Reality Check

Eigentlich könnte an dieser Stelle ein Testbericht der neuen Mercedes A-Klasse stehen. Und in gewisser Weise tut er das auch: Unser A-Klasse-Testfahrzeug ist ganz, ganz toll. Und genau deshalb völlig unbewertbar.

Stellen sie sich doch mal vor, Sie sind Journalist eines Reisemagazins. Ein Skigebiet sollen Sie testen – wie das dort so ist, wie gut die Pisten sind, wie gut die Unterkünfte sind, all das was Herrn und Frau Österreicher eben bei der Planung des nächsten Winterurlaubs so interessieren könnte.

Also kontaktieren Sie die lokalen Tourismusverantwortlichen. Die organisieren alles. Ihre Unterkunft: Ein 5-Sterne-Hotel, wo Sie auch gleich in einer großzügigen Suit untergebracht werden. Auf die Skipiste gehts wahlweise mit dem eigenen Schneemobil, oder gleich per Hubschrauber. Heliskiing ist halt viel geiler. Die Lifte kann man dabei ja auch wunderbar aus der Luft begutachten. Am Abend gehts in Haubenlokal. Apre Ski deluxe. Sie sind begeistert.

No na.

Doch was genau hat dieses Erlebnis jetzt für einen Informationsgehalt außerhalb persönlicher Erfahrungssammlung?

Genau vor dasselbe Problem stellt mich Mercedes, indem sie mir eine viel zu gute, viel zu umfassend ausgestattete, viel zu teure Ausstattungsvariante der neuen A-Klasse vor die Türe stellen. Ja, ja, First World Problem und so. “Hilfe, mein Auto ist zu gut.”

Aber das trifft’s eben nicht.

 

I don’t talk about money.
Kim Kardashian

 

Womit ich nun zwei Wochen lang gefahren bin, hat recht wenig mit dem zu tun, was andere unter einer A-Klasse verstehen werden. Zugeschüttet unter allem, was die Optionsliste beim Autohändler hergibt, bleibt vom ursprünglichen Fahrzeug wenig übrig. Mehr als 46.000 Euro – der Preis unseres Testfahrzeugs – werden jedenfalls nur die Wenigsten für einen Kompaktwagen ausgeben. Und damit auch nicht in den Genuß all der grandiosen Elektronik kommen, die uns beim Fahren assistiert und unterhält.

Wie sich die A-Klasse ohne AMG-Fahrwerk, ohne (die verblüffend gute) intelligente Scheinwerferanlage, ohne die nach allen Regeln der Kunst komfortabel gestalteten Sitze, ohne das fulminante Soundsystem, ohne das knappe Dutzend an Fahrassistenten, ohne die 18-Zoll-Felgen, ohne den Top-Of-The-Range Diesel, ohne Doppelkupplungsgetriebe, ohne adaptiven Tempomat – eben ohne all das, was unser Testfahrzeug ausmacht – so fährt?

Keine Ahnung.

Ich habe kein Problem mit teuren Autos. Die Frage der Sinnhaftigkeit muss sich jeder Hersteller jedoch schon gefallen lassen. Unser Testwagen ist für mich die 30-Quadratmeter-Eigentumswohnung mit beheiztem Marmorboden, der Businessclass-Flug Wien-Linz, die Käsekrainer mit weißem Trüffel.

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