Wildcampen in Europa

Wildcampen ist verboten. So heißt es zumindest immer. In Europa sind die Regelungen jedoch sehr unterschiedlich: In Schweden und Norwegen darf man fast alles, am Balkan fast nichts – und überall sonst wird’s schnell sehr bürokratisch.

Gefährliche Wildnis

Eine einheitliche, europäische Regelung gibt es beim Campen in der Wildnis nicht – egal ob mit Wohnwagen, Wohnmobil oder ganz einfach mit Zelt. Weder bei dem, was erlaubt oder verboten ist, noch bei der Höhe der Bußgelder. Bei letzterem kann man vor allem in den traditionell camping-unfreundlichen Südländern schon mal eine böse Überraschung erleben. Am teuersten kann es in Frankreich werden: Wer hier am Strand oder in Sichtweite von Sehenswürdigkeiten campt, kann sich auf eine Strafe in Höhe von 1.500 Euro einstellen. Übrigens: Französische Behörden sollen wildcampende Urlauber, die gegen diese Regel verstoßen, auch schon anhand ihrer (öffentlich im Internet geteilten) Urlaubsbilder dingfest gemacht haben. Das Foto vom Campingurlaub unter’m Eiffelturm dürfte also teuer werden.

Jedermannsrecht in Schweden

Entspannter beim Thema Camping als in Schweden ist man nirgendwo in Europa. Für eine Nacht ist dort das aufschlagen der temporären Unterkunft generell überall erlaubt. Das schließt sogar Privatgrundstücke ein – und zwar auch ohne vorher den Besitzer um Erlaubnis zu fragen. Diese überaschend freizügige Regelung geht auf das alte schwedische “Jedermannsrecht” zurück, das der Öffentlichkeit die Nutzung von Privatgrundstücken prinzipiell gestattet.

Das heißt allerdings nicht, dass man sein Nachtlager einfach in der Garagenauffahrt eines Einfamilienhauses aufschlagen darf. Campen ist auf Privatgrundstücken nämlich nur dann vom Gesetzgeber abgesegnet, wenn es außerhalb der Sichtweite des Privathauses geschieht. Dass man die Campingstelle so hinterlassen muss, wie man sie vorgefunden hat, versteht sich von selbst.

Den größten “Haken” am Jedermannsrecht: Die Blanco-Campingerlaubnis gilt nur für Personen, die zu Fuß, per Fahrrad bzw. Kanu oder zu Pferde unterwegs sind. Wohnwagen und Reisemobile dürfen immerhin auf öffentlichen Parkplätzen, am Ende von Straßen sowie direkt am Strand abgestellt werden.

Strenge Dänen

Ein Land weiter, in Dänemark, ist die Lage gänzlich anders. Mit 75 Euro werden Wildcamper dort zur Kasse gebeten – und das ist in Dänemark jeder, der nicht auf einem kostenpflichtigen Campingplatz steht.

Entspanntes Ex-Yugoslawien und Polen

In Serbien, Kroatien und Bosnien-Herzegowina ist Campen offiziell zwar auch nur auf Campingplätzen gestattet, wie wir von langjährigen Balkan-Campern erfahren haben, wird das von der Polizei aber nicht geahndet. Länger als eine Nacht sollte man jedoch nicht am selben Standort verweilen.

Ähnlich relaxed geht man in Polen mit dem Thema um. Obwohl Wildcampen verboten ist, wurde seit 20 Jahren (!) keine einzige Strafe wegen dieses Deliktes verhängt. Beamte weisen besonders dreiste Wildcamper höchstens an, möglichst rasch ihre Lagerstätte zu räumen.


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