Off World Driving Records

: Off World Driving Records

Den Titel des zuverlässigsten Fahrzeugs überhaupt kann eines der exotischsten Autos für sich beanspruchen: In Kleinstserie (2 Stück) produziert, Fahrleistungen in (wortwörtlich) Marathondistanz und über 11 Jahre unterwegs, ohne ein einziges Mal in die Werkstatt zu müssen.

Für eine Probefahrt mit dem Dauerläufer muss man allerdings ein Stückchen reisen. 225 Millionen Kilometer, um genau zu sein. Das zuverlässigste Auto der Welt (oder besser: des Sonnensystems) steht nicht auf der Erde, sondern befindet sich im Moment nahe des Endeavour-Kraters auf unserem zweit nächsten Nachbarplaneten – Mars.

Ursprünglich sollte “Opportunity”, wie sein Zwillings-Rover “Spirit” nur 92 Tage im Einsatz sein. Mittlerweile sind es über 4.000 – und der Rover fährt immer noch. Damit ist Opportunity 4.420 Prozent zuverlässiger, als erwartet.

off-word-driving-records

Slow and Steady wins the Race

Der Top-Speed von Opportunity liegt bei 0,18 km/h. Für einen extra-terrestrischen Geschwindigkeitsrekord reicht das also nicht – den hält übrigens schon seit mehr als 40 Jahren der Lunar Rover mit Eugene Cernan am Steuer. Wer 11 Jahre unterwegs ist, kommt auch im Schneckentempo auf eine beachtliche Fahrstrecke. Bei Opportunity sind das derzeit etwas mehr als 42,2 Kilometer – oder ziemlich exakt Marathon-Distanz.

Damit hat Opportunity nicht nur einen Meilenstein in der Mars-Erforschung hinter sich gebracht, sondern auch einen über 40 Jahre stehenden Rekord eingestellt. Der bisherige Reichweiten-Champion war dar 1973 gestartete russische Mond-Rover Lunokhod II, der vom 11. Jänner bis 11. Mai 1973 im Einsatz war. Die tatsächlich von Lunokhod II gefahrenen Distanz bleibt bis heute eine Schätzung: Der eingebaute Entfernungsmesser gab die Fahrstrecke mit 37 Kilometern an, später wurde diese auf 42,1 bis 42,2 Kilometer korrigiert. Nach heutigem Erkenntnisstand (und unter Zustimmung von amerikanischen und russischen Offiziellen) liegt die Strecke bei rund 39 Kilometern.

Heute ist Lunokhod II nicht mehr Eigentum der russischen Weltraumbehörde. Die hat den Mond-Rover 1993 im Raumen einer Sotheby’s Auktion in New York zum Preis von 68.500 Dollar verkauft. Der Käufer: Computerspiel-Ikone und Astronautensohn Richard Garriott.

path-opportunity

Wear and Tear

Ganz spurlos sind die letzten 11 Jahre nicht an Opportunity vorüber gegangen. Das rechte Vorderrad zeigt beispielsweise Ermüdungserscheinungen. Daher hat man im JPL eine recht ungewöhnliche Fahrtechnik entwickelt: Um die weitere Abnützung des Rades auf ein Minimum zu reduzieren, fährt der Rover seit 2011 regelmäßig größere Strecken im Rückwärtsgang.

PIA14129_hires_edited

Reverse Dance Step: Charakteristische Reifenspuren, die Opportunity bei der Rückwärtsfahrt im Marsboden hinterlässt.

Die Rückwärtsfahrt ist für Opportunity nur mit kleinen Verrenkungen möglich. Da die Navigationskameras des Rovers nicht direkt nach hinten sehen können, muss Opportunity in kurzen Abständen immer wieder stehen bleiben, eine kleine Rotation durchführen, das Terrain scannen, und anschließend im Rückwärtsgang erneut den Kurs fortsetzen. Diese Bewegungsroutine haben die Wissenschaftler am JPL den “Reverse Dance Step” getauft.

Driverless Mars Car

Navigation und Fortbewegung muss Opportunity großteils ohne Hilfe von der Erde alleine bewerkstelligen. Da Radiosignale von der Erde je nach Position der Planeten mehrere Minuten lang unterwegs sind, ist eine Fern-Steuerung unmöglich. Opportunity ist damit ein autonomes Fahrzeug – das ganz ohne Straßen und Farbahnmarkierungen seinen Weg findet. Und das mit 12 Jahre alter Technik.

Seit Dezember 2014 leidet Opportunity immer wieder an Amnesie: Der Rover schafft es dabei am und zu nicht, gesammelten Daten in seinen Speicher zu schreiben. Dieses Hardware-Versagen ist laut NASA eindeutig auf das hohe Alter zurückzuführen. Noch sei das Problem allerdings nicht so gravierend, dass die Funktion des Rovers dadurch signifikant beeinträchtigt wäre.

PIA19151_hires_edit

Bild oben: Panorama-Blick von Opportunity am Rand des Endeavour-Kraters. Zu sehen ist ein Teil des sogenannten “Marathon Valley”. Aufgenommen im März 2015.

The Next Generation

Dass Opportunity den Rekord erneut mehr als 40 Jahre lang halten wird, ist unwahrscheinlich. Derzeit fährt auf dem Mars bekanntlich noch ein weiterer Rover aktiv durch die Landschaft. Der hat nicht nur einen klaren Größenvorteil, sondern ist auch mit acht Jahre jüngerer Hardware ausgestattet. Curiosity dürfte Opportunity allerdings nur dann überholen, wenn dem Führenden doch irgendwann der Saft ausgeht. Trotz seiner Größe (und der damit verbundenen besseren Geländegängigkeit) liegt die Höchstgeschwindigkeit von Curiosity nämlich nur bei 0,14 km/h – das ist 0,04 km/h langsamer als Opportunity.

NASA Mars Rovers Comparison

Bild oben: Gruppenfoto der amerikanischen Mars-Rover. Von links nach rechts: Mars Exploration Rover (Spirit, Opportunity), Sojourner, Curiosity. Aufgenommen im Mars-Testgelände des JPL (Jet Propulsion Laboratory) hier auf der Erde.



Related Articles

“Wir brauchen Mut zum Vulgären”

Mit Jan-Paul Rubens hat Mercedes genau den Richtigen am Ruder der Einsteiger-Limousine CLA sitzen. Der charmante Holländer hat einen emotionalen Zugang zum Automobilmarketing. Und zeigt keine Angst vor dem Bruch mit Traditionen.

Elektrischer Retro-Roadster mit 550 km Reichweite

Japanischer Elektroauto-Hersteller macht den klassische gestylten Roadster von Mitsuoka Motors zum Elektro-Vehikel. Der Clou: 550 Kilometer Reichweite mit einer Akkuladung.

Ultraleicht

Puristische Rennstrecken-Spielzeuge sind in England nichts Neues. Schon KTM X-Bow oder Ariel Atom feierten auf der Insel ihre Weltpremieren. Jetzt führt ein futuristisches High-Speed-Cabrio diese Tradition fort: Das ultraleichte Track-Car Vuhl 05.