“Wir brauchen Mut zum Vulgären”

“Ist wohl Geschmackssache.” Diese oberflächlich diplomatische Antwort sollte man schon parat haben, wenn man bei der Präsentation des Mercedes-Benz CLA von dessen Produktverantwortlichen nach dem persönlichen Eindruck gefragt wird. Aber jetzt ist ja der CLA Shooting Brake da. Der ist zwar immer noch Geschmackssache, sieht aber zumindest etwas weniger nach Entenpürzel aus.

Schon mit dem CLA hatte man ein in der Premiumklasse ziemlich einzigartiges Fahrzeug geschaffen. Weder der Audi A3 noch der 1er BMW bieten vergleichbares. Mit dem neuen CLA Shooting Brake baut man diesen Vorsprung nochmal aus – denn Mercedes bietet hier seinen Kunden genau das, was sie haben wollen. Meint zumindest der verantwortliche Produktmanager.

“Unsere Kunden sind sehr zufrieden mit dem CLA, doch viele wünschen sich doch mehr Platz. Der Shooting Brake hat fast 5 Zentimeter mehr Kopffreiheit – ich rechne also damit, dass sogar viele Kunden von größeren Modellen zum CLA Shooting Brake downsizen werden”, erklärt Jan-Paul Rubens, Product Management CLA & CLA Shooting Brake, die Produktstrategie.

Mit Jan-Paul Rubens hat Mercedes genau den Richtigen am Ruder der Einsteiger-Limousine CLA sitzen. Der charmante Holländer hat einen emotionalen Zugang zum Automobilmarketing. Und zeigt keine Angst vor dem Bruch mit Traditionen.

Jan-Paul Rubens, Product Management CLA und CLA Shooting Brake vor dem neuen Mercedes-Benz CLA Shooting Brake (CLA 250 4matik)

Erfolgsmodell CLA

Recht hat in der Autobranche der, der die meisten Autos verkauft. Nach dieser Metrik hat Mercedes zwar nicht überall Recht, mit dem CLA scheint man die Wahrheit allerdings zumindest in einer kleinen Nische gepachtet zu haben. Ein Drittel der CLAs finden in den USA Absatz. In Europa läuft er ebenfalls gut. Und Asien kauft offenbar sowieso alles, wo ein Stern drauf ist.

“Wir haben chinesischen Autofahrern Entwürfe gezeigt, die ganz gezielt die ästhetische Wahrnehmung in China bedient. Den Leuten gefiel zwar was sie sahen, doch kaufen wollten sie immer die europäische Version. Chinesischen Mercedes-Kunden ist es wichtig, dass das Auto deutsch aussieht – auch wenn es ihnen selbst nicht gefällt”, so Rubens.

Gold is the new Black

Mercedes hat bei einigen der CLA Shooting Brake Presse-Fahrzeuge tief in die Individualisierungskiste gegriffen: Akzentstreifen hier, farbige Details dort, “mutige” Stoffmuster rundum. Genau so will Rubens den CLA gerne sehen. Ihm ist klar, dass man dieses Fahrzeug anders verkaufen muss, als eine C- oder E-Klasse.

“Sie finden das Interieur etwas vulgär? Nun, ich glaube, dass das nicht unbedingt etwas Schlechtes ist.”
Jan-Paul Rubens, Product Management CLA & CLA Shooting Brake

Den Mut zum Vulgären bringt Rubens jedenfalls mit. Zunächst will er mal den Sättigungsregler in der Farbauswahl für den CLA ordentlich nach oben schrauben. Highlights in Signalfarben, Chromleisten auch dort, wo man sie nicht vermuten würde, Akzente abseits der gängigen Mercedes-Farbpalette – all das will der Stuttgarter Hersteller im unteren Modellsegment künftig seinen Kunden anbieten. Sogar Lackierungen, die man sonst nur beim Tuner – und auch dort nur mit Stirnrunzeln – bestellen kann, möchte Rubens gerne in die Serienoptionen übernehmen.

“Ich möchte unbedingt Gold als Farbe für den CLA anbieten.”
Jan-Paul Rubens, Product Management CLA & CLA Shooting Brake

Derzeit gibt sich der CLA-Konfigurator noch etwas farbscheu. Gerade einmal neun Farbtöne stehen zur Wahl: Sechs davon Grau, einmal Braun, einmal Rot – und, da schau her, einmal Violett! Ob eine gepimpte Farbpalette helfen wird, den CLA Shooting Brake – wie es Mercedes vorhat – vermehrt im Flottengeschäft unterzubringen, bleibt abzuwarten.

Bold Design

Die Zukunft von Mercedes Designsprache scheint sich, zumindest soweit es Rubens betrifft, deutlich mutiger zu entwickeln, als man das der Marke mit dem Stern zutrauen würde. Dass da vor allem in den unteren Modellsegmenten auch mal die Geschmackssicherheit auf der Strecke bleibt, wird nicht nur in Kauf genommen – das ist durchaus beabsichtigt.



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