel im Mazda CX-5 CD175 AWD

 

Offensichtlich wollen sich die Mazdanier endlich mal wieder im direkten sportlichen Wettkampf mit ihren Konkurrenten messen. Man darf vermuten, dass der Neue hier nicht einfach nur mitschwimmen will, sondern ein Platz auf dem Treppchen anstrebt.

 

Mit dem CX-5 stellt Mazda einen weiteren Protagonisten in einer der am härtesten umkämpften Fahrzeuggattungen. Im Erfolgsfall lässt sich da aber auch eine Stange Geld verdienen.

 

Kompakt-SUV – in den USA schlicht CUV genannt – sind die Golf-Klasse des 21. Jahrhunderts. Dieses noch recht junge aber rasant wachsende Marktsegment ist bei Autokunden ungemein beliebt und daher auch extrem hart umkämpft. Mittlerweile ist es für alle großen Hersteller ein Muss, in dieser Klasse einen eigenen Kandidaten am Start zu haben. 2004 hat BMW für seinen Crossover X3 das Wasser in den Teich eingelassen, mittlerweile tummeln sich dort Vertreter fast aller renomierten Hersteller. Für die versteht es sich beinahe von selbst, einen Kompakt-SUV im Programm zu haben. Anders gesagt, es kann sich eigentlich keiner erlauben hier nicht mit einem eigenen Modell vertreten zu sein.

Auch wenn es in diesem Teich mittlerweile ziemlich eng geworden ist und eher zugeht wie in einem Haifischbecken, winken noch immer glänzende Profite. Wer sich erfolgreich neben der starken Konkurrenz bewährt und noch dazu die Gunst des Publikums erobert, kann mit Kompakt-SUV richtig gutes Geld verdienen.

Mazda setzt jetzt mit seinem Crossover noch einen weiteren Fisch in den eh schon vollen Teich, das muss aber kein Nachteil sein. Die Aktion scheint wohl kalkuliert, denn der jüngste Spross aus Hiroshima wirkt durchdacht und ausgereift. Den CX-5 gibt mit klassenüblichen Benzin- und Dieselmotoren mit Motorleistungen von 150 bis 175 PS sowie Front- und Allradgetrieben.

 

Mazda CX-5 CD175 AWD

 

Ganz eng wird es im Kompakt-SUV-Starterfeld bei den Kandidaten mit einem Diesel unter der Haube. Ein Diesel, am liebsten mit Turbo-Unterstützung, ist einfach der ideale Antrieb für diese Art von Multifunktions-Muli bei der Arbeit auf Asphalt, Schotter, Erde, Sand oder Schnee und daher die Königsdiziplin, in der es zu bestehen gilt.

In diesem elitären und ziemlich ausgeglichenen besetzten Sportclub – nennen wir ihn einfach mal den „Fight Club“ – rivalisieren die Turbodiesel-befeuerten und Allrad-getriebenen Topmodelle um den ultimativen Triumph in der Kompakt-SUV-Klasse. Mazda hat den CX-5 ja bereits seit dem Frühjahr am Start, für die Aufnahme im Fight Club gibt es jetzt endlich auch das CX-5-Topmodell, den CD175 AWD mit dem 175 PS starken 2,2 Liter großen Commonrail-Diesel-Vierzylinder, Automatikgetriebe und Allradantrieb.

 

Leichtbau meets Fahrspaß – Die Mazda-Doktrin gibt es eigentlich schon länger, aber erst jetzt wird sie auch ganzheitlich vermarktet.

 

Mazda versucht den CX-5 zuallererst über ein recht forsches und dynamisches, leicht aggresives Design von der Konkurrenz abzuheben. Gerade mal rund 30 Zentimeter länger und 6 Zentimeter breiter als ein VW Golf, dazu die für die Fahrt in unwegsamen Gelände zwangsläufig hohe Gürtellinie – andere Autos bieten sicher weit bessere Voraussetzungen ein energetisches Temperament stimmig in Szene zu setzen.

 

Mazda CX-5 CD175 AWD

 

Davon liessen sich die Mazda-Ingenieure jedoch nicht schrecken. Ohnehin hat man bei Mazda das Manifest über Fahrzeug-Design und Gestaltung gerade erst neu geschrieben. Der CX-5 zeigt als erstes Serienmodell aus der Hand des aktuellen Chefdesigners Ikuo Maeda das neuen Corporate-Design der Marke. Dieses von einigen Studien bereits bekannte, sogenannte „Kodo-Design“ soll das Thema Bewegung und die daraus resultierende Spannung visuell noch stärker umsetzen.

Ich finde, das ist ziemlich gut gelungen. Der CX-5 wirkt weder klobig noch schwerfällig, andererseits auch nicht zu verspielt. Eine Schönheit vor allem auf den zweiten Blick, eine athletisch gespannte und couragierte Erscheinung. Das sollte schon was heißen für ein geborenes Pummelchen in Hochwasserhosen.

 

“Sticking feathers up your butt does not make you a chicken.” Tyler Durden in “Fight Club”

 

Mazda CX-5 CD175 AWD by Philipp Melcher (c)

 

Neben dem gelungenen Design gefallen uns noch drei andere Dinge richtig gut:

Erstens die butterweich schaltende 6-Gang Automatik, die nahezu perfekt mit dem leistungsstarken Diesel harmoniert und komplett vergessen lässt, dass es sich dabei um einen nur 2,2 Liter großen Vierzylinder handelt. Die aufgeweckte Charakteristik des brandneuen Mazda-Turbodieselmotors überzeugt uns auf Anhieb, der hängt am Gas wie das Baby an der Flasche – glatte Eins.

Zweitens das sehr ausgewogene und gut abgestimmte Fahrwerk. Gerade auch in Anbetracht des hohen Schwerpunktes überzeugt das straffe und agile Handling des CX-5. Mazda wollte trotz der bauartbedingten Nachteile unbedingt den Fahrspass erhalten, das gelingt dem CX-5-Topmodell erstaunlich gut. Erst in wirklich scharf gefahrenen Kurven merkt man wieder, dass man in einem eher schweren Allradauto sitzt.

Drittens die smarte i-Stopp-Automatik. Ein Assistentsystem, wie es sein sollte: funktioniert tadellos, fordert aber auch den Fahrer zum Mitdenken auf. Der Motor geht nicht sofort aus, wenn der Wagen zum Stillstand kommt – gut so beim eher hektischen Stop-and-Go im Stadtverkehr. Der Diesel schaltet sich erst mit einer Verzögerung von etwa fünf Sekunden ab. Sieht man, dass es weiter vorne erst mal nicht weiter geht, steigt man direkt nach Stillstand des Autos einfach nochmal mit Nachdruck auf die Bremse, dann erstirbt der Motor sofort.

 

Mazda CX-5 Interior

 

Mazda setzt seine gesamte Fahrzeugpalette auf strenge Diät – quasi “fettreduziert bei vollem Geschmack”.

 

Dass man in einem Kompakt-SUV engagiert Landstrassen surfen kann, liegt sicher auch an Mazdas ganzheitlich inszeniertem Spritspar-Engagement, das über die etwas blumige Metapher „Skyactiv“ promoted wird und damit Lifestyle-technisch voll auf der Light-Welle einspurt.

Mazda CX-5 CD175 AWD

 

Dieses fast schon ein wenig esoterisch anmutende Engagement umfasst neben Leichtbau – den Mazda schon länger und konsequenter als viele andere verfolgt – hochverdichtete Diesel- und Benzin-Motoren sowie smarte Assistenzsysteme. Im CX-5 wurde das Skyactiv-Konzept erstmals umfassend angewendet und man könnte fast meinen, die hätten dort nie andere Autos gebaut.

Tatsächlich ist das CX-5-Topmodell gut gerüstet für den Wettstreit im Fight Club. Der CX-5 wiegt tatsächlich bedeutend weniger als die meisten gleichwertig ausgestatteten Mitstreiter, das macht sich langfristig definitiv bemerkbar. Dass man sich bei Mazda nicht mit dem Einbau von einigen Spritspargadgets zufrieden gibt, sondern das Auto ganzheitlich entwickelt hat, ist zweifellos der richtig Weg. In der gesamten Branche ist mittlerweile ja „Das Große Abnehmen“ angesagt, die Pfunde purzeln im monatlichen Turnus. Dabei folgen die meisten der klassischen Sportler-Diät: Weg mit dem Fett, aber noch mehr Muskeln, Schnelligkeit und Reaktionsvermögen trainieren.

 

Im CX-5 kommt bei einigen Bauteilen erstmals  ultrahochfester Stahl zum Einsatz – der wiegt weniger, ist aber um 20% belastbarer als herkömmlicher Stahl.

 

Glaubt man den Angaben von Mazda, dann ist der 175 PS starke 2,2 Liter Turbodiesel in Hinsicht auf Verbrauch eine kleine Revolution. Die 5,5 Liter Diesel kombiniert sowie die 144 g CO2/km wären für den 1,6 Tonnen schweren SUV mit Allradantrieb und Automatikgetriebe im Feld der Mitbewerber sensationelle Spitzenwerte.

 

Mazda CX-5 CD175 AWD

GALERIE: Mazda CX-5 CD175 AWD

 

Wie so oft lassen sich die auf dem Prüfstand ermittelten Normverbräuche in der Praxis nicht realisieren. Während unserem Test schwankte der Verbrauch zwischen rund 7,5 Liter auf der Landstrasse und bis zu 10 Litern bei forschem Autobahntempo. Die Sensation bleibt aus. Auf dem Papier – und da testen ja alle nach der gleichen Norm – steht der Mazda aber hervorragend da. Ich finde wenig, was mich vom Kauf noch abhalten könnte: Die Heckklappe geht für einen große gewachsenen wie mich nicht weit genug auf, da rennt man garantiert mindestens einmal dagegen. Noch ein paar mehr freche Farben zur Auswahl in der Art dieses höchst intensiven “Sky Blue” würde ich mir auch noch wünschen.

 

FAZIT 

Für ein vollkommen neu entwickeltes Auto fühlt sich der CX-5 auf Anhieb sehr ausgewogen und harmonisch an. Fährt sich trotz dem ganzen Spritspartech sehr agil und responsive, eine gute Mischung aus Evo und Eco. Das CX-5-Topmodell bereitet erstaunlich viel Fahrspass und lässt den Fahrer auch an der Tanke das Lachen nicht verlieren. Für einen SUV ist der CX-5 extrem gut proportioniert, ein echter Eyecatcher und alles andere als ein langweiliges und banales Arbeitstier. Der tolle Skyaktiv-Turbodiesel ist quirlig wie ein junge Fohlen. Schön schlichtes, nicht überladenes Interieur von zurückhaltender Eleganz. Erfüllt bereits die super-scharfe Euro-6 Norm, das schafft aktuell nicht mal die Konkurrenz aus Deutschland.

 

Badge

 

Den CX-5 gibt es mit dem 2-Liter Benziner in der Basisausstattung bereits ab 25.000 €, unser Testwagen in Vollausstattung – u.a. mit Ledersitzen und Bose-Soundsystem – steht mit rund 40.000 € in der Liste. Trotzdem noch ein faires Angebot. Für soviel Geld gibt es im CX-5 Gadgets, die auch bei deutschen Premium-Herstellern erst seit enigen Jahren erhältlich sind. Dinge wie Fernlichtassistent, Einparkhilfe mit Rückfahrkamera, Bi-Xenon-Scheinwerfer, Spurwechselassistent und Spurhaltekontrolle. Die 5 Sterne im Euro-NCAP gibt´s gratis obendrauf – eh klar!

 

 

FIGHT CLUB

Fight Club

 

“If we are God’s unwanted children, so be it!” Tyler Durden in “Fight Club”

 

CHART-01-CURB WEIGHT XMAZDA-BADGE

CHART-02-SPRINT XMAZDA-BADGE

CHART-03-POWER-2-WEIGHT_XMAZDA-BADGE

CHART-04-POWER LIFTING XMAZDA-BADGE X

CHART-05-CONSUMPTION_XMAZDA-BADGE

CHART-06-HEALTH_XMAZDA-BADGE

Mazda CX-5 CD175 AWD by Philipp Melcher (c)

 

Generell wollen wir uns nicht dazu hinreissen lassen, Äpfel mit Birnen zu vergleichen. Auch wenn der hier vorgestellte Fight Club ausgewogen besetzt zu sein scheint, so gibt es doch große Unterschiede. Dennoch ermöglicht der Vergleich einige durchaus interessante Einblicke in das sonst in endlosen Zahlenkolonnen verborgene Potential dieser Autos.

Für den Wettstreit im Fight Club wurden neben dem Mazda CD175 AWD elf weitere Kompakt-SUV mit leistungsstarkem, mindestens 2-Liter großen Dieselmotor und Allradantrieb ausgewählt, acht der zwölf Kandidaten haben ein Automatikgetriebe. Die mit Stern (*) gekennzeichneten Fahrzeuge sind in der gewählten Top-Motorisierung aktuell nur mit  Schaltgetriebe erhältlich, wir haben sie trotzdem zugelassen. Da Kia Sportage 2.0 CRDi und Hyundai iX35 2.0 CRDi eigentlich ein und dasselbe Fahrzeug sind, haben wir hier nur den Hyundai berücksichtigt. Das gleiche gilt für die baugleichen Chevrolet Captiva und Opel Antara, im Fight Club ist daher nur der Opel dabei. Die dreieiigen Drillinge Mitsubishi ASX, Citroen C4 Aircross und Peugeot 4008 gibt es derzeit nur mit 1,8-Liter großem Diesel, aufgrund von diesem schwerwiegenden Nachteil blieben auch diese drei Fahrzeuge draußen.

In der Regel verfügen kompakte SUV über einen elektronisch gesteuerten Allradantrieb. Das Fahrzeug entscheidet selbsttätig, wann es zwei und wann alle vier Räder antreibt und wie die Kraft auf die einzelnen Räder verteilt wird. Da unter normalen Fahrbedingungen in der Regel nur zwei Räder angetrieben werden, sprechen Fachleute in diesem Fall gerne von „Allradantrieb Light“. Ein SUV ist im Gegensatz zu dafür spezialisierten Geländewagen nicht für den harten Einsatz im Gelände gebaut, aber der Allradantrieb ist da, wenn er gebraucht wird.

Das Fahrzeug-Leergewicht wird in der EU mit einem Fahrer von 68kg an Bord, dazu Gepäck von 7kg und einem 90% gefüllten Kraftstofftank definiert. An diese Vorgabe halten sich jedoch nicht unbedingt alle Hersteller. Zudem treiben Sonderausstattungen das Fahrzeuggewicht mitunter beträchtlich in die Höhe, was einen fairen Vergleich nahezu unmöglich macht. Eine verlässliche Angabe bekommt man nur, wenn man das entsprechende Modell mit vollem Tank auf die Waage fährt.

Für diesen Vergleich haben wir die offiziellen Angaben der Hersteller herangezogen, die zur Promotion der einzelnen Modelle verwendet werden.



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