Ist Nikola One der LKW für Millennials?

Am 1. Dezember enthüllte das US-Automobil-Start-up Nikola Motors sein erstes Fahrzeug. Kein Supersportwagen, kein SUV, kein Citycar – sondern eine riesige LKW-Zugmaschine. Erstaunlich beim Nikola One ist jedoch nicht nur die Tatsache, dass er von Elektromotoren angetrieben wird, oder dass er den Strom aus einer Wasserstoff-Brennstoffzelle bezieht – sondern dass Nikola Motors CEO gar nicht dran denkt, den LKW-Fahrer überflüssig zu machen. Im Gegeteil: Der Nikola One soll Millennials den Beruf des Kraftfahrers wieder schmackhaft machen.

Als Namensgeber der LKW-Company muss wie schon bei Elon Musks E-Auto-Unternehmen der Erfinder und Elektrizitätsvorreiter Nikola Tesla herhalten – diesmal mit seinem Vornamen. Und wie Tesla setzt auch Nikola auf Hightech in der Kabine. Aussgestattet mit einem 4K-Fernseher, Apple TV und WLAN übertrifft der Nikola One schon jetzt die meisten LKW-Interieurs. Hinzu kommt ein großvolumiger Kühlschrank (um die Kosten für’s Essen unterwegs gering zu halten).





Drivers First

All das hat ein Ziel: Fahrer sollen sich an Bord eines Nikola-LKWs möglichst wohl fühlen. Für bessere Arbeitsbedingungen für Trucker wäre es – vor allem in den USA – längst an der Zeit. Fernfahrer fühlen sich seit vielen Jahren geradezu miserabel in ihren Jobs. Im Durchschnitt hält es ein Trucker in den USA derzeit nur drei bis vier Monate im selben Job aus. Zudem ist die Branche massiv überaltert: Es gibt mehr Fahrer über 65 (6 Prozent) als zwischen 20 und 24 (5 Prozent). Für Junge ist das Trucking-Business schlicht nicht mehr attraktiv.

Das freundliche Interieur, moderne Connectivity und ein auf Sicherheit und Überblick hin optimiertes Cockpit sollen laut Nikola Motors nicht nur die Generation der heute 20-30 Jährigen anlocken sondern auch Frauen.

Driverless = less Drivers

In einer Zeit, in der Daimler, Tesla oder Uber bereits Pläne vorgestellt haben, den Fahrer im LKW über kurz oder lang durch autonome Fahrsysteme zu ersetzen, wirkt Nikola Motors Ansatz etwas merkwürdig. Statt autonomer Trucks will Nikola Motors die Elektronik in den Dienst des Fahrers stellen: Diverse Fahrhilfen sollen die Arbeit des Fahrers einfacher und weniger ermüdend machen – ihn aber nicht ersetzen.

Auch wenn dieser Ansatz vielleicht etwas rückständig erscheint – er könnte mittelfristig eine vielversprechende Lösung sein. Bis der Gesetzgeber weltweit LKWs wirklich ohne menschliche Besatzung auf die Straße lassen wird, dürften noch viele Jahre vergehen. Dass die Mühlen der Bürokratie mit der Entwicklung autonomer Fahrzeuge schritthält, glaubt sogar in der Automobilbranche kaum jemand.

Ob ein wenig Unterhaltungselektronik wirklich ausreichen wird, den Berufsstand des LKW-Fahrers zu rehabilitieren, bleibt fraglich. Die Hauptgründe für die hohe Unzufriedenheit sind schließlich nicht nur die Arbeitsbedingungen, sondern auch die schlechte Bezahltung. Und daran dürfte auch Nikola Motors kaum etwas ändern können.





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