Offroad Light

Der neue Nissan X-Trail: Offroad Light

Nach dem Qashqai hat Nissan nun auch den X-Trail überarbeitet. Man könnte allerdings auch “kopiert” sagen: Auf den ersten Blick gleicht der X-Trail seinem (marginal) kleineren Markenkollegen Qashqai fast aufs Haar. Wo genau liegt also der Unterschied? Vanishing Point ist den neuen X-Trail gefahren, um genau das herauszufinden.

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Der Unterschied zwischen Qashqai und X-Trail dürfte in Zukunft nur mehr eingeweihten SUV-Experten auffallen: Ein bisschen größer, ein bisschen höher, ein bisschen kantiger.

Eigentlich war es bis vor kurzem gar nicht so schwierig, sich im Nissan SUV-Katalog zurechtzufinden. Der Qashqai war der kompakte Kombi im SUV-Kleid, der X-Trail war der kleine Offroader, der Pathfinder war der große Offroader und der Murano war der teure Luxus-SUV für’s Trophy Wife.

Angefangen mit dem neuen Qashqai überarbeitet Nissan nun seine Modellpalette. Oder besser: Man vereinheitlicht sie. Alle SUVs sollen das neue Markengesicht (und gleich auch den neuen Markenkörper) bekommen. Als zweiter ist der X-Trail an der Reihe.

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Die Wasserdurchfahrt nahm der X-Trail nicht bei allen Testfahrzeugen kommentarlos hin: Bei mindestens drei Fahrzeugen kam dabei der Unterbodenschutz aus Kunststoff zu Schaden.

Offroad Off

Mit einem Geländewagen hat der neue X-Trail nur mehr wenig am Hut. Weg sind die Funktionen des Vorgängers, wo man mit einem Drehknopf an der Mittelkonsole von 4×4 auf Frontantrieb wechseln und die Achsen sperren konnte. So richtig ernst war es aber schon dem Vorgänger nicht mit dem Gelände – ein Untersetzungsgetriebe hat es beim X-Trail beispielsweise nie gegeben.

 

“Der neue X-Trail ist sehr kultiviert – anders als klassische Offroader im martialischen Einheitsdress. Aber er schafft es, einen Pferdeanhänger von einer feuchten Wiese zu ziehen.”
Tom Barnard, Nissan Europe Communications Director

 

Nissan dürfte sich sehr genau angesehen haben, wo und wie denn seine SUVs eigentlich gefahren werden. Das Resultat dieser Analyse sieht man beim neuen X-Trail: Den X-Trail Geländewagen gibt es nicht mehr. Dafür hat der neue allerdings dort gewonnen, wo es Autokäufern wohl wichtiger sein wird: Beim Platz, beim Fahrkomfort und bei der Sicherheit.

So ein bisschen Offroad geht natürlich auch noch im neuen X-Trail. Allzu viel traut Nissan dem X-Trail hier allerdings nicht zu: Die für uns vorbereitete Offroad-Strecke war eine vier Kilometer lange Staub- und Schotter-Straße. Das größte “Hindernis”: Eine wenige Zentimeter tiefe Pfütze als Wasserdurchfahrt. Die setzte dem X-Trail trotzdem zu – das lag allerdings am schweren Bleifuß einiger Kollegen, und ihrem Wunsch, bei der Durchfahrt auch wirklich die allerhöchste Wasserfontäne in die Umgebung zu schießen.

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Beim Antrieb hat man die Wahl: Vorderrad oder Allrad. Diese Entscheidung muss man allerdings schon beim Kauf treffen. Den neuen X-Trail gibt es nämlich in drei Antriebsvarianten: 2WD mit Schaltgetriebe, 2WD mit Xtronik-Automatikgetriebe oder 4WD mit Schaltgetriebe. Automatik und Allrad lassen sich beim X-Trail also (vorerst) nicht miteinander kombinieren.

Übersichtlich ist die Motorenpalette: Zur Markteinführung (8. August 2014 in Österreich) steht nur ein 130 PS starker 1,6-Liter-Diesel zur “Wahl”. Etwas mehr Leistung würde dem X-Trail allerdings wirklich guttun. Im Jahr 2015 soll dann immerhin ein 1,6-Liter-Benziner folgen.

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Sieben Sitze

Wirklich gelungen ist die Raumaufteilung im neuen X-Trail. Die sieben Sitze – in der Anordnung 2 + 3 + 2 – lassen sich in mehr als ausreichend vielen Achsen und Ebenen verstellen, umklappen und zusammenschieben. Sogar der Beifahrersitz lässt sich flach umlegen – damit sollte man dann sogar Skisprung-Bretter mit geschlossener Heckklappe transportieren können.

Wie bei fast allen Siebensitzern üblich, geht freilich nicht beides: Entweder großer Kofferraum, oder dritte Sitzreihe.

Der Stauraum (mit 5 Sitzen) liegt nun bei 550 Liter. Das sind 71 Liter mehr, als beim Vorgänger. Wirklich riesig wirkt der Kofferraum allerdings nicht. Selbst ein für Kombi-Verhältnisse recht kompakter Golf Variant hat etwas mehr Platz hinter der Heckklappe. Im Vergleich zur SUV-Konkurrenz schlägt sich der X-Trail aber recht passabel.

Optisches Streamlining

Beim Design des neuen X-Trail gibt es wenige echte Kritikpunkte. Er sieht jetzt halt aus, wie eigentlich fast jeder andere SUV auch. Vor allem wie der etwas kleinere aus dem eigenen Haus. Das Fahrzeugdesign nach der gängigen Entwurfsmode vermeidet Meinungsextreme, könnte aber in einigen Jahren etwas fad wirken. Fazit: “Schaut eh gut aus.”

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Gefällig und modern geht es auch im Interieur des X-Trail zu. Die Sitze sind bequem, die Haptik der Oberflächen suggeriert (großteils) wertige Materialien und das Armaturenbrett wirkt übersichtlich und freundlich. Das generell hohe Komfortniveau erstreckt sich jedoch nicht auf die Bedienung: Mal muss man eine Funktion über den Touchscreen steuern, mal über das kleine Display zwischen Tacho und Drehzahlmesser, mal über Knöpfe link und rechts des Lenkrads. Ein etwas durchgängigeres Interface wäre hier sicher kein Fehler gewesen.

Wirkliche Probleme bei der Bedienung macht der Wald aus Knöpfen freilich nicht. Nach kurzer Zeit weiß man ja, wo man welche Funktion findet. Nur mit den zahlreichen Schaltern rechts des Lenkrads kann ich mich nicht so recht anfreunden. Hier muss man schon genau hinsehen, um den richtigen zu erwischen – und dabei den Blick viel zu lange von der Straße nehmen. Gut dass unser Testwagen mit dem automatischen Kollisionswarner ausgestattet war…

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Safety first

Unter dem Sammelbegriff “Safety Shield” fasst Nissan all die Features zusammen, die Fahren im neuen X-Trail sicherer machen soll. Die Liste der elektronischen Aufpasser und Eingreifer ist nahezu deckungsgleich mit der des Qashqai.

Ebenfalls identisch ist die Preispolitik beim Thema Sicherheit: Nur in der Topausstattung sind alle Features verfügbar. Die endgültigen Preise für Safety Shield werden derzeit bei Nissan noch finalisiert. Zur Orientierung: Beim Qashqai kostet das “kleine” Safety Shield mit Notbremssystem, Fernlichtassistent und Spurhalte Assistent kostet dort 900 Euro Aufpreis (in der mittleren Ausstattungsvariante), das “große” Safety Shield mit zusätzlichem Parkassisten, Bewegungssensor bei Rückwärtsfahrt, Müdigkeitswarner und Totwinkelassistent schlägt (in der Top-Ausstattung) mit 650 Euro zu Buche.

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Fazit

Nach dem Qashqai ist Nissan mit dem X-Trail ein zweiter durchaus gelungener SUV geglückt. Die Abstriche, die man bei der neuen Modellgeneration im Offroad-Bereich hinnehmen muss, gleicht der X-Trail problemlos durch ein deutlich gestiegenes Komfort- und Fahrdynamik-Niveau aus.

Vor allem bei etwas zügigerer Kurvenfahrt zeigt sich die elektronisch unterstützte Fahrwerkstechnik: War der alte X-Trail noch dafür bekannt, wie ein Kreuzer durch die Kurven zu wanken, bleibt der Neue angenehm stabil. Für den Fahrkomfort bedeutet das einen echten Zugewinn.

Das beste Argument für den X-Trail ist seine Vielseitigkeit. Ausreichen Platz im Kofferraum und bis zu sieben vielfältig verstellbare Sitze machen ihn zum ausgezeichneten Transportmittel für Großfamilien.

Beim Preis liegt Nissan im Rahmen der Konkurrenz: Knapp über 26.000 fängt’s an, knapp unter 40.000 hört’s auf. Schaut man genau hin, hat Nissan gegenüber der Konkurrenz knapp die Nase vorn. Kaufentscheidend dürfte der marginale Vorsprung jedoch kaum sein.

Schade ist, dass Nissan dem X-Trail nicht ein kleines Bisschen mehr Design-Eigenständigkeit gegeben hat. So wird er von den meisten wohl als Qashqai +10% wahrgenommen.

Aber das ist ja nicht unbedingt was Schlechtes.

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