Lancia Thema 8.32

Youngtimer der Woche: Lancia Thema 8.32

Die meisten Menschen greifen in der Regel erst dann zu, wenn alle anderen auch schon einen haben. Wer sich besser auskennt, setzt den Trend: Vanishing Point stellt Ihnen in dieser Serie interessante Youngtimer vor, die großes Potential für zukünftige Wertsteigerungen in sich tragen.

>>> Hier geht´s zum ständig wachsenden Fuhrpark unserer Rising Stars.

 

LANCIA Thema 832

Lancia Thema 8.32

Baujahr: 1986 – 1992

Stückzahl:  3.284

 

Warum sie einen kaufen sollten: Die allererste Limousine mit Ferrari-Motor unter der Haube durfte nur deshalb nicht Lancia-Ferrari heißen, weil Godfather Enzo Ferrari himself dagegen war. Lediglich auf dem Ventildeckel des 8.32 findet sich ein roter Schriftzug “Lancia by Ferrari”, der die edle Herkunft der äußerlich recht unscheinbaren Limousine beweist.

Die mit Abstand unauffälligste Art, Ferrari zu fahren

Lediglich ein Kühlergrill aus Edelstahl und Aluminium, zwei Deko-Streifen, Breitreifen und ein ausfahrbarer Heckspoiler unterscheiden den 8.32 äußerlich von einem konventionellen Lancia Thema.

Alles nicht weiter verdächtig, aber spätestens bei den Campagnolo-Alufelgen sollte man stutzig werden: Dort wo es darauf ankommt, haben die Italiener nämlich ganze Arbeit geleistet. Die Lancia-Ingenieure verpassten der schönen Giugiaro-Limousine den selben Vollaluminium-V8, der auch im Ferrari 308 und im Mondial seine Arbeit leistet – aus dem quer eingebauten Mittelmotor wurde ein quer eingebauter Frontmotor. Der vibrationsstarke Sportmotor war für den Einsatz in einer Premium-Limousine jedoch nicht geeignet, daher veränderten Lancia die Kurbelwellenkröpfung von 180 auf 90°, was zwar einige PS kostete aber auch mehr Ruhe und 25 Nm mehr Drehmoment einbrachte.

Der aufwendige Umbau des Ferrari-V8 verschlang zwar gewaltige Summen, aber weil der Fiat-Konzern in den 80ern auf der Erfolgswelle surfte, konnte und wollte man sich diesen prestigeträchtigen Imageträger auch leisten.

Sieht aus wie Lancia, klingt und riecht aber nach Ferrari

Wer glaubt, im Thema 8.32 ein weichgespültes Ferrari-Triebwerk vorgesetzt zu bekommen, irrt sich gewaltig. Trotz allem ist der Thema-V8 ein reinrassiger Sportmotor geblieben, für die maximale Leistung von 215 PS (mit Kat  205 PS) muss man den 3 Liter großen Vierventil-V8 auch auf fast 7000 Touren hochdrehen. In 6,8 Sekunden pusht der 8.32 auf Tempo 100, der Topspeed wurde offiziell mit knapp 240 km/h angegeben. Einzelne Besitzer haben auch schon 260 km/h geschafft. Der Sound der 8.32-Maschine ist absolut betörend, um nicht zu sagen göttlich, und das bereits ab Leerlauf.

 

 

Schnellster und leistungsstärkster Fronttriebler seiner Zeit

Das Problem mit derart V8-Power entstand allerdings durch den Antrieb über die Vorderräder. Elektronische Regelsysteme gab es noch keine und so mußte eine am manuellen Fünfganggetriebe angeflanschte Differentialsperre reichen, um den Schlupf zu minimieren. Allradantrieb war für den 8.32 zwar geplant, aber nie realisiert worden. Bei schneller Kurvenfahrt neigt der 8.32 so zum typischen Untersteuern und wer es darauf anlegt, kann die Vorderräder beim Anfahren und Herausbeschleunigen aus den Kurven eigentlich jederzeit locker durchdrehen lassen. Auch ohne ausgefahrenen Heckflügel erweist sich der 8.32 aber als ein bemerkenswert sicheres und richtungsstabiles Fahrzeug, eine elektronisch geregelte Servolenkung und ein Antiblockiersystem von Bosch hatte der schnelle Lancia serienmäßig an Bord.

Kein Sportwagen im eigentlichen Sinn, aber mit entsprechnder Aura und Charisma

Innen machte es der 8.32 nicht unter Alcantara und afrikanischem Rosenholz, zeitgemäßer Italo-Luxus war damit bereits ziemlich komplett. Optional gab es nur noch eine Poltrona Frau-Lederausstattung, Klimaanlage, Glasschiebedach, Sitzheizung sowie eine Einzeilsitzanlage für den Fonds. Etwas anachronistisch aber irgendwie auch genial mutet die analoge Batterie aus insgesamt acht Rundinstrumenten an, und auch das gehörte damals eben noch zu einem echten italienischen Sportwagen.

 

 

Was einer kostet:  

Auch wenn Lancia drauf steht, bewegen sich beim Lancia Thema 8.32 Unterhaltskosten und Spritverbrauch doch eher auf Ferrari-Niveau. Zwar gilt der für den Lancia gezähmte 32V-Ferrari-V8 als robust und langlebig, allerdings müssen die beiden Zahnriemen alle 20.000 Kilometer komplett erneuert werden – das kostet wegen des großen Aufwands gleich ein paar tausend Euro. Original-Ersatzteile sind kaum mehr erhältlich und je nach Fahrweise zieht sich der V8 auch schon mal 20 Liter feinstes Super rein. Unter 12 Litern ist der Top of the Line-Lancia praktisch nicht zu fahren. Wer sich das leisten will, findet im Thema 8.32 aber eine faszinierende und charismatische Sportlimousine mit eingebauter Wertsteigerung.

Neupreis 1987 (Lancia Thema 8.32): 72.600 Mark. Neupreis 1992 (Lancia Thema 8.32 Kat): 85.200 Mark. Gepflegte Exemplare im Zustand 2 notieren aktuell bei ca. 13.000 – 18.000 €.

 

 

2119Lancia_Ferrari 1018



Related Articles

BMW Z4 M Coupé (E85)

Youngtimer der Woche #16: Grandiose Kurvensau mit dem famosen R6 aus dem E46-M3 unter der Haube

Maserati Shamal

Youngtimer der Woche #17: Exotisches Coupé mit V8-Biturbo: Charismatisch, wild, sinnlich und schnell.

VW Corrado G60

Youngtimer der Woche #4: Perfekt wie ein Golf, raffiniert wie ein Porsche.