Goodyear-Reifen als Stromerzeuger

Die Zukunftskonzepte sehen auf dem Reifensektor mitunter sehr unterschiedlich aus. Vor einigen Monaten haben wir uns an dieser Stelle mit dem luftlosen Reifen beschäftigt und dank Mikrochip-Technologie dürfte der Pneu von morgen intelligent und damit deutlich sicherer daherkommen. Und nun hat Goodyear auf dem Autosalon in Genf ein Konzept vorgestellt, bei dem spezielle Reifen Strom für das Elektroauto produzieren können.

Der US-amerikanische Reifenhersteller Goodyear, dessen Modelle man beispielsweise auf Tirendo findet, hat einen Konzeptreifen mit piezo- und thermoelektrischen Generatoren unter der Lauffläche entwickelt (das sieht dann so aus). Damit sollen das Generieren von Strom und das anschließende Einspeisen in den Lithium-Ionen-Akku des Elektrofahrzeugs möglich werden. Dabei geht es nicht allein um die Bewegungsenergie des Reifens, sondern auch um die Nutzung von Sonnenstrahlen.

Bedeutet das, dass auf der Lauffläche Solarpaneele integriert sind? Nicht ganz: Es handelt sich vielmehr um thermoelektrische Generatoren, die durch Thermoelektrizität, also die gegenseitige Beeinflussung von Temperatur und Elektrizität und ihre Umsetzung ineinander, Wärme in elektrische Energie umwandeln und selbige anschließend für die Weiternutzung bereitstellen. So richtig auf Hochtouren läuft die Stromproduktion aber erst, wenn sich der Reifen bei hohen Umdrehungszahlen deformiert und in seine Ursprungsform zurückkehrt. Möglich machen das die besagten Piezogeneratoren, die die Deformation der Reifen auf der Fahrbahn beziehungsweise die Kräfte, die dabei wirken, in Strom umsetzen.

Vergrößerte Reichweite: Zukunftsreifen als Pluspunkt für Elektroautos?

Größter Kritikpunkt an den Elektroautos und die Hemmschwelle vieler Autofahrer, die das Prinzip des elektrischen Autos eigentlich begrüßen, ist die noch immer nicht wirklich zufriedenstellende Reichweite der heutigen Modelle. Da die Konzeptreifen ihre generierte Energie direkt an die Bordbatterie weiterleiten, könnte sich die Reichweite merklich erhöhen. Zwei Dinge sollte man dabei allerdings berücksichtigen. Erstens: Die vorgestellten Goodyear-Reifen sind bis dato reine Konzeptstudien, die lediglich als Denkanstoß funktionieren. Und zweitens: Wie groß die Energieausbeute ausfallen könnte und inwieweit die Fahreigenschaften unter den besagten Reifenattributen leiden, ist bislang noch überhaupt nicht abzuschätzen.

Wir versuchen das trotzdem mal:

Eine durchschnittliche Mittelklasse benötigt bei konstanter Fahrt mit Autobahntempo ca. 40 Kilowatt. 10 Prozent dieser Leistung geht über die Reifen verloren, 50 Prozent davon geht in Wärmeenergie im Reifen über.

Die Effizienz großflächiger thermoelektrischer Generatoren liegt im relevanten Temperaturumfeld zwischen Reifen und Umgebungsluft bei etwa 7 Prozent.

Von den 40 kW, die auf der Autobahn den Motor verlassen, kann der Goodyear-Reifen also (sehr grob geschätzt) 0.1 x 0,5 x 0,07 = 0,35 Prozent rückgewinnen.

Das wären immerhin 140 Watt.

Genug, um die Reichweite eines Elektrofahrzeugs deutlich zu erweitern, ist das freilich nicht. Um den einen oder anderen Stomverbraucher im Auto über die Reifen zu speisen, allerdings schon.

Deutlich besser könnte das System funktionieren, wenn bei sportlicher Fahrweise viele Deformationen (und damit auch ein höheres Temperaturgefälle) im Reifen entstehen. Denkbar, dass sich dann sogar Leistung im Kilowatt-Bereich über die Reifen rückgewinnen lässt.

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