Mercedes Marco Polo: Urban Camping

: Mercedes Marco Polo: Urban Camping

2015

Mercedes-Benz

Marco Polo 250 BlueTECH

Modelljahr 2015 Gewicht 2.320 kg
Leistung 190 PS 0-100 km/h 9,8 s
Drehmom. 440 Nm Topspeed 200 km/h
Zylinder 4 Sitze 4-6
Hubraum 2.143 cm³ Preis ab €67.645

Vanishing Points Jackie K war mit dem Mercedes-Benz Marco Polo unterwegs.

Ich hatte immer schon etwas gegen Flugreisen, besonders Fernreisen – warum immer überall alles kennen lernen wollen und um die Welt ziehen? Zuhause kann es doch so schön sein. Sonnenallee, Lindenallee, Balkonien, schattige kühle Campingplätze.

Ah, ich vergaß, nein. Natürlich keine Campingplätze. Die sind nur in Südfrankreich an der Côte d’Azur schön. Und Campen ist sowieso total uncool. Aber egal.

Wir haben ihn nun, den Marco Polo. Mit 190 PS, hinaus aus dem Zentrum zum ersten Grillabend in diesem Sommer! Nicht, dass der Grill in dem Auto inkludiert wäre, aber beim ersten Stop an der Tankstelle konnten wir zumindest den Kühlschrank im Marco Polo mit dem Wichtigsten befüllen. Gut, daß ich auf den Kauf der Alessikühltasche verzichtet habe (gibt es die überhaupt?) – der Marco Polo ist schließlich ein fahrbarer Frischhaltebehälter.

Dann der große Test. Wie geht was. Das Dachbett aufstellen, den Gasherd anschließen, den Frischwasserbehälter auffüllen. Natürlich sollte das alles ganz leicht sein.

Ist es auch: Das große Faltdach ist in nicht mal 5 Sekunden aufgestellt, auch ohne elektrischen Hubmotor – und dann ein einziges Kinderparadies. Decken rein, fertig. Was den Rest betrifft, hilft das Handbuch weiter.

Während der Montagabend immer länger wurde, die Livemusiker auf der Wiese nebenan probten, schlief unsere Tochter die ersten Stunden seelig auf der feinen Latexmatratze und dem dazu konzipierten Tellerlattenrost im “ersten Stock” des Marco Polo.

Glücklich, satt, mit aufgeladenen Handys und Tablets (endlich ein Hersteller der USB-Anschlüsse großzügig im ganzen Fahrzeug verteilt) fuhren wir dannach wieder rein in die Stadt. Die restlichen Flaschen Radler immer noch gut gekühlt im Eiskasten des Marco Polo aufgehoben.

Die Parkplatzsuche – Freitag Abend, Wiener Innenstadt – gestaltete sich mit dem Mercedes-Camper auch nicht schwierigeer als sonst. Schließlich ist der Van nur 20 cm länger als ein Audi A6. Endlich ist eine Lücke frei – und wir sind zu Hause. Ein Blick auf den Verbrauch der letzten 25 km läßt uns schmulnzeln. 7,9 l/100 km. Nicht schlecht für ein fahrbares Zwei-Zimmer-Apartment.

Am nächsten Morgen ging es dann richtig los. Mit Koffern befüllten wir das Auto. Wohin mit ihnen? Als Camping-Novize mussten wir uns erst einmal daran gewöhnen, daß alles in den zahlreichen Schränke Platz findet und diese nur befüllt werden wollten. Töpfe, Spülmittel, Servietten, Zahnbürste, halt all das, was man so mitnimmt. Für die leeren Koffer blieb immer noch genügend Platz hinter der Rückbank.

Beim Befüllen der Kästen merkte man, dass da jemand Spaß am Designen hatte – und das auch erfolgreich umsetzen konnte. Alles fühlte sich gut an, wertigst, so wie man es von der Herstellermarke gewohnt ist. Andere Materialien sieht man in der S-Klasse auch nicht. Das halbe Armaturenbrett und das Command-Navigationssystem stammen sowieso aus dem Top-Modell in Limousinenform.

Die verstellbaren Sitze im rückwärtigen Bereich, die sanft einschnappenden Schiebtüren mit den unsichtbaren Magnetverschlüssen und die Spüle! Mal wirklich schön, auch die Armatur. Zuhause würde ich all diesen Luxus gar nicht haben wollen, aber in unserem Marco Polo? Klar doch! So viel Technik wie nur geht!

Die Anreise auf dem Campingplatz war sehr spät, eigentllch schliefen schon alle, aber das hauseigene Restaurant hatte für uns noch geöffnet.

Motor ausgeschaltet, 1. Obergeschoss ausgefahren – und los gings. Die Schnitzel waren überdurchschnittlich gut, der Wein auch.

Ja – was sonst noch so passierte. Alles, was man sich an Wochenenden, in den Ferien, in Freizeiturlauben, bei Klettertouren oder beim Business Trip so vorstellen mag. Fernreisen erschienen im Hinblick auf den ersichtlich geringen ökogische Fußabdruck auch wieder vertretbar. Unsere Wohnung? Ja, eh schön, aber mit einer Nacht im Marco Polo kann die nicht mehr mithalten.


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