Chevrolet Corvette C4 ZR-1

Youngtimer der Woche: Chevrolet Corvette C4 ZR-1

Die meisten Menschen greifen in der Regel erst dann zu, wenn alle anderen auch schon einen haben. Wer sich besser auskennt, setzt den Trend: Vanishing Point stellt Ihnen in dieser Serie interessante Youngtimer vor, die großes Potential für zukünftige Wertsteigerungen in sich tragen.

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Corvette ZR-1 Cover 22

Chevrolet Corvette C4 ZR-1

Baujahr: 1990 – 1995

Stückzahl:  6.939

 

Warum sie eine kaufen sollten: Mit der von 1984 bis 1996 gebauten vierte Serie ist die in Europa zu Unrecht als Zuhälter-Karre und Macho-Auto verschriene Corvette endlich zu einem ernsthaften und fahraktiven Sportwagen herangereift – Schluss war mit schwammigem Rahmen und butterweichem Fahrwerk. Zwar montierte GM noch immer Blattfedern aus Kunststoff, andererseits konnte man Corvette Generation 4 dank neu konstruiertem Fahrwerk mit Einzelradaufhängung und Fünflenker-Hinterachse jetzt beinhart um die Kurve schmeißen.

Selten-schöner Ami im sachlich-nüchternen Edge-Style der 80er

Die einfache und klare Linienführung aus der Hand von Corvette-Chefdesigner Jerry Palmer machte die C4 nicht nur zu einer US-Design-Ikone, sondern drückte auch den Luftwiderstand der Corvette auf einen sensationellen Beiwert von 0,34. Die glasfaserverstärkte Kunststoff-Außenhaut kannte man bereits vom Vorgänger, neu bei der C4 aber waren die extrem flach gelegte Windschutzscheibe und die Clamshell-Hood in Sandwich-Bauweise, die sich komplett mit Kotflügeln und Frontmaske nach vorne wegklappen ließ. Typisch Corvette sind die vier aus der schlichten Heckpartie rund herausgestanzten Rückleuchten und eine endlos lange Motorhaube.

Der Standard-V8 der C4 hatte mit 5,7-Litern Hubraum zwar noch immer standesgemäße Dimensionen, leistungsmässig fiel das GM-Triebwerk mit anfangs lediglich 205 PS neben der europäischen Konkurrenz aber weit zurück. Dieses dramatische Missverhältnis von Hubraum zu Leistung änderte sich 1989 mit der Vorstellung der High-Performance-Corvette ZR-1 – und wie!

Corvette ZR-1 – in den 90ern gab es keine günstigere Eintrittskarte für den 300 km/h-Club

Bis auf den identischen Hubraum war unter der Haube der ZR-1 alles anders. Der neue LT5-V8 war in Kooperation mit Lotus entwickelt worden, da die Marke damals ja zu GM gehörte. Dank 32-Ventiltechnik, modernem Motormanagement und poliertem Ansaugtrakt leistete das ZR-1-Triebwerk anständige 385 PS, ab 1993 sogar 411 PS. Der neue Vollaluminium-V8 mit obenliegenden Nockenwellen stemmte über 500 Nm auf die Antriebswelle und sorgte für beachtliche Fahrleistungen: 4,4 Sekunden für den Sprint von 0 auf 100 und 300 km/h Top Speed – Amis mussten für diesen Spaß gerade mal 70.000 Dollar auf den Tisch blättern! Dafür gab es einen waschechten Sportmotor samt Edelstahl-Sportauspuffanlage und so klang er dann auch: volle Attacke mit Gebrüll, das war fast schon im Stil von Forza Italia. Im Gegensatz zu Ferrari & Co gilt der ZR-1-V8 jedoch trotz Vierventiltechnik als robust und unproblematisch.

 

 

Superman meets Big Foot

Mit der ZR-1 gingen auch optische Retuschen einher, augenfällig sind vor allem die ausgestellten Radhäuser und 315er-Gummiwalzen auf der Hinterachse. Innen hatten sich die Designer richtig ausgetobt: eine mit Knöpfen, Schaltern und Digitalanzeigen vollgestopfte, futuristische Kommandozentrale irgendwo zwischen F-18 Kampfjet und Le Mans-Prototyp.

Science Fiction-Design, aber analoges Getriebe: Aufgrund des monströsen Drehmoments gab´s die ZR-1 nur mit manuellem Sechsgang-Schaltgetriebe von ZF, denn nur die Friedrichshafener hatten auch ein ausreichend standfestes Schaltwerk im Angebot.

Mit dem Highschool-Schlüssel eben mal die Motorleistung kastrieren

Legendäres ZR-1-Feature ist der valet key, in Europa auch als „Highschool- Schlüssel“ bekannt. Mit diesem Zusatzschlüssel konnte der zweite Satz Einspritzdüsen deaktiviert werden, was die Leistung des V8 eben mal um 100 PS dezimierte: damit die teuren Goodyears länger halten, wenn sich der Nachwuchs übers Wochenende mal Papis Auto ausborgte.

Rost ist kein Thema, geringe Stückzahlen, zeitloses 80er-Design mit SciFi-Update, elegante Proportionen, prima Fahrwerk, standfeste Hi-Speed-Mechanik und ein V8 jenseits von Eden: Die allererste Super-Corvette hat noch Luft nach oben – must-have!

 

 

Was eine kostet:  

Für den Preis einer ZR-1 gibt es zwei zivile Corvette C4 – dennoch sind die derzeit geforderten Summen zwischen 22.000 und 30.000 Euro für gepflegte ZR-1 im Zustand 2 nicht zu hoch gegriffen. Übrigens keine schlechte Idee sich bei Gelegenheit direkt in den Staaten umzusehen. Neupreis 1990 (Chevrolet Corvette ZR-1): 172.000 Mark. Neupreis 1995 (Chevrolet Corvette ZR-1): 196.000 Mark

 

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