Hinterlader mit Stern

Ein Pick-up-Truck mit Stern im Kühler? Das hätte vor wenigen Jahren noch als Satire-Schlagzeile hergehalten. Doch was solls – heute verkauft Porsche mehr Geländewagen als Sportwagen, BMW bietet einen Van mit Frontantrieb an und Maserati baut einen SUV. Warum sollte also nicht auch Mercedes-Benz in markenfernen Gewässern fischen.

Angesiedelt wird der Daimler-Pick-up im sogenannten Midsize-Segment, also dort, wo sich auch schon Bestseller wie der Toyota Hilux und der Überraschungserfolg VW Amarok tummeln. Der Grund für das Mercedes-Engagement: Pick-ups verkaufen sich weltweit gut – und das soll sich in den kommenden fünf Jahren laut diverser Analysten-Orakel auch nicht maßgeblich ändern. Vielversprechend sieht man bei Daimler den Markt der “Lifestyle-Kunden” – also jenen Autokäufern, die ihre Fahrzeug vor allem wegen seinem Image, und weniger wegen seiner Fähigkeiten kauft.

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Alles ausser USA

Den größten Teil des Pick-up-Kuchens will Mercedes jedoch erst mal der Konkurrenz überlassen. Für die USA wähnt man den kommenden Pritschenwagen nämlich “zu klein”. Dort verkaufen sich vor allem die dicksten Pick-up-Brummer, wie Fords F-150, hervorragend.

Statt dessen will man sich vor allem auf die Märkte Lateinamerika, Europa, Südafrika und Australien konzentrieren.

Als Organ- und Plattformspender steht Mercedes ein überaus reichhaltiges Angebot an hauseigenen Modellen zur Verfügung. Welche Basis man für den Pick-up wählen wird, ist bei Mercedes noch nicht entschieden und hängt nicht zuletzt vom Preispunkt ab, den man mit dem neuen Modell anvisieren will.

Variante 1: G-Klasse als Basis

Traglast und Robustheit würde ein Pick-up auf Basis der G-Klasse versprechen. Billig wird die dann allerdings nicht: So solide die Leiterrahmen-Konstruktion auch sein mag, heutigen Fertigungstechniken ist die altertümliche Kfz-Baumethode nicht mehr gewachsen. Zudem könnte sich das zuständige Werk von Magna in Graz mit einer höheren Nachfrage überfordert zeigen.

Variante 2: Luxus-Pick-up

Alternativ könnte Mercedes auch seine Geländewagen GLE und GLS zu Pick-ups umfunktionieren. Mit der angestrebten Nutzlast von 1 Tonne wird es dann jedoch nicht klappen. Zudem wäre der Pick-up dann nur etwas für ausgesprochen wohlhabende Kunden, da die verbauten Teile der ehemaligen M-Klasse nicht gerade aus der billigsten Lade gefischt werden.

Variante 3: Vito als Pick-up

Die wahrscheinlichste Basis stellt die hauseigene Nutzfahrzeugpalette dar: Vito und V-Klasse schaffen schließlich schon jetzt den Spagat zwischen Nutzfahrzeug und Familienkutsche. Hier hätte man sogar den Allradantrieb schon fertig.

Variante 4: Badge-Engineering

Als vierte Option bleibt Mercedes dann noch eine Kooperation mit einem seiner Partner. Mit dem Navarra hat Nissan beispielsweise bereits ein Fahrzeug, an das Mercedes eigentlich nur noch seinen Stern kleben müsste.


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