Money Well Spent

Wir alle kennen das Problem: 3 Millionen Euro brennen ein Loch in den Hosensack, doch es gibt einfach keine Autos, die man sich dafür kaufen könnte. Glücklicherweise haben Ferrari, McLaren und Aston Martin nun ein Hilfsprogramm für all jene gestartet, die durch das Tragen kiloschwerer Geldkoffer bereits Haltungsschäden bekommen.

Das Businessmodel bei den drei Hypercars Ferrari FXX-K, McLaren P1 GTR und Aston Martin Vulcan ist ähnlich: Im Kaufpreis von 2-3 Millionen Euro ist nicht nur das Auto inkludiert, sondern auch eine entsprechende Fahrerausbildung, um die PS-strotzenden Boliden zerstörungsfrei über die Rennstrecke zu bewegen.

Auf öffentlichen Straßen wird man keinen der drei Luxuswagen sehen – da mangelt es vor allem an der Straßenzulassung.

Konsumenten-Service

“Doch welchen der drei”, werden sich nun die meisten Leser fragen, “soll ich mir jetzt kaufen?” Vanishing Point vergleicht die Angebot der drei Track-Only-Hypersportwagen.

Ferrari FXX K

2015

Ferrari

FXX K

Modelljahr 2015 FIA-Zulassung Nein
Leistung 1050 PS Track Sessions 6
Hybrid Ja Sim. Training Nein
Zylinder 12 Ausverkauft Ja
Hubraum 6.3L Preis 3.000.000

Ferrari FXX K

Ferrari hat das Geschäftsmodell vor etwa 10 Jahren erfunden: Mit dem FXX (damals auf Basis des Ferrari Enzo) konnte man erstmals einen Sportwagen kaufen, den man zwar bezahlen, aber nicht mit nachhause nehmen durfte. Dafür sorgte Ferrari dafür, dass der Kunde jederzeit sein Spielzeug auf der Rennstrecke fahren konnte. Man organisierte sogar den Transport zum jeweiligen Rundkurs und stellte die nötige Pit Crew vor Ort zur Verfügung.

Mit dem FXX K (K steht hier für KERS) führt man dieses Konzept weiter. Im Kaufpreis inkludiert sind 6 Track Sessions, die innerhalb eines Zeitraums von zwei Jahren abgehalten werden.

Wer jetzt schnell zum Ferrari-Händler nebenan laufen möchte, um sich das Sportwagen-Schnäppchen aus Maranello zu kaufen, hat allerdings Pech. Der Produktionsrun von 30 Exemplaren ist längst ausverkauft. Bei der Auswahl der Kunden hat Ferrari zudem die bewährte „Don’t call us, we call you“-Strategie. Einen FXX K bekommen also nur die eifrigsten Ferrari-Sammler angeboten.

mclaren p1 gtr side

2015

McLaren

P1 GTR

Modelljahr 2015 FIA-Zulassung Ja
Leistung 1000 PS Track Sessions 6
Hybrid Ja Sim. Training Ja
Zylinder 8 Ausverkauft Fast
Hubraum 3.8L Preis 2.700.000

McLaren P1 GTR

Nicht ganz so elitär wie bei Ferrari sucht man sich die Kundschaft bei McLaren. Um in den Genuss eines P1 GTR zu kommen, muss man „lediglich“ Besitzer eines normalen P1 sein. Zudem ist der P1 GTR rund 10 Prozent günstiger als die Ferrari-Konkurrenz.

Den größten Unterschied findet man jedoch beim Rennstrecken-Programm: McLaren bietet P1-GTR-Käufern nicht nur ein klassisches Fahrertraining, sondern auch ausgiebige Testzeit am Simulator. Ausserdem erlaubt McLaren seinen Kunden, gegen andere P1 GTR Fahrer auf der Rennstrecke anzutreten. Da fahrerisches Können sowieso in direkt proportionalem Verhältnis zum Einkommen steht, kann man den 1000 PS starken Hypercar-Hybrid auch ganz ohne „Track Program“ kaufen. Interessenten sollten sich aber beeilen: Fast alle der 35-40 P1 GTR sind bereits vergeben.

Noch nicht ganz heraussen ist, ob der P1 GTR möglicherweise sogar den Sanctus der FIA erhält. Dann würde dem offiziellen Renneinsatz nichts mehr im Wege stehen.

aston martin vulcan side

2015

Aston Martin

Vulcan

Modelljahr 2015 FIA-Zulassung Ja
Leistung 800+ PS Track Sessions ???
Hybrid Nein Sim. Training Ja
Zylinder 12 Ausverkauft Nein
Hubraum 7.0L Preis 2.500.000

Aston Martin Vulcan

Basierend auf dem One-77 setzt Aston Martin auf brachiale Rennwagen-Performance aus konventioneller Quelle. Kein Hybrid, kein extravagantes Antriebssystem, nicht einmal ein Turbolader. Statt dessen gibt’s einen V12-Motor mit 7 Liter Hubraum dessen Leistung laut Aston Martin bei „über 800 PS“ liegen soll.

Geradezu basisdemokratisch verkauft man den Vulcan. Käufer brauchen weder eine Mitgliedskarte bei der Church of Aston Martin, noch eine Lagerhalle voll mit der gesamten Produktionshistorie des Herstellers. Absolut jeder kann den Vulcan kaufen – vorausgesetzt er legt die geforderten 2,5 Millionen Euro auf den Tisch.

Fix ist beim Aston Martin Vulcan die FIA-Zulassung.

Einmal zum Mitnehmen, Bitte.

Alle drei Fahrzeuge kann man, wenn man möchte, auch mit nachhause nehmen. Sinn macht das aber kaum. Die Hersteller übernehmen schließlich nicht nur Lagerung und Instandhaltung, sondern auch den Transport des Rennwagens zur Rennstrecke.

Die meisten Kunden werden ihren Supersport-Rennwagen also gerne in den Händen des jeweiligen Herstellers lassen.

To race, or not to race

Das Fahrerprogramm der drei mag sich auf den ersten Blick ähneln, ist im Detail aber doch recht unterschiedlich. Bei Ferrari wird dem Kunden zumindest die Illusion verkauft, dass er hier zusammen mit den Ingenieuren den nächsten Ferrari für die Straße entwickelt. Rennen wird man im FXX K nicht fahren können – dafür hat Ferrar schließlich genug Rennserien.

An Racing-Möglichkeiten wird es Besitzern eines Vulcan oder P1 GTR nicht fehlen. Beide verfügen über eine FIA-Zulassung und können daher im Renneinsatz gefahren werden. Aston und McLaren legen ihr Fahrerprogramm generell auf Fahrspaß aus. Man versucht hier gar nicht erst, dem Sohn eines saudischen Ölscheichs vorzugaukeln, er würde als Testpilot wertvolle Entwicklungsarbeit für’s Team verrichten.

So wie’s aktuell aussieht, haben Interessenten derzeit sowieso nur eine realistische Option: Aston Martins Vulcan ist der einzige, der nicht schon (fast) ausverkauft ist – und den man ohne intime Kontakte zum Inneren Kreis des Herstellers auch ohne weiteres kaufen kann.